«Ich will auch!»: Warum Kinder mitbestimmen sollen

In einer kinderfreundlichen Stadt können Kinder mitreden und -bestimmen. Sie sind im Dialog mit Politik und Stadtverwaltung. Beschlüsse werden gemeinsam getroffen. So lernen die Kinder früh, was Engagement bedeuten. Das ist kein Kinderspiel, aber möglich. Zeigt die «Kinderfreundliche Stadt» Basel.

Kind hüpft in Pfütze.

Bildlegende: Glückliche und engagierte Kinder: Mitspracherecht sei Dank. Getty Images

Ein Sommerabend in Basel. Leute flanieren am Rheinufer, trinken ein Glas Weisswein an einer der Buvettes. Neben einer der Buvettes steht ein Container, ein Flatscreen ist daran aufgehängt. Der Animationsfilm «Ratatouille» läuft, ein Dutzend Kinder sitzen auf kleinen Holzstühlen davor, essen Würstchen und Ratatouille.

Die Kinder kommen aber nicht einfach hierher und setzen sich vor die Kiste. Das Openair-Kino für Kinder ist ein Projekt der «drumrum-Raumschule». Ein Junge aus dem Quartier steht am Grill und wendet die Würste. Er ist heute Abend für das Essen verantwortlich. Seine Kollegen haben das Gemüse geschnitten. Auch das Kinoprogramm hätten sie selbst zusammengestellt, erzählen sie. Jeder habe einen Film vorschlagen dürfen. Und die Kinostühle? Selbst geschreinert im Verlaufe des Jahres.

Partizipation ist das Schlüsselwort

Das Projekt am Rheinufer zeigt, wie Kinderfreundlichkeit in Basel funktioniert. Als Stadt kinderfreundlich zu sein, heisst: Die Kinder dürfen mitmachen, mitreden und sich für ihre Wünsche engagieren. Partizipation in der Stadtentwicklung ist das Schlüsselwort, erklärt Elsbeth Müller, Chefin von Unicef Schweiz: «Wenn Kindern Raum gegeben wird, sich auszudrücken und ihre Bedürfnisse einfliessen in politische Massnahmen – das ist Kinderfreundlichkeit.»

Im Klartext: Kinderfreundlichkeit bedingt, dass zwischen politisch Verantwortlichen und Kindern ein Dialog hergestellt wird, in dem Ideen zur Sprache gebracht werden. Ein Wunschkonzert ist dieser Prozess aber nicht. Es geht nicht darum, die Wünsche einfach anzuhören und zu erfüllen. «Es wäre ein falsches Bild, wenn man sagen würde, man fragt jetzt die Kinder, was sie wollen und dann können sie das haben. Das Leben ist nicht so», sagt Marc Flückiger, Leiter der Abteilung Jugend- und Familienförderung in Basel.

Engagement für die Zukunft

Die Erfahrung der Fachleute zeigt: Partizipation, also Teilhabe und Teilnahme an der Stadtentwicklung, wirken über das Kindheitsalter hinaus. Ein Kind, das in einem Projekt mitwirkt, erfährt nicht nur, was Verantwortung und Engagement bedeuten. Es profitiert auch langfristig von diesem demokratischen Prozess. Dazu Marc Flückiger: «Je früher das stattfindet, desto stärker ist die nachhaltige Wirkung.» Eine Stadt, die Kinder einbezieht und zu Wort kommen lässt, ermutigt diese also auch für eine langfristige Teilhabe an gesellschaftlichen und politischen Fragen. So gesehen hat Basel punkto Erziehung zum gesellschaftlichen Engagement einen Vorsprung.

Mitsprache im Strassenverkehr

Dieser Vorsprung zeigt sich auch bei «cops for kids», ein Basler Projekt zur Verbesserung der Verkehrssicherheit von Kindern. Polizisten und Schulkinder kontrollieren gemeinsam die Geschwindigkeit der Autos in Schulzonen. Das sensibilisiert die Autofahrer für die Existenz der Schulkinder und ihren Heimweg, auf dem Raser unerwünscht sind. Sitzen die Schulkinder dann mit den eigenen Eltern im Auto, so kommt die Tempokontrolle nicht selten von der Rückbank: «Mami, fahr nid so schnäll!»

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