In Afrikas Medien sind Flüchtlingstragödien weniger dramatisch

Die Flüchtlingskatastrophen im Mittelmeer dominieren in hiesigen Medien tagelang die Schlagzeilen. Häufig stellen die Medien die Frage: Was kann Europa tun, um solche Dramen zu verhindern? Eine vergleichbare Resonanz gibt es in Afrika nicht. Die Berichterstattung ist oft kurz und sachlich.

Schwarze Männer in einem Newsroom. Sie lesen oder arbeiten am Computer.

Bildlegende: Gleiche Tragödie, verschiedene Blickwinkel: Afrikanische Medien berichten anders über die Flüchtlingsdramen. Getty Images

Keine Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer hat bis jetzt in Afrika einen Mediensturm ausgelöst. Auch die bisher schlimmste mit über 700 Opfern nicht, die sich kürzlich im Mittelmeer ereignete. Die grosse Medienvielfalt der 54 afrikanischen Länder lässt zwar keine akkurate Analyse der afrikanischen Berichterstattung über die Flüchtlingsdramen zu. Gemeinsamkeiten zwischen den afrikanischen Medien lassen sich aber trotzdem feststellen.

Kurz und sachlich

Afrikanische Nachrichten über die Flüchtlingsdramen im Mittelmeer stützen sich fast immer auf die grossen westlichen Nachrichten- und Bild-Agenturen wie Reuters oder AFP, sowie auf Fernseh- und Radio-Stationen wie BBC, Al Jazeera und RFI. Die wenigsten Medien können sich eigene Ausland-Reporter und -Korrespondenten leisten. Viele Radio- und Fernsehberichte haben daher News-Charakter, sind eher kurz und sachlich.

In den Zeitungen, die vor allem in den Städten gelesen werden, ist die Berichterstattung über Flüchtlinge und ihre Schicksale vielfältiger. Eine Rolle spielt, ob Flüchtlinge aus dem eigenen Land umgekommen sind. In Kenia etwa, das nicht direkt vom Flüchtlingsdrama betroffen war, begnügte sich der angesehene «The Standard» mit einer AFP-Meldung, als das jüngste Flüchtlingsdrama im Mittelmeer bekannt wurde.

Das Schicksal der Flüchtlinge im Fokus

Im Vordergrund der afrikanischen Berichte stehen oft die Trauer und das Bedauern über das Schicksal der Flüchtlinge. Die schwierigen Rettungsmassnahmen auf offener See sowie die prekären Verhältnisse der Geretteten werden geschildert. Von Diskriminierung der Immigranten in Europa, brutaler Behandlung und dem Umstand, dass sie «Wirtschaftsflüchtlinge» seien, ist mitunter die Rede.

Dass in Südafrika die Gewalt gegen Immigranten die Medien dominiert und das Flüchtlingsdrama im Mittelmeer verdrängt, ist nachvollziehbar. Südafrika ist ein Einwanderungsland. Menschen aus dem ganzen Kontinent suchen am Kap ein besseres Leben, was angesichts einer Arbeitslosenquote von offiziell 25 Prozent zu grossen sozialen Spannungen führt.

Wer soll sich der Emigration annehmen?

Die xenophobe Gewalt in Südafrika war denn auch in den meisten anderen afrikanischen Ländern Leitthema der Berichterstattung. Äthiopiens «The Reporter» machte in einem Bericht gleichzeitig die toten Flüchtlinge im Mittelmeer wie auch die in Südafrika getöteten Einwanderer und die Äthiopier, die in Libyen von IS-Anhängern umgebracht wurden, zum Thema. Ugandas «East African Business Week» sah in der wirtschaftlichen Misere den Hauptgrund für die Emigration. Die Misere sei dabei eine Folge der ungerechten Weltwirtschaft, nicht der mangelnden Regierungsführung.

Im westafrikanischen Gambia stellt der «Daily Observer» als einzige der hier beobachteten Medien die Frage, weshalb eigentlich die AU (Afrikanische Union) sich der Flüchtlingsproblematik nicht annehme. Die AU wird sich wohl demnächst damit auseindersetzen müssen. Die EU hat sie zu einem gemeinsamen Gipfel aufgerufen.

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