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Gesellschaft & Religion Kabeln Sie noch? Zum Ende der analogen Telefonie

Das analoge Telefon ist bald Geschichte: Bis Ende 2017 wird in der Schweiz komplett umgestellt auf digitale Telefonie. Diese Neuerung bedeutet mehr als nur ein technisches Update: Der Wechsel sagt viel aus über unser Kommunikationsverhalten.

Gelbes Telefon mit Wählscheibe auf einem Stapel Papier.
Legende: Schön sieht es ja schon aus, das gute alte Telefon. Ohne analoge Leitung ist es aber funktionsunfähig. Flickr.com/ Billy Brown

Haben Sie noch ein Festnetztelefon? Dann ist Ihnen vielleicht aufgefallen, dass es heute seltener klingelt als noch von ein paar Jahren. Vielleicht ruft darauf nur noch Ihre Mutter an oder der Elektriker.

Mit Freunden läuft es vielleicht eher so, dass Sie sich eine SMS schreiben um den Zeitpunkt fürs nächste Treffen auszumachen oder rasch eine E-Mail verfassen und via Doodle zum Znacht einladen.

Viele Wege führen zu Kommunikation

Unsere Kommunikation hat sich verschriftlicht und sie ist asynchron geworden. Das heisst, wo früher zwei Menschen gleichzeitig an den Enden einer Kupferleitung sassen, schreiben und lesen wir heute Nachrichten wo und wann wir wollen.

Diese ständige Erreichbarkeit auf verschiedensten Kanälen mache uns einerseits frei, lege uns aber auch eine digitale Fessel an, sagt Christa Dürscheid, Professorin für deutsche Gegenwartssprache von der Universität Zürich: «Die Digitalisierung hat einiges vereinfacht. Aber sie macht auch vieles komplizierter. Wo früher entweder das Face-to-face Gespräch oder das Telefongespräch standen, gibt es jetzt einen bunten Strauss an Kommunikationsangeboten, aus dem ich eines wählen muss.»

Die Kommunikette

Dabei gilt: Nicht jede Kommunikationsform darf immer eingesetzt werden. Es gibt Regeln. Die Kunst, das richtige Kommunikationsmittel zu wählen, nennt Christa Dürscheid die «Kommunikette». Das ist sowas wie der Knigge der digitalen Kommunikation. «Die Kommunikette klärt, wann es erlaubt ist, auf ein Telefonat mit einer SMS zu antworten. Oder ob ich, wenn es eilt, zuerst anrufe und und dann per Mail nachdopple oder eher umgekehrt.»

Dinge, für die es zwar im Internet Guidelines gibt, die aber schlussendlich jeder allein klären muss. Privat genauso wie geschäftlich. Allgemein gelten im Geschäftlichen recht strikte Regeln darüber, was man tun sollte und was nicht. Smileys sind ebenso verpönt wie Whatsapp-Nachrichten oder eine Kontaktaufnahme via Facebook, wobei auch diese eisernen Regeln allmählich nicht mehr allumfassend gelten.

Die Sprachnachricht als perfekte Zwischenform

Zum Hörer greift heute, wer auf direktes Feedback angewiesen ist. Denn was das Telefon allen anderen Kommunikationsmitteln noch immer voraus hat, ist, dass es sehr persönlich ist. Man kann die Stimme des anderen hören, man merkt, ob er weint, lacht, bedrückt ist. Man spürt den anderen.

«Gerade deshalb, weil das gesprochene Wort so wichtig ist, könnte ich mir vorstellen, dass es in Zukunft wieder an Bedeutung gewinnt», sagt Christa Dürscheid, Professorin für deutsche Gegenwartssprache. «Allerding nicht als herkömmliches Telefongespräch, sondern in Form von Sprachnachrichten.»

Dürscheid vermutet, dass die eingesprochenen Monologe wichtiger werden, da sie die Vorteile des gesprochenen und des geschriebenen Wortes miteinander verbinden. Sie sind persönlich, man kann sie aber hören, wann man möchte, wenn nötig auch mehrmals.

Digital ist besser

Kommunikation ist heute und in Zukunft also zeitversetzt und funktioniert gleichzeitig auf verschiedensten Kanälen.

Wählscheibe eines schwarzen Telefons
Legende: Das Telefon mit Wählscheibe ist schon lange ein Auslaufmodell – doch bald ist das Ende definitiv. Flickr.com/ Jan-Hendrik Caspers , Link öffnet in einem neuen Fenster

Dass in der Schweiz nun bis 2017 auch die Festnetztelefonie digitalisiert wird ist nur konsequent. Die Vorteile liegen auf der Hand: Digitales telefonieren ist günstiger und die Tonqualität ist besser, die Kontaktmöglichkeiten sind vielfältiger – auch wenn der Retrolook des Wählscheibentelefons manch einen wehmütig stimmen mag.

Unser Kommunikationsverhalten ändert sich schrittchenweise, bis sie plötzlich total verändert dasteht. Das wird auch in Zukunft nicht anders sein. Dass Menschen zueinander in Kontakt treten wollen und müssen, wird sich higegen so schnell nicht ändern. Ob das nun via Festnetz- oder Handyanruf, über Whatsapp, Mail oder SMS ist. Oder mit einer ganz neuen Technologie, von der wir heute noch gar nichts wissen.

Digitale Telefonie

Bisher bietet die Swisscom analoge Telefonanschlüsse an. Ab 2017 soll auf digitale Telefonie umgestellt werden. Diese funktioniert über einen Internetrouter statt über eine gesonderte Telefonleitung.

7 Kommentare

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  • Kommentar von Elke Hirrle, 3803 Beatenberg
    Wenn das Schwachstrom betriebene Telefon abgeschafft wird, braucht jeder Mensch ein Natel, damit bei Stromausfall noch telefoniert werden kann, sofern das Mobilnetz nicht auch betroffen ist. Im Katastrophenfall fällt als erstes meist der Strom aus. Somit wird jeder Mensch gezwungen, ein Natel anzuschaffen, damit er per Rufumleitung erreichbar bleibt. auch die zunehmende Zahl der Menschen. die die gepulste hochfrequente Mikrowellenstrahlung des Mobilfunks, WLAN usw nicht vertragen.
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    1. Antwort von Robert Frei, Wettingen
      Wir brauchen nicht einmal einen Stromausfall, um ohne Telefonverbindung dazustehen. Mein Schnurlostelefon (von einer grossen deutschen Markenfirma) benötigt 2 NiMH Akkus, die miteinander etwa 14 sFrs kosten und so nach 1-2 Jahren langsam ihren Geist aufgeben, dh nach 15 Minuten Sprechen ist dann plötzlich aus.
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  • Kommentar von Ursina Zwicky, Montagne de Courtelary
    In Sachen Kommunikation geht die ländliche Bevölkerung vergessen. Der Zwang zur digitalen Telefonie wird uns grosse Probleme machen, denn sie funktioniert nur mangelhaft, genau wie das Breitband-Internet (fällt abends und bei schlechtem Wetter raus, Geschwindigkeit sehr langsam). Reklamationen nützen nichts, es heisst einfach, wir seien "zu weit weg von der nächsten Schaltzentrale". Handy-Empfang gibt es natürlich auch keinen. Service publique gibt es nur noch für Privilegierte.
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  • Kommentar von Lukas Stadelmann, Luzern
    Klar, telefonieren digital ist angesagt und wird das analoge Telefonieren in den nöchsten Jahren bestimmt komplett verdrängen. Dennoch, sind Gäste bei mir zu Hause eingeladen, und diese sehen meine alten schwarzen Bakelittelefone stehen oder an der Wand hängen, ist die erste Frage: "funktionieren die noch?". Tun sie, ich baue mir diese selber um und können gleich getestet werden. Es ist DER Hingucker und man merkt es den Gästen an, es macht Spass!
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    1. Antwort von Eduard Mumprecht, Meilen
      Es ist die ältere Generation, die ihre Wählscheibentelefone nicht nur benützen, sondern auch lieben. Der Umgang mit den zuvielen Features der DECT-Apparate (kleiner Display und zuviele munzige Tasten) ist ihnen nicht geläufig und etwas ungeheuer. Wenn diesen Leuten plötzlich ein neuer Access Router mit Gebrauchsanweisung ins Haus geschmettert kommt, können die Enkel die Sache wohl richtig installieren. Aber die Wählscheibe funktioniert nicht mehr. Ohne Erklärung, geschweige denn Hilfe.
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