Immer mehr junge Frauen sprechen wie die Kardashians

Immer mehr junge Amerikanerinnen imitieren die Sprechweise von Fernsehstars wie Kim Kardashian oder Zooey Deschanel: Sie ziehen Wörter «knarrend» in die Länge – mit sogenanntem «Vocal Fry», zu Deutsch «Strohbass». Nun haben Wissenschaftler herausgefunden: Wir alle sprechen hin und wieder so.

Eine Frau schreit. Neben ihr ist ein Blatt mit einer Wave-Form.

Bildlegende: Ist Britney Spears schuld am lästigen Vocal Fry? Getty Images / Bildmontage

Eigentlich ist es ganz einfach: Man geht mit der Stimme runter, bis die Stimmbänder tiefe, knarrende Geräusche erzeugen. Ein bisschen tönt es, wie wenn man Speck anbrät. Darum heisst es im Englischen auch «Vocal Fry» – die Stimme anbraten. Im Gesang kennt man diese Technik schon lange als «Strohbass». Sie ermöglicht es, eine Oktave unter dem Sington zu singen.

Eine sprachliche Modeerscheinung

Seit einigen Jahren wird die Technik vermehrt auch beim Sprechen eingesetzt – am liebsten von jungen Frauen in Amerika. «Vocal Fry» ist quasi, was «Valleyspeak» in den 1970er- und 1980er-Jahren war: Eine sprachliche Modeerscheinung, die mehr und mehr Einzug in den Alltag findet. Damals war es die übertriebene Verwendung des Wortes «like» («He is – like – so clueless»). Heute ist es die tiefe Bassstimme.

Zwei Spektogramme übereinander. Sie zeigen unterschiedliche Schwinungsverläufe.

Bildlegende: Unterschiedliche Schwingunsverläufe: Eine Frau sagt zweimal dasselbe Wort – normal (A) und in «Vocal Fry» (B) Plos One

Wer damit angefangen hat, ist umstritten. Einige geben Britney Spears die Schuld. Andere der Sängerin Ke$ha. Der US-Sender CNBC vermutet die Quelle des Phänomens gar bei einer Wall-Street-Mitarbeiterin der Deutschen Bank. Denn mit «Vocal Fry»-Stimme zu sprechen sei eine Art, als Frau Intelligenz, Autorität und Entschlossenheit zu signalisieren.

Mit der Stimme Eindruck machen

Ob die tiefe Stimme aus diesem Grund den Weg in TV-Shows wie «The Bachelor» oder «Keeping Up with the Kardashians» gefunden hat, ist unklar. Dass Menschen mit ihrer Stimme einen bestimmten Eindruck machen wollen, ist aber ein bekanntes Phänomen. Man beobachtete es bereits 1964 bei Männern in England: Sie sprachen tiefer, um einen höheren Sozialstatus auszudrücken, erklärte der britische Linguist David Crystal in der New York Times.

«Vocal Fry» ist kein Gütesiegel

Doch seit dem man die knarrenden Stimmen – vor allem von jungen Frauen – mit billiger TV-Unterhaltung verbindet, gibt es keine Möglichkeit mehr, mit Hilfe der Stimmbänder die soziale Leiter zu erklimmen. Letztes Jahr untersuchte die Duke University in einer Studie den Einfluss der «Vocal Fry»-Stimme auf die Chancen im Bewerbungsgespräch. Fazit: Wer so spricht, hat schlechtere Chancen auf einen Job.

Aber vielleicht werden die Sprachtrends junger Menschen auch überbewertet. Denn eigentlich ist der «Vocal Fry»-Klang leise und wohltuend. Er entsteht, wenn die Stimme entspannt ist. Mark Liberman, Professor für Linguistik an der University of Pennsylvania, schliesst daraus: «Menschen benutzen diese Stimme, wenn sie entspannt oder gelangweilt sind.» Überhaupt würden alle Menschen hin und wieder so sprechen. Schliesslich habe bereits Schauspielerin Mae West im Filmklassiker «She Done Him Wrong» aus dem Jahr 1933 so gesprochen. Mit ihrer berühmten Zeile «Why don't you come up some time, see me?».

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