«Ich wollte meine eigene Jesus-Figur finden»

In Luke Gassers Film «The Making of Jesus Christ» spielt Gerhard Halter Jesus und Julia Meade Maria Magdalena. Für beide Schauspieler war biblischer Stoff Neuland. Welche Erfahrungen haben sie gemacht? Ein Blick hinter die Kulissen der Dreharbeiten.

«Darf man Jesus überhaupt spielen?» – Gerhard Halter im Film.

Bildlegende: «Darf man Jesus überhaupt spielen?» – Gerhard Halter (rechts) im Film. Präsens-Film

Gerhard Halter, wie haben Sie reagiert, als Luke Gasser Ihnen vorschlug, in seinem neuen Film Jesus zu spielen?

Halter: Im ersten Moment bin ich schon etwas erschrocken. Ich konnte mir nicht vorstellen, was da auf mich zukommt und wollte erst mal Genaueres über das ganze Projekt wissen.

Was hat Sie, Julia Meade, daran gereizt, in die Rolle einer biblischen Figur zu schlüpfen?

«Ich fand einen sehr emotionalen Bezug zur Figur.» – Julia Meade als Maria Magdalena.

Bildlegende: «Ich fand einen sehr emotionalen Bezug zur Figur.» – Julia Meade als Maria Magdalena. Praesens-Film

Meade: Ich hatte vor dem Filmprojekt wenig Kenntnis von der ganzen Geschichte, obwohl ich in der Schule Religionsunterricht hatte. Ich fand aber einen Zugang durch die Musik. Ich hatte nämlich mal «I Don’t Know How to Love Him» gesungen, jenes Lied der Maria Magdalena aus «Jesus Christ Superstar». Ich hatte mir diese Filmszene unzählige Male angeschaut und dadurch einen sehr emotionalen Bezug zu dieser Filmfigur gewonnen.

Wie haben Sie sich vorbereitet?

Meade: Ich hatte mit Luke Gasser intensive Vorgespräche, denn ich musste mir ja erst einmal den Inhalt der Geschichte aneignen. Für die Umsetzung der Rolle hatte ich dann viel Freiheit. Luke wollte, dass ich meine eigene Maria Magdalena finde. Ich ging dabei eher gefühlsmässig vor und weniger mit gross angelegten Recherchen.

Halter: Zu meinen Vorbereitungen gehörte, dass ich mir die Haare wachsen liess und später auch den Bart. Die Geschichte kannte ich und so habe ich mich inhaltlich nicht gross vorbereitet. Doch kurz bevor es losging mit den Dreharbeiten, bekam ich ein wenig Angst. Ich habe mich plötzlich gefragt: Darf man überhaupt Jesus spielen? Ich habe mir dann aber vorgenommen, Jesus nicht als grosse Bibelfigur zu spielen, sondern ihn als Menschen darzustellen.

Haben Sie sich andere Jesus-Filme angeschaut?

Halter: Das habe ich ganz bewusst nicht gemacht, denn ich wollte keinen bestehenden Jesus nachverfilmen, sondern meine eigene Figur entwickeln. Ich denke, «mein» Jesus entspricht vor allem einem Bild, das wir uns von ihm machen. Wir wissen ja nicht, wie er wirklich ausgesehen hat. Deshalb wandeln sich die Jesus-Bilder im Lauf der Zeit, weil sie auch kulturell geprägt sind.

Hat sich Ihre Beziehung zu Ihren Filmfiguren durch diese Dreharbeit gewandelt?

Meade: Mir ist Maria Magdalena sehr viel näher gekommen. Überhaupt hat mich die ganze Jesus-Geschichte auf einmal berührt. Wenn ich früher in der Schule etwas darüber hörte, fand ich das immer eher langweilig. Doch plötzlich Teil der Geschichte zu sein, am Kreuz zu stehen, alles hautnah mitzuerleben, das war schon eindrucksvoll.

Halter: Auch mein Bezug zu Jesus hat sich fundamental geändert. Früher war Jesus für mich wirklich der Heilsbringer mit der frohen Botschaft. Heute bin ich diesbezüglich ein wenig desillusioniert und sehe ihn viel kritischer.

Ich nehme an, die eindrücklichsten Drehs waren die bei der Kreuzigung.

Meade: Allerdings! Zu sehen, wie die Leute an den Kreuzen hingen und offensichtlich richtig Schmerzen hatten, war schon krass. Und dann das ganze Blut. Auch das Wetter war an dem Tag richtig dramatisch. Mir ging das ziemlich unter die Haut, zumal einer der Gekreuzigten mein Bruder war. Man kennt ja tausend Bilder von dieser Szene, aber wenn man richtig dabei ist, ist das doch nochmal was völlig anderes.

Wie hat es sich für «Jesus» angefühlt, am Kreuz zu hängen?

Halter: Es war brutal, obwohl es nur gespielt war. Ich hatte ja keine Nägel durch Hände und Füsse, sondern war ans Kreuz gefesselt. Aber man kriegt trotzdem Angst und vor allem bekommt man einen Eindruck davon, was für ein erbärmlicher Tod das sein muss. Und der Dreh zog sich ewig hin, bis alle Kameraeinstellungen im Kasten waren. Plötzlich merkte ich, wie mir die Arme und Beine einschliefen. Da mussten wir unterbrechen, weil ich es nicht mehr ausgehalten habe. Ich musste von diesem Kreuz runter und mich kurz bewegen.

Auch die Szenen bei Jesu Verhör mit der anschliessenden Auspeitschung waren ziemlich brutal.

Halter: Die Auspeitschung haben wir in Augusta Raurica gedreht. Da gibt es eine Stelle, an der die Römer früher wirklich Leute auspeitschten. Die haben wir für den Dreh verwendet. Auch da war natürlich alles nur Fake, aber die Emotionen mussten doch da sein und ich musste immer wieder laut schreien. Da ging plötzlich in einem nahe gelegenen Haus ein Fenster auf und eine Frau rief: «He, was macht ihr da? Hört sofort auf! Das ist ja nicht zum Aushalten!»

Würden Sie wieder bei einem Bibelfilm mitmachen?

Meade: Auf jeden Fall! Ich denke gern an diese Dreharbeiten zurück. Gerade weil es so bewegend und eindrücklich war. Das ist für einen Schauspieler extrem bereichernd. Dieses Filmprojekt hat mir neue Darstellungsräume erschlossen. Dafür bin ich sehr dankbar.

Halter: Was mich betrifft, so ist meine Rolle nicht mehr zu toppen! Nein, Spass beiseite. Ob wieder Bibelfigur oder nicht, ist für mich nicht das Kriterium. Mich muss ein Projekt überzeugen. Für interessante Rollen bin ich immer zu haben.

Zu den Personen

Zu den Personen

SRF/Merly Knörle

Julia Meade, 22, studiert im dritten Jahr an der Filmschauspielschule EFAS in Zürich, lebt in Sarnen.

Gerhard Halter, 53, hauptberuflich im Bauamt der Stadt Luzern tätig, seit vielen Jahren als Laienschauspieler aktiv.

Drehorte des Films

Die Kreuzigung für «The Making of Jesus» wurde in einem alten Steinbruch in Lungern gefilmt, das Verhör von Pilatus im Museum von Augusta Raurica bei Basel. Weitere Drehorte waren die Ufer des Sarnersees, ein Swimmingpool in Sachseln sowie der Keller des Bruder-Klaus-Museums in Sachseln.

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