Luke Gasser: das eigensinnige Obwaldner Gesamtkunstwerk

Er habe keinen Doktortitel und keinen Ruf zu verlieren, sagt Luke Gasser an der Premierenfeier seines Films «The Making of Jesus Christ» in Obwalden. Mit seinem neusten Film erregt der Wuschelkopf Aufsehen, so wie er dies schon sein halbes Leben als Künstler, Musiker und Beinah-Politiker tut.

Aufnahme aus der Froschperspektive: Luke Gasser steht inmitten einer steinigen Landschaft, er trägt Cowboystiefel und seine Gitarre.

Bildlegende: Der Schweizer Filmemacher, Autor und Künstler Lukas Gasser. Luke Gasser

Wenn Luke Gasser zur Premiere im Sarner Kino Seefeld ruft, kommen sie alle: ein Schwingerkönig, Politiker, Rockmusiker und -musikerinnen, Theologen und eine Reporterin der Sonntagspresse, die den Premieregästen auf dem roten Teppich launige Zitate entlockt. Auch ein paar Evangelikale wollen sich den neuesten Film des Obwaldners nicht entgehen lassen: «The Making of Jesus Christ», ein «dokumentarisches Essay» nennt es der Filmautor, wird erstmals der Öffentlichkeit gezeigt.

«Kumpelprojekte»

Dass die Premiere so bunt durchmischt ist, hat seinen Grund: Luke Gasser ist kein Filmregisseur, wie er im Buche steht. Sein Handwerk hat er weder an einer Filmschule, noch beim Fernsehen gelernt – er hat einfach angefangen, mit Freunden Filme zu drehen. «Kumpelprojekte» nannte er das. Luke Gasser, der Vielseitige: Bildhauer, leidenschaftlicher Rockmusiker, Fast-Politiker und ein sympathischer Querkopf vor dem Herrn.

Das Temperament des Rockmusikers

Aber der Reihe nach: Geboren 1966 in Lungern, Kanton Obwalden. Lehre als Bildhauer, seit 1991 freischaffender Bildhauer, Maler, Musiker und Filmschaffender. Aber das Temperament und der Wuschelkopf gehören wohl vor allem dem Musiker: «Rockmusik ist eine Leidenschaft, das bringt man nie weg.»

Erste Historiendramen

Als Quereinsteiger und Autodidakt musste er mit gerümpften Nasen in der Filmbranche rechnen. Er konnte auch nicht auf üppige Fördergelder hoffen, und das kann er auch heute noch nicht. Als Gasser seine ersten Historiendramen drehte, rieb man sich die Augen: Mittelalterliche Schauerballaden, Bronzezeit-Western mit inszenierten Schlachten, gedreht auf der Melchsee-Frutt oder auf einer Alpenwiese bei Lungern OW, mit Laienschauspielern und wenig finanziellen Mitteln.

Das kann nur schief gehen, sagten die Fachleute. Doch Gasser liess sich nicht beirren, und seine Filme fanden ihr Publikum. Von einigen Filmkritikern erntete er Hohn und Spott. Und biss zurück: «Wenn einer in Tibet mit dem historischen Material und den Mythen seiner Region arbeitet, schreiben die Kritiker, das sei wunderbar. Wenn aber ich in Obwalden das Gleiche mache, dann erklärten dieselben Kritiker meine Filme für blöd.», konterte er 2007 im Tagesanzeiger.

Parteiloser scheitert an der Urne

Und dann ist da noch sein Ausflug in die Politik: 2007 kandidierte er als Parteiloser für den Nationalrat. Nicht als progressiver Rocker allerdings, sondern mit durchaus bürgerlichem Profil. Damit machte der «wilde Luke» die etablierten Politiker nervös. Er scheiterte an der Urne, doch die CVP brachte ihren Favoriten auch nicht durch und gab Gassers Kandidatur die Schuld daran.

In der Politik wie in der Kunst widerläuft Luke Gasser die Erwartungen: Er hat was zu sagen, und er möchte gehört werden, keine Frage. Aber er sagt es auf seine Weise. Wenn es darum geht, seine Aussagen und Werke in Schubladen einzuordnen, wird es kompliziert.

Gassers Jesus-Film

Nun wagt er sich erneut an ein Thema, das irritiert: Mit «The Making of Jesus Christ» hat er Leben, Sterben und Auferstehen des Jesus von Nazareth in ein mit «Reenactments» durchsetztes Roadmovie gepackt und seine persönliche Sicht auf das damaligen Geschehen in Bilder gefasst. Ein Nicht-Studierter auf dem theologisch derart umstrittenen, ja verminten Parkett der Jesusforschung und der Auslegung der Evangelien? Wie viele Jesus-Filme gibt es schon, gespielt, dokumentiert, getanzt oder gesungen?

Auch hier steht zweifellos eine Mission dahinter. Er hat nie einen Hehl gemacht aus seiner christlichen Überzeugung. Er glaube an Gott, seinen Sohn und die Auferstehung, sei aber kein »Hardcore-Katholik«, und schon gar nicht in einer Freikirche, gab er der Coop-Zeitung 2006 zu Protokoll.

Nun folgt diesem Bekenntnis der Film »Making of Jesus Christ«. Was bringt ihn zu diesem Stoff? Bücher, ist seine Antwort, in einer eigentümlichen Mischung allerdings: Bücher eines Papyrologen, eines Spiritisten und jenes von Hollywood-Regisseur Paul Verhoeven, seines Zeichens Atheist und Jesusfan.

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