Uno, due, tre: cliché

Regen in der Sonnenstube der Schweiz: Statt der Sonnenbrille setzt Nina Mavis Brunner erstmal wieder die Klischeebrille auf. Ein Besuch in ihrer zweiten Heimat, dem Tessin.

Ein Badezimmer mit Blumenverzierung.

Bildlegende: In einem kitschigen Hotel, vor dem Besuch der Kitsch-Künstlerin. Nina Mavis Brunner

Es ward zwar Licht am Ende des Tunnels, doch als wir endlich aus dem Gotthard kommen, regnet es. Soviel zum Thema Sonnenstube der Schweiz. Fürs Erste also keine Sonnen-, dafür wieder eine bunte Klischeebrille aufgesetzt. Es fällt mir nicht ganz leicht, denn privat ist mir das Tessin längst zur zweiten Heimat geworden, lebt doch ein Teil meiner Sippe im Sopraceneri. Ich bin in gewisser Weise also befangen, weil familiär vorbelastet.

Palmen, Sonne, dolce far niente?

Für viele Zucchin ist die italienische Schweiz in erster Linie bequem erreichbarer Sehnsuchtsort ennet der Alpen; helvetischer Garten Eden quasi. Palmen, Sonne und dolce far niente – so wollen wir unseren Süden sehen, der Rest wird gerne ignoriert. Unbequeme Fakten stören das lustvolle, dezent exotische Ferienbild.

Von wegen überfröhlich mit grosser Klappe

Die Klischees und Vorurteile, die wir in unserer Serie abarbeiten, gestalten sich in der Tessin-Folge schnell als besonders knifflig.

Nahaufnahme von Nina Mavis Brunner neben dem Musiker ZZ Top.

Bildlegende: Mein Lieblingsmoment des Drehs hat weder mit der Region, noch mit dem Thema zu tun: eine Zufallsbegegnung mit ZZ Top. Nina Mavis Brunner

Die beiden örtlichen Künstler, mit denen wir uns über Allgemeinplätze unterhalten, sind nachdenkliche Zeitgenossen. Beide sind sie im Tessin verankert, lassen Kanton und Land jedoch regelmässig hinter sich, um die Welt zu erkunden. Klischees sind ihnen nicht ganz geheuer. Lieber betonen sie jene kleinen Unterschiede im Land, die inspirierend wirken.

Fotograf Marco d’Anna sagt, die Tessiner seien von klein auf mit dem Aussen konfrontiert. Es gehöre daher zu ihrem Selbstverständnis, sich immer und immer wieder mit dem Fremden auszutauschen. Dadurch verstehe man irgendwann vielleicht auch die vertraute Heimat besser.

Ein Kulturallgemeinplatz

Wir bewegen uns in dieser Sommerreihe irgendwo zwischen liebevoller Neckerei und überraschendem Ernst. Eines ist hoffentlich in jeder Folge zu spüren: Den entspannten Umgang mit möglichen innerhelvetischen Mentalitätsunterschieden – den verantwortet zum Schluss eben doch jeder Einzelne.

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