Abseits des Touristenstroms zur Golden Gate Bridge

Die Golden Gate Bridge ist Teil eines Nationalparks, der die frühere Militäranlage Presidio umfasst. Abseits der Touristenströme werden jetzt aus Militärstrassen Wanderwege gebaut, damit Besucherinnen und Besucher den Landstrich am Pazifik zu Fuss erleben können.

Die rote Brücke im Sonnenlicht, dahinter eine Hügellanschaft.

Bildlegende: 19 Millionen Menschen besuchen jährlich die Golden Gate Bridge. Flickr/Kevin Cole

Kate Bickert geht den Wanderweg entlang und macht mit der Hand eine schweifende Bewegung hin zum grünen Hügel über dem Meer. «Diese Wanderwege wurden vor drei Jahren alle neu gebaut für das 75-Jahr-Jubiläum der Golden Gate Brücke. Damit die Menschen den Park besser erleben können.»

Blick vom Bunker über die Bucht

Die Wegaufseherin Kate Bickert leitet das Projekt, das die Wanderwege weiterhin verbessern soll. Momentan ist eine kleine Brücke in Bau, die es Radlerinnen und Spaziergängern erlauben wird, direkt auf die westliche Seite der berühmten Hängebrücke zu gelangen.

Bei einem windigen Aussichtspunkt schaut Kate Bickert auf das gigantische rote Bauwerk hinunter. Einem Blechstrom ähnlich fliessen die Autos über die sechsspurige Strasse der Brücke. «Das hier heisst Golden Gate Overlook. Von hier aus sehen wir die Brücke, die Bucht und die Marin Headlands auf der anderen Seite. Hier neben uns sind frühere Bunker aus dem zweiten Weltkrieg».

Von Militärstrassen zu Spazierwegen

Die Bunker erinnern an die Geschichte dieses Landstücks das über dem Eingang zur Bucht von San Francisco thront: Der sogenannte «Presidio» war seit der Besetzung durch die Spanier 1776 bis nach dem Zweiten Weltkrieg ein wichtiger Militärstützpunkt auf der Westküste. 1994 wurde er zum Nationalpark umfunktioniert.

Die frühere militärische Nutzung des Presidios wirkt sich stark auf die Arbeit von Kate Bickert aus: «Viele der Strassen und Wege, die sich hier befinden, sind gebaut worden, um möglichst schnell Truppen und Material zu verschieben. Sie führen nicht unbedingt dorthin, wo die Menschen heute sein wollen. Unsere Aufgabe ist es also, die Strassen und Wege, die wir geerbt haben, an die Wünsche von Besucherinnen und Besuchern aus dem 21. Jahrhundert anzupassen».

Natur und Mensch im Einklang

Jetzt befinden sich im Presidio 40 Kilometer Wanderwege, auf denen Besucherinnnen und Einheimische in Ruhe abseits vom Touristenstrom das Gebiet erkunden können. Diese zu bauen ist jedoch schwieriger, als man sich vorstellt, meint die Wegaufseherin: «Man kann nicht einfach eine Schaufel nehmen und losgraben. Wir bauen ein Wegnetz, das für Wanderer, Velofahrerinnen, Rollstuhlgänger, Betagte und Kinder gemacht ist. Wir müssen ganz verschiedene Bedürfnisse berücksichtigen.» Zudem gelte es, die historische Substanz zu bewahren und die einzigartige Natur zu schützen, dennoch aber den Zugang zu gewähren – zum Beispiel zu den zahlreichen Aussichtspunkten mit Blick auf den Pazifik und auf die Golden Gate Brücke.

Kate Bickert sieht die Brücke täglich. Sie bleibt aber fasziniert: «Es ist ein bildhübsches Monument, fast ein Kunstwerk, integriert in die wunderschöne Natur ringsum. Es zeigt für mich, wie ein dichtbesiedeltes Gebiet und die natürliche Umgebung in Harmonie zusammenleben können.»

Sendung: SRF 2 Kultur, Kultur kompakt, 30.07.2014, 17:45 Uhr.

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