Lässt die Eidg. Medienkommission den Patienten Presse sterben?

Die Medienlandschaft ist im Umbruch. Besonders die gedruckte Presse steckt in der Krise. Nun hat eine Expertenkommission der Medienlandschaft Schweiz den Puls genommen. Diagnose: Prekär, aber ganz und gar nicht hoffnungslos. Das Rezept: Inhalte anstatt einzelne Mediengattungen fördern.

Zeitungen liegen in Regal.

Bildlegende: Der schon etwas ältere Patient Presse soll nicht mehr direkt Medikamente, sprich finanzielle Unterstützung erhalten. Keystone

Die Schweiz ist für Mediennutzer ein Schlaraffenland. Zeitungen werden täglich bis in Randregionen geliefert. Im Zug liegen gleich zwei Gratiszeitungen auf, in praktisch jedem Haushalt steht ein Radio oder ein Fernseher und die meisten haben Internetanschluss.

Auch die Produktion der Gratis-Inhalte im Web kostet

Von Qual der Wahl kann aber keine Rede sein: Die Mediennutzung der letzten Jahre zeigt, dass sich immer mehr Menschen lieber im Internet über das Weltgeschehen informieren als in einem gedruckten Medium. Sie lesen ihre Zeitung oder Zeitschrift lieber auf dem Tablet: Viele der Angebote im Web sind gratis sind, wischen statt blättern ist das Credo.

Doch auch die Inhalte im Web müssen produziert werden, von Journalistinnen und Journalisten, die bezahlt werden wollen. Die Zeitungshäuser suchen deshalb nach funktionierenden Zahlmodellen im Internet, um die gedruckte Zeitung querfinanzieren zu können. Zumal die Einnahmen aus dem Anzeigengeschäft abnehmen, da auch die Werbekunden ins Web abwandern.

Weg von der direkten Förderung der gedruckten Presse

Das alles ist nicht neu. Neu ist, wie die vom Bundesrat eingesetzte Expertenkommission EMEK (Eidg. Medienkommission) diesem Wandel entgegentreten möchte. Die Expertenkommission ist überzeugt: Gerade in einem viersprachigen Land wie der Schweiz, das zudem ein Einwanderungsland ist, ist der Zusammenhalt und die Qualität der Medien elementar. Diese müssen den gesellschaftlichen Austausch fördern, Debatten anregen und zur differenzierten Meinungsbildung beitragen.

Deshalb schlägt die EMEK vor, in der Förderung nicht mehr gezielt gewissen Mediengattungen den Vorrang zu geben, wie dies aktuell der Fall ist. Momentan übernimmt der Staat die Zustellungskosten der Zeitungen. Mit dem freiwerdenden Geld soll der Staat gemäss EMEK in erster Linie Inhalte, unabhängig von der Mediengattung, fördern. Durch Unterstützung von Innovationsprojekten und der Ausbildung von Journalisten.

Auch die Nachrichtenagentur sda soll finanzielle Unterstützung erhalten, damit Sie ihre Dienste kostengünstiger an die Redaktionen verkaufen kann. Die Redaktionen hingegen sollen die dadurch frei gewordenen Mittel für mehr Recherchezeit oder eigenproduzierte journalistische Produkte nutzen. Zudem will die EMEK journalistische Start-Up-Unternehmen fördern, die kreative Ideen umsetzten möchten. Egal ob dies ein gedrucktes Magazin oder eine innovative Webseite ist.

Stiftung soll vor Einflussnahme des Staates schützen

Mit der Möglichkeit, Gesuche einzureichen und damit um Staatsgelder zu buhlen, mit dem Bewilligen oder Verweigern von finanziellen Zuschüssen von Seiten des Staates, bricht die EMEK ein Tabu.

Um die Unabhängigkeit der Medien vom Staat zu gewährleisten, schlägt die Kommission vor, eine Stiftung zwischenzuschalten. Eine Stiftung nach dem Vorbild der Pro Helvetia im Bereich Kultur oder des Nationalfonds im Bereich Wissenschaft. Diese Stiftung soll in Zukunft die Gelder auf die Medien verteilen, nach zehn bereits ausformulierten Kriterien und nach dem Motto: Die besten Inhalte gewinnen – was gute Inhalte sind, bleibt zu definieren.

Ungewisse Zukunft

Grundsätzlich ist die Idee einer Stiftung reizvoll. Allerdings käme es auf die Zusammensetzung des Stiftungsrates an, denn hier besteht die Gefahr einer Verfilzung und dem gegenseitigen Zuschanzen von Geldern. Auch scheint die Form der Stiftung, gerade in einem sich stetig wandelnden Markt wie dem der Medien, als zu starr und zu behäbig. Ganz abgesehen davon, dass die Stiftungsaufsicht in der Schweiz aktuell auch mit gewissen Problemen zu kämpfen hat.

Dass die Print-Verleger von diesen Vorschlägen nicht begeistert sind, ist klar. Ihr Vorwurf: Anstatt den schon etwas älteren Patienten Presse mit Medikamenten, sprich mit finanzieller Unterstützung zu versorgen, lasse man ihn sterben. Investiert werde lieber in jüngere Mediengattungen.

Wie der Bundesrat mit diesen Vorschlägen umgeht, wird sich zeigen. Sicher ist, dass die Schweizer Politik auf den Medienwandel reagieren muss und zwar eher heute als morgen. An der aktuelle Situation festzuhalten macht auf Dauer genauso wenig Sinn, wie einen Grippepatienten mit Antibiotika zu behandeln.

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