Integration an der Schule: «Ohne deutsche Sprache geht nichts»

Das Basler Parlament hat eine Quote von deutschsprachigen Kindern in Schulklassen abgelehnt. Im Berliner Problembezirk Neukölln beträgt der Anteil deutscher Kinder in Klassen oft nur etwa fünf Prozent. Heinz Buschkowsky, Bürgermeister des Stadtteils, setzt auf Sprachförderung vor dem Schuleintritt.

Garderobe, an der Turnbeutel hängen und in deren Regal eine Schultonister stehen.

Bildlegende: So bunt wie die Tonister sind in vielen Schulen die Kulturen gemischt. - Wie gehen die mit der Sprachproblematik um? Keystone

Schulklassen mit Kindern, die kaum Deutsch sprechen – was in einigen Basler Schulhäusern zu reden gibt – ist im Berliner Stadtteil Neukölln der Normalfall: In manchen Klassen liegt der Anteil von fremdsprachigen Schülern bei bis zu 95 Prozent. Eine Herausforderung für die Lehrkräfte, da viele Kinder in den ersten Jahren keine Chance haben, dem Unterricht zu folgen.

«Da hat man zwei bis drei Jahre zu tun, um die Kinder überhaupt erst schulreif zu machen», sagt der Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky. Und auch den Schülern hilft es wenig, wenn auf dem Schulhof kaum Deutsch gesprochen wird – was in manchen Schulen zu einem Türkisch-Verbot geführt hat.

Denkbar, aber nicht durchzusetzen

Eine Mindestquote von Schülern, die Deutsch als Muttersprache sprechen, wäre in dieser Situation natürlich eine grosse Hilfe, sagt Buschkowsky, der sich in seinem viel diskutiertem Buch «Neukölln ist überall» mit Integrationspolitik auseinandergesetzt hat.

Doch politisch hält er eine solche Lösung, wie sie das Basler Parlament soeben abgelehnt hat, nicht für durchsetzbar. Denn Kinder aus Stadtteilen mit hohem Migrantenanteil per Bus an Schulen in bürgerlichen Quartieren zu fahren und umgekehrt, sei ein «theoretisch denkbarer Seminar-Ansatz, hat aber mit praktischer Politik nichts zu tun».

Früher mit Bildung ansetzen

Für realistischer hält es Buschkowsky, bereits vor dem Schuleintritt der Kinder mit sprachlicher Bildung anzusetzen. Um die fremdsprachigen Kinder überhaupt zu erreichen, arbeitet Berlin-Neukölln mit sogenannten «Stadtteil-Müttern» - Migrantinnen, die zu den Familien nach Hause gehen, um die Eltern in ihrer Muttersprache über Angebote wie Kindergärten, Krippen und Sprachkurse aufzuklären.


Heinz Buschkowsky im Interview.

7:11 min, aus Kultur kompakt vom 16.05.2013

Denn wenn die Eltern keine Kontakte ausserhalb ihrer sprachlichen und ethnischen Community haben, kommen die Kinder beim Schuleintritt in eine Welt, die ihnen vollkommen fremd ist.

Doch solche Parallelwelten aufzubrechen, ist keine einfache Aufgabe: «Die Scham, nichts zu verstehen und die mentale Distanz ist oft so gross, dass man Angst davor hat.»