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Papst Franziskus hält an Zölibat fest
Aus Rendez-vous vom 12.02.2020.
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Keine Lockerung des Zölibats Papst Franziskus enttäuscht viele Hoffnungen

Sowohl eine Weihe von Frauen als von Verheirateten lehnt Papst Franziskus weiterhin ab. Seine Ausführungen im heute veröffentlichen Lehrschreiben zum Abschluss der Amazonas-Synode enttäuschen alle, die sich davon ein Signal zur Öffnung des Priesteramts erhofften.

Im Vorfeld war die Hoffnung gross, dass der Papst auch verheiratete Männer als sogenannte «Viri Probati» für den Dienst am Altar zulassen würde. Oder gar, dass Frauen dafür befähigt und geweiht würden. Denn der Priestermangel führt im Amazonas dazu, dass Menschen keine Eucharistie mehr empfangen können.

Mitreden, aber nicht am Altar stehen

Zwar betont Papst Franziskus die zentrale Rolle der Frauen für die Kirche. Er schliesst auch mit einem Gebet an Maria und nennt sie «Mutter des Lebens». Ausserdem betont er, dass Priester nicht «über» dem Volk Gottes, also den getauften Laien stehen.

Laien sollten in alle anderen Bereiche kirchlichen Lebens daher voll einbezogen werden und auch mitbestimmen. Für die Eucharistie gilt das aber weiterhin nicht: Die Priesterweihe bleibt aber allein unverheirateten Männern vorbehalten.

Hier eröffnet der Papst Laien, also nicht geweihten Frauen und Männern, durchaus wichtige Spielräume. Etwas weitschweifend führt er aus, wie unkonventionell der Heiligen Geist mitunter wirke. Darin könnte sich allenfalls noch irgendwo ein kleines Hintertürchen für die Weihe von Viri Probati verstecken. Das wäre die Weihe verheirateter, «erprobter Männer». Der Papst propagiert sie jedenfalls nicht.

Leidenschaft für Umweltthemen

Zum grössten Teil will das Schreiben auf die humanitäre und ökologische Krise im Amazonas Antwort geben. Es ist ein Plädoyer für die Menschenrechte der indigenen Völker im Amazonasgebiet.

Mit poetischer Kraft und Leidenschaft appelliert der Papst an alle Menschen, den Amazonas als Biosphäre zu bewahren und dessen Zerstörung zu stoppen.

Wieder einmal spart das römisch-katholische Kirchenoberhaupt nicht mit Kritik am zerstörerischen Kapitalismus, an Korruption und Rassismus in den Staaten des Amazonas wie auch weltweit. Drei Viertel des rund 30-seitigen Lehrschreibens sind seiner ökologischen Theologie gewidmet. Davon war bereits in seinem Rundbrief «Laudato si» zu lesen, die als «Umweltenzyklika» weltweite Wirkung entfaltete.

Freie Gestaltung der Kirche

Ganz Jesuit plädiert Papst Franziskus auch für die Inkulturation des Evangeliums in den Völkern des Amazonas – die römisch-katholische Lehre also mit den dortigen Traditionen zu verbinden.

Der Heilige Geist sei im Amazonas lebendig und kreativ, schreibt Franziskus. Die Kirche in Amazonien kann, darf und muss also durchaus anders aussehen als in Westeuropa.

Hier wehrt sich der Papst gegen kirchliche Traditionalisten, die an der Amazonassynode letzten Oktober das indigene Pachamama-Ritual als «Götzendienst» ablehnten.

Judith Wipfler

Judith Wipfler

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Judith Wipfler leitet das Fachteam Religion von Radio SRF. Seit 18 Jahren produziert sie Religionsbeiträge für SRF. Wipfler ist reformierte Theologin.

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Vatikan: Keine Ausnahme beim Zölibat
Aus Tagesschau vom 12.02.2020.
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Sendung: Radio SRF, Rendez-Vous, 12.02.20, 12:30 Uhr

43 Kommentare

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  • Kommentar von Matthias Rey  (matthiasrey)
    Schon vor Jahren habe ich gesagt, dass wenn es einmal klar wird, dass die "Story" vom modernen Papst Franziskus so nicht stimmt, dann werde man sagen, dass eben die Kurie Druck auf den Papst ausgeübt habe. Genau das geschieht jetzt und niemand hat das Interview gelesen, wo Papst Franziskus schon vor geraumer Zeit gesagt hatte, dass er eine Aufweichung des Zölibats nicht mit seinem Gewissen verantworten könnte. Diesem Wort ist er nun treu geblieben trotz enormem Druck aus Südamerika!
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  • Kommentar von marlene Zelger  (Marlene Zelger)
    Fortsetzung: Dieser Pfarrer konnte von Glück reden, dass ihm das Schnicksal eines Familienlebens zuteil wurde. Deshalb wäre es schon sinnvoll, das heute unzeitgemässe Zölibat abzuschaffen, auch deswegen, weil die Pädophilie bei Priestern sicher abnehmen würde.Jesus sagte: Wachset und mehret euch! Seinen Nachfolgern hatte er es nicht verboten.
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  • Kommentar von Dorothee Meili  (DoX.98)
    nach Drüberschlafen, Nachdenken,-lesen merke ich: Focus ist das Amazonas-Gebiet und dort die "Bewahrung der Schöpfung" inklusive UreinwohnerInnen. Da ist Franziskus näher dran als manche "Evangelikale" (zwar (schein)gleichberechtigt), die Regierungen wie Bolsonaro/Trump unterstützen. Wo diese Menschen ihre Haltung hernehmen: aus welchem Teil von Prophetenbüchern, Psalmen, Jesusworten-,taten ist mir ein Rätsel. Kurz:heute erst recht: 1Jahr"Schritt für Schritt",Gebet, entstanden im Kloster Fahr.
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