Kochen für ein bisschen Frieden: 10 Jahre Cuisine sans frontières

Menschen in Krisen- und Konfliktregionen können kaum Restaurants besuchen. Es gibt schlicht keine. Deshalb baut Cuisine sans frontières Restaurants und Treffpunkte, um den Menschen soziale Kontakte zu ermöglichen. Die Schweizer Organisation feiert nun das zehnjährige Bestehen.

Eine junge Frau mit vollem Teller, hinter ihr eine Schlange Kinder vor der Essensausgabe.

Bildlegende: Erst kommt das Essen, dann die Kommunikation: eine CSF-Gaststätte in San José, Kolumbien. ZVG

Cuisine sans frontières (zu Deutsch: Küche ohne Grenzen) nennt sich die Organisation von David Höner. Der gelernte Koch eröffnet Restaurants in Kriegs- und Krisengebieten. «Wir machen Restaurants in Regionen auf, in denen keiner mehr Restaurants aufmacht.» Cuisine sans frontières, kurz CSF, übernimmt dabei die Rolle des neutralen Gastgebers, der es den Leuten ermöglicht, wieder miteinander zu kommunizieren.

CSF engagiert sich nun seit zehn Jahren in Regionen und Ländern wie Tschernobyl, Kolumbien, Ecuador, Kenia, oder Georgien. Die Projekte sind vielseitig. In Orwa im Nordwesten Kenias gibt es dank CSF einen interkulturellen Treffpunkt. Das Projekt hat erreicht, dass die beiden verfeindeten Stämme Pokot und Turkana nun wieder gemeinsam an einen Tisch sitzen und miteinander reden.

Am Anfang ist das Salz

In Ecuador ermöglicht eine Flussküche den Dialog zwischen Indigenen und Zuwanderern, die wegen der zunehmenden Erdölförderung in die Region gezogen sind. Zwei unterschiedliche Gruppen sitzen am selben Tisch. Auch wenn sich die Leute menschlich nicht nahe stehen, entsteht eine Kommunikation. «Die Frage: Kannst du mir mal das Salz rübergeben? Oder auf das Salz zeigen und es sich geben lassen. Das ist bereits eine Kommunikation, die sonst nicht stattfinden würde.»

Angefangen hatte alles 2005 in der kolumbianischen Region San Josecito. Ein Gebiet, in dem sich Guerilla, Paramilitärs, FARC-Rebellen und die Armee bekämpfen. Trotzdem seien die kriminellen Akteure keine Gefahr für seine Projekte. «Mit den Drogendealern, Mördern und Räubern hat man eigentlich nichts zu tun. Die machen vielleicht Angst oder sie begegnen einem.»

Wenig Geld, viel Idealismus

Gestartet ist Höner vor zehn Jahren mit einem Jahresbudget von 10'000 Franken. Dank Spenden und Vereinsmitgliedschaften hat CSF mittlerweile fast 250'000 Franken im Jahr für Projekte zur Verfügung. Mitarbeiter aus der Schweiz arbeiten unentgeltlich, sagt Höner. «Dank höherem Budget können wir heute immerhin die Flüge in die entsprechenden Länder übernehmen.» Anders sieht es für die Mitarbeiter in den einzelnen Entwicklungsländern aus. «Sie erhalten einen kleinen, angepassten Lohn.»

Klein, aber fix

CSF-Mitarbeiter reisen in die Krisenregionen und nehmen so Wissen über Konflikte zurück in die Schweiz mit. Aber auch Einwohner aus diesen Gebieten kommen in die Schweiz. «Zurzeit haben wir einen Küchen-Praktikanten aus Kenia in der Schweiz. Er macht also die Erfahrung, wie wir leben.»

David Höner ist sich bewusst: Sein Engagement ist nur ein kleiner Tropfen auf den heissen Stein angesichts der weltweiten Krisen und Konflikte. «Uns geht es bei Projekten vor allem um die menschliche Qualität.»

Trotzdem sieht er gerade in kleineren Organisationen wie Cuisine sans frontières eine Chance für die Zukunft. Kleine Organisationen seien schneller und unkomplizierter als grosse Hilfswerke, wenn es darum gehe, eine menschliche Beziehung aufzubauen. Arbeit gebe es noch genug.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur kompakt, 26.10.2015, 17.15 Uhr.