Klaus Teuber setzte als erster «Siedler von Catan» einen Trend

Klaus Teuber ist ein Gewinner: Vor 20 Jahren hat er das Brettspiel «Die Siedler von Catan» entwickelt und seither mehr als 22 Millionen Exemplare verkauft. Obwohl er damit ein Imperium aufgebaut hat, ist er ein Familienmensch geblieben – und ein Spieler aus Leidenschaft.

Das Spielbrett von «Siedler von Catan», zusammengesetzt aus verschiedene wabenförmige Flächen mit Zeichnungen von Wäldern, Schafwiesen und Felse, darauf liegen farbige Spielsteinen in Formen von Städten und Strassen und pro Wabe eine runde Tafeln mit schwarzer oder roten Ziffer von 5 bis 11.

Bildlegende: Nicht mehr vom Familientisch wegzudenken: Die «Siedler von Catan». Flickr/ Japanexperterna.se

«Wenn jemand mit Spielen Geld verdienen möchte, dann ist er auf dem falschen Weg», sagt Klaus Teuber. «Man muss die Leidenschaft verspüren, Spiele zu entwickeln – das ist das Entscheidende.» Er weiss, wovon er spricht: Als gelernter Zahntechnikermeister sollte er eigentlich den Betrieb seines Vaters fortführen. Aber sein Herz schlug, und schlägt bis heute, für das Brettspiel.

Seit über 30 Jahren erfindet Klaus Teuber Gesellschaftsspiele. Sein Erstlingswerk «Barbarossa und die Rätselmeister» wurde 1988 als «Spiel des Jahres» ausgezeichnet. Diesen weltweit bedeutendsten Preis für Spiele erhielt sieben Jahre später auch sein Meisterwerk und Bestseller: «Die Siedler von Catan».

Mit Fantasie zum Familienimperium


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Heute sitzt der Vater aller Catan-Siedler an einem Schreibtisch aus Laminat. Neben den Kisten seiner Erfolgsspiele umgeben den freundlichen 63-Jährigen auch die Ritterfiguren seiner Kindheit. Schon als Kind hat Klaus Teuber mit Spielzeugfiguren aus Elastolin gespielt und sich dafür eigene Regeln ausgedacht. Später begeisterte er sich für Entdecker – und für die Wikinger.

Unter den Spielen, die Klaus Teuber sich seither ausdachte, sind keine Kriegsspiele, denn es gefällt ihm nicht, wenn ein Spieler «vom Feld gefegt» wird. Statt zu vernichten, baut Klaus Teuber lieber auf: In seinem Brettspiel lässt er die Siedler auf der fiktiven Insel Catan Städte und Strassen bauen. In Wirklichkeit hat er sich mit diesem und anderen Spielen ein eigenes Familienimperium aufgebaut.

Catan liegt auch am Rossberg

Klaus Teuber im Porträt. Er trägt ein hellblaues Hemd.

Bildlegende: Sein Herz schlägt für das Brettspiel: Klaus Teuber. Kosmos Verlag

Klaus Teuber führt sein Imperium von einer Familiensiedlung aus, die am Rand der Gemeinde Rossdorf bei Darmstadt liegt. Von hier kann man bis zum Rossberg blicken, wo Reben wachsen und Pferde weiden. Im Tal fliesst ein Bach, umgeben von Äckern, auf denen der Raps bereits abgeerntet wurde. Auf den leeren Feldern will man am liebsten Siedlungen bauen. Vielleicht liegt die Insel Catan ja gar nicht bei den Azoren östlich von Portugal, wie sein Erfinder vorschlägt, sondern hier, am Rossberg?

Klaus Teuber hat Erfindergeist, aber er ist kein Träumer, wie seine Volksschullehrerin gerne behauptete, sondern auch ein Geschäftsmann. In den 20 Jahren seit der Entwicklung der «Siedler» hat er weltweit um die 22 Millionen Schachteln des Spieles abgesetzt. Es wurde in 30 Sprachen übersetzt und in 40 Ländern verkauft. In den USA kümmert sich sein ältester Sohn Guido um den Vertrieb, dort wurden die wabenförmigen Pappfelder zum Markenzeichen für «German Games».

Die Familie bleibt beim Spielen das Wichtigste

Bei den «Siedlern von Catan» geht es um Strategie und Taktik. Man muss beim Spielen auf seinen Vorteil bedacht sein, darf das aber nicht zu deutlich zeigen, sonst verbünden sich die anderen Spieler am Tisch gegen einen. Man muss geschickt verhandeln, tauschen und Rohstoffe akkumulieren.


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Das Brettspiel erreicht Menschen, die den ganzen Tag vor dem Bildschirm verbringen und sich abends nach etwas Fassbarem und Haptischen sehnen oder nach einfachen Regeln. Es wird von Personen gespielt, die gerne flüchten, auf ferne Inseln oder ins Mittelalter. Und von solchen, die nach Feierabend reden und gesellig sein wollen, mit Freunden und in der Familie. Der Erfinder der «Siedler» ist als entspannter Familienmensch beim Spielen in erster Linie glücklich, weil er dabei ist, nicht weil er gewinnt.

Im Herbst kommt sein neuestes Spiel heraus, das er zusammen mit seinem jüngsten Sohn Benjamin in Rossdorf entwickelt hat. Das Spiel heisst «Tumult Royal» und orientiert sich frei an George Orwells Klassiker «Farm der Tiere». Die Revolution frisst in Orwells Roman ihre Kinder, Klaus Teuber versorgt die Seinigen mit immer neuen Spielideen.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur kompakt, 17.8.2015, 17.06 Uhr.