100 Jahre John F. Kennedy JFK: Die strahlende und die dunkle Seite des US-Präsidenten

Was steckt hinter dem Strahlemann John F. Kennedy? Der Popstar der Politik unter der Lupe.

John F. Kennedy wäre am 29. Mai 2017 100 Jahre alt geworden. Er war zu Lebzeiten ein Mythos. Als der 35. Präsident der Vereinigten Staaten 1963 mit erst 46 Jahren einem Attentat zum Opfer fiel, war das für viele ein gewaltiger Schock – in den USA und weit darüber hinaus.

Mit den Schüssen von Dallas am 22. November 1963 schien die Zukunftshoffnung zu sterben, die Verkörperung eines neuen, «guten» Amerika. Dieses Image verdankte JFK zu einem guten Teil einer perfekt arbeitenden PR-Maschinerie.

Mythos 1: Mit jugendlicher Kraft in die Zukunft

JFK sitzt an Bord der US Coast Guard Yacht Manitou bei der Küste von Maine.

Bildlegende: 12. August 1962: JFK sitzt an Bord der US Coast Guard Yacht Manitou vor der Küste von Maine. Reuters

Kennedy sah gut aus. Seine Vorgänger im Oval Office – Eisenhower, Truman oder Roosevelt – wirkten im Vergleich zu ihm wie Greise. Bei Amtsantritt war JFK nur gerade 44-jährig. Auf zahllosen Fotos stellte er seine Jugend gerne zur Schau. Das legendäre TV-Duell im Wahlkampf gegen seinen Konkurrenten Nixon gewann er vor allem dank seiner telegenen Ausstrahlung.

In Wirklichkeit kämpfte Kennedy seit der Jugend mit seiner Gesundheit. Er litt an schweren Rückenproblemen und musste ein Korsett tragen. Er hatte Allergien und eine Nierenkrankheit. Die Medikamente, die er einnahm, zeigten schwere Nebenwirkungen. Der Präsident dopte sich mit Pillen gegen Erschöpfung und Depressionen.

Mythos 2: Ein Mann wie du und ich

JFK an Halloween 1963 mit seinen Kindern.

Bildlegende: JFK an Halloween 1963 mit seinen Kindern im Oval Office. Getty Images

Kennedy nutzte die Macht der Bilder auch, um eine scheinbare Intimität mit dem Volk zu schaffen. Legendär sind Schwarz-Weiss-Fotos, auf denen sich JFK im Oval Office mit seinen Kindern Caroline und John Junior als fürsorglicher Vater ablichten liess. Auch liess er Filme veröffentlichen, die ihn mit seiner Familie zeigten – auf einem Ausflugsschiff etwa oder beim albernen Spiel mit Tieren.

Diese Bilder liessen vergessen, dass Kennedy aus einer reichen und stark privilegierten Familie stammte, einer bedeutenden Politiker-Kaste. Dies bot ihm seltene Karrieremöglichkeiten. Viele Familienmitglieder vor und nach ihm spielten in der amerikanischen Politik eine wichtige Rolle.

Mythos 3: Der perfekte Ehemann

Jackie und John F. Kennedy spielen Tennis. Aufnahme zw. 1950 und 1959.

Bildlegende: Jackie und John F. Kennedy spielen Tennis. Aufnahme zw. 1950 und 1959. Getty Images

Seine Frau Jackie Kennedy war die ideale Ergänzung des Images, das der Präsident von sich pflegte. Die attraktive und stilvolle Ehefrau verhalf seinem Ansehen zu zusätzlichem Glanz. Die beiden bildeten nach aussen das perfekte und royale Paar.

Dass sich der Präsident unzähligen ausserehelichen Eskapaden hingab, erfuhr die Öffentlichkeit erst lange nach seinem Tod. Auch dass seine Affären sogar dazu führten, dass das FBI einschritt – etwa als sich der höchste Amtsträger der USA mit der Geliebten eines Mafiabosses einliess.

Mythos 4: Der Kommunistenbezwinger

JFK an seinem Schreibtisch, kurz nachdem er die Proklamation betreffend Kuba Krise unterschrieben hatte.

Bildlegende: JFK an seinem Schreibtisch, kurz nachdem er die Proklamation zur Kuba Krise unterschrieben hatte. Keystone

Kennedys politisches Bravourstück war die friedliche Beilegung der Kubakrise 1962. Um ein Haar wäre es zum Atomkrieg und damit zum nuklearen Holocaust gekommen, nachdem die Sowjets auf Kuba Raketen stationiert hatten. Kennedy reagierte mit einer Blockade um die Zuckerinsel und die Sowjets zogen ab. Kennedy galt als Bezwinger des verhassten Feindes.

Was erst später bekannt wurde: Kennedy hatte den Sowjets im Geheimen zugesichert, seinerseits amerikanische Atomraketen aus der Türkei abzuziehen. Dies war das entscheidende Zugeständnis, das die Sowjetunion am Ende einlenken liess.

Mythos 5: Der Friedensbringer

John F. Kennedy wird von Kindern und Nonnen des «Convent of Mery» in Dublin begrüsst.

Bildlegende: 29. Juni 1963: John F. Kennedy wird von Kindern und Nonnen des «Convent of Mery» in Dublin begrüsst. Keystone

Kennedy sprach sich international für Dialog und Verständigung aus. Im Herzen war er jedoch ein überzeugter Antikommunist und damit ein Kind seiner Zeit. So schien er der damals gängigen Domino-Theorie anzuhängen, wonach der Ausbreitung des Kommunismus militärisch Einhalt zu gebieten sei. Ansonsten falle irgendwann die ganze Welt dem Kommunismus in den Schoss.

Als das kapitalistische Südvietnam von kommunistischen Kräften unter Druck geriet, war Kennedys Haltung unklar. Zwar befahl er kein massives militärisches Eingreifen in Vietnam, wie es später sein Nachfolger Johnson tat.

Falsch ist es aber zu behaupten, Kennedy habe den Krieg um jeden Preis verhindern wollen: JFK verstärkte die Militärhilfe für Südvietnam, entsandte Militärberater und Kriegsgerät und stimmte auch dem Einsatz von Napalm und Entlaubungsmitteln zu.

Mythos 6: Das Opfer dunkler Mächte

Der Sarg von Präsidenten John F. Kennedy im Ostsaal des Weissen Hauses am 23. November 1963, ein Tag nach seiner Ermordung.

Bildlegende: Der Sarg von Präsidenten John F. Kennedy im Ostsaal des Weissen Hauses am 23. November 1963. Reuters

Um den Kennedy-Mord im November 1963 ranken sich bis heute unzählige Mythen und Verschwörungstheorien. Gemeinsam ist diesen, dass sie alle behaupten, Kennedy sei nicht das Opfer eines Einzeltäters gewesen, sondern Opfer eines Mordkomplotts: Mafia, CIA, Kubaner, Sowjets.

Je dunkler die Verschwörung ist, desto heller leuchtet Kennedys Stern. Fakt ist, dass sich bis heute keine der Verschwörungstheorien erhärten liess, auch wenn die Einzeltäter-Theorie tatsächlich Fragen offen lässt.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kontext, 29.05.2017, 09.00 Uhr

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