Joëlle Flumet – feine Beobachterin alltäglicher Kuriositäten

Kunst als Verdauung: Die Genferin Joëlle Flumet fängt mit ihrem scharfen Blick Absurditäten des Alltags ein und verarbeitet sie in ihren Arbeiten. Eine scheinbar banale Thuja-Hecke wird bei ihr zum Objekt.

Joëlle Flumet sucht mit ihrer Kunst nach einem Abbild der Gesellschaft – in der Installation «Le Cube» ist es eine Hecke.

Bildlegende: Die Installation «Le Cube» (2012): Joëlle Flumet sucht mit ihrer Kunst nach einem Abbild der Gesellschaft. Joëlle Flumet

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Joëlle Flumets Animation «Petites dramaturgies fédérales»

7:03 min, vom 24.7.2013

Seit zwei Jahren lebt Joëlle Flumet in der Deutschschweiz. Sie geniesst es, sich zwischen den Schweizer Landesteilen zu bewegen – der fremdsprachige Alltag im eigenen Land hat für sie etwas Exotisches. Das schärft ihren Blick umso mehr, den sie als visuelle Künstlerin für Installationen, Zeichnungen und Animationen braucht. Eines ist ihrer Kunst gemein: Joëlle Flumet sucht nach einem Abbild der Gesellschaft. Ein Abbild, das bei ihr oft spielerisch und kritisch ausfällt.

«Petites dramaturgies fédérales» ist eine ihrer Arbeiten, für die sie von der Kunstkommission des Parlaments beauftragt wurde. Joëlle Flumets Animationen werden demnächst im Foyer des Bundeshauses gezeigt. Parlamentarier sind die Adressaten dieses kleinen Filme und gleichsam die Protagonisten. Joëlle Flumets porträtiert sie auf spielerische Art und Weise.

Hang zum Absurden

Die Installation «Eden» (2008) von Joëlle Flumet: zwei Sonnenschirme und Stühle mit grüner Schutzfolie abgedeckt

Bildlegende: Die Installation «Eden» (2008) – Gartenmöbel mit Schutzfolie. Joëlle Flumet

Joëlle Flumet liebt es, in ihrer Arbeit auf das Absurde hinzuweisen. Inspiriert von alltäglichen Beobachtungen deckt sie etwa für ihre Installation «Eden» Gartenmöbel mit Schutzfolie ab – und nimmt so dem Gebrauchsgegenstand seine eigentliche Funktion. Ein ironischer Hinweis auf den Wunsch nach Rekreation und Erholung in der Leistungsgesellschaft. Auf die Bedeutung von Besitz und Status in einem Land, wo der Besitz mehr gepflegt und unterhalten als eigentlich benutzt wird.

Expeditionen in die Deutschschweizer Seele unternimmt Joëlle Flumet im Landi-Laden. Nicht nur Materialien wie Schutzfolien, Steinkörbe und Katzenstreu, sondern auch Inspiration für neue Kunstprojekte findet sie im Sammelsurium der alltäglichen Kuriositäten. Aber sei es in der Landi, in Genf, oder in ihrer neuen Heimat Zürich: Joëlle Flumet beobachtet genau – und spürt Feinheiten auf.

Same same, but different

Städtische Lebenswelten in der Schweiz erinnern Joelle Flumet häufig an die Ästhetik von Katalogen. Der Wunsch, individuell leben zu wollen, führt am Ende häufig in die Uniformität. Gleiche Möbel, gleiche Pflanzen, ähnliche Wohnzimmer und Balkone – Fashion und Pseudodesign. In ihren Zeichungen bündeln sich gesellschaftliche Symptome wie Wellnesswahn und Sicherheitsstreben.

Was die Unterschiede zwischen den Deutschschweizern und den Westschweizern angeht, sieht Joëlle Flumet zwar kleine Unterschiede, aber eben vor allem Gemeinsamkeiten. «Same same, but different»: In Zürich grillieren alle auf dem Balkon – in Genf unvorstellbar. Aber sowohl in den Deutschschweizer als auch in den Westschweizer Gärten stehen monumentale Thuja-Hecken.

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