Jihad-Kämpfer: nicht Mann gegen Mann, sondern Mann gegen Masse

Wie hat sich das Bild des Kriegers im Laufe der Geschichte verändert? Wofür stehen Krieger heute? Der aktuellste Vertreter ist der Jihad-Kämpfer. Er steht für das Barbarische und Monsterhafte. Er kämpft gegen Menschen, die nicht am Kampf beteiligt sind. Herfried Münkler analysiert.

Eine Szene aus dem IS-Youtube-Video mit James Foley.

Bildlegende: Ein Bild, das kurz vor der Exekution des Journalisten John Foley entstand und kurz darauf um die Welt geht. Youtube

Der Jihad-Kämpfer kämpft aus seiner Sicht für eine bessere, gerechtere Welt. Er steht für eine Art Versprechen, etwas Bedeutendes und etwas Gutes zu tun, etwas, mit dem man sich identifizieren kann. Aus unserer pazifistischen Sicht, mit ihren Vorstellungen von Zivilisiertheit, sehen wir darin immer auch die Vorstellung des Irre-Geleitet-Seins.

Der Mann mit dem Messer, der in den nächsten Minuten den Journalisten John Foley abschlachtet, ist kein Kämpfer, er ist ein Henker. Er ist ganz unsoldatisch, eher Typus Krieger.

Töten und sich töten lassen

Tucholskys schrieb «Soldaten sind Mörder». Diese Bemerkung ist eine schwierige, da zum Soldat-Sein die Reziprozität gehört: also nicht nur das Töten, sondern auch die Bereitschaft sich töten zu lassen. In gewisser Weise machen Soldaten das kenntlich durch das Tragen von Waffe und Uniform.

Das ist bei diesem Jihadisten nicht der Fall. Jihadisten sind selten reguläre Verbände, die sich der Haager Landkriegsordnung unterwerfen oder den Bestimmungen der Genfer Konvention genügen. Das hat Gründe, die mit ihrer relativen Schwäche zu tun haben.

Bei Dritten Schrecken erzeugen

Hier wird ein grausames Bild gezeigt, um Schrecken zu erzeugen. Der Jihadist nutzt die Gewalt nicht, um einen Gegner – der ihm als Gleicher gegenübertritt – zu besiegen, sondern um bei nicht anwesenden Dritten Schrecken zu erzeugen. Und das, damit diese sich unterwerfen, möglicherweise konvertieren, oder aber fliehen.

Postheroische Gesellschaften wie der Westen vermeiden es, in einen Zweikampf einzutreten; das heisst, sich auf die Gefahr des Getötet-Werdens einzulassen. Das können sich postheroische Gesellschaften auch nicht leisten. Erstens aufgrund ihrer mentalen Befindlichkeit und zweitens, weil es nicht genügend junge Menschen gibt, die sie in den Kampf schicken können.

Durch Technik Abstand halten

Den Zwang, ein grosser Krieger zu werden, gibt es in dieser Weise nicht mehr: Wir besorgen uns Drohnen, sitzen an einem Joystick und entscheiden anhand eines Compterbildes, ob wir abfeuern oder nicht: Die Präsenz auf dem Gefechtsfeld ist abgelöst worden durch das Bewirtschaften von Gefechtsfeldern.

Der Jihad-Kämpfer nutzt u.a. auch die Medien als technische Krücke, um den Kampf aufzunehmen. Das Objekt seines Kampfes sind wir, die am Kampf gar nicht beteiligt sind. So benutzt er auch Foley und andere zum Zwecke der Erzeugung von Bildern, die auf Non-Kombattanten wirken sollen. Auch die Drohne greift mit nichtheroischen Mitteln an: Während hier ein Journalist getötet wird, werden dort viele weitere Menschen in Angst und Schrecken zu versetzen.

Diese Kämpfe sind keine Kriege mehr, in denen es Sieger und Verlierer im klassischen Sinne gibt. Sie enden nicht durch das klassische Niederringen eines Gegners auf dem Gefechtsfeld. Wahrscheinlich müsste man sagen, diese Kämpfe enden erst in dem Augenblick, wo die Ideologien oder die Antriebselemente, die dahinter stehen, austrocknen.

Das Bild des Kriegers

Das Bild des Kriegers

Der Krieger: Wie hat sich das Bild des Kriegers im Laufe der Geschichte verändert? Wofür stehen diese Krieger heute?

Herfried Münkler

Herfried Münkler

Als Politologe lehrt Herfried Münkler an der Humboldt-Universität Berlin. Er veröffentlichte mehrere Bücher zur Theorie der «neuen Kriege». Zuletzt erschien «Der Große Krieg. Die Welt 1914 und 1918».

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