Mehr Dialog dank neuen Medien unter dem neuen Papst?

Facebook, Youtube, Twitter: Was für Bendedikt XVI. Neuland war, wird für den neuen Papst Franziskus selbstverständlicher. Die Kommunikation der ganzen Kirche wird sich verändern – verändern müssen. Das prophezeit Charles Martig vom Katholischen Mediendienst.

Papst Benedikt XVI. tippt auf einem iPad eine Twitter-Nachricht.

Bildlegende: Benedikt XVI. war wenig gewandt im Umgang mit den neuen Medien. Sein Nachfolger macht es vielleicht besser. Keystone

Benedikt XVI. war der erste Papst, der twitterte. Insgesamt 38 Nachrichten – Gebetsaufrufe, Segenswünsche, Ermahnungen – schickte er zwischen Mitte Dezember und Ende Februar unter dem Namen @pontifex in die digitale Welt und erreichte damit ein Millionenpublikum.

Charles Martig, Geschäftsführer des Katholischen Mediendiensts in Zürich und Twitterer der ersten Stunde, hat die grosse Zahl der Follower durchaus anerkennend zur Kenntnis genommen.

Für Benedikt XVI. war Twitter ein Promi-Kanal

Gleichzeitig weist der Theologe und Kommunikationswissenschaftler aber darauf hin, dass Papst Benedikt seinerseits die Tweets von bloss einer Handvoll Personen abonniert hatte. «Er nutzte Twitter etwa so wie Lady Gaga oder Justin Bieber: nicht als Dialogplattform, sondern als Promi-Kanal, nicht in der Rolle des Gesprächspartners, sondern in jener des Medienstars.»

Dabei müsse, wer twittere, eigentlich in Interaktion treten – und nicht bloss Botschaften verbreiten, ist Martig überzeugt, und verweist auf US-Präsident Barack Obama, der den Nachrichtendienst virtuos nutzt, indem er – beziehungsweise sein Stab - auf die Tweets seiner vielen Follower oft reagiert und per Twitter in ein grosses interaktives Kommunikationsnetz eingebunden ist.

Vom Diktieren hin zum Diskutieren

Die römisch-katholische Kirche war in Sachen Kommunikationstechnologien stets auffallend offensiv: Bereits in den 1930er-Jahren wurde das Medium Film vom Vatikan anerkannt und der Aufbau von nationalen katholischen Filmbüros angeregt, in den 1950ern wurden erstmals Fernsehgottesdienste übertragen, und auch im Internet war die Kirche sehr früh präsent.

Die Social Media-Kanäle  – Facebook, YouTube, Twitter etc. – haben nun aber eine neue Qualität, «sie sind, anders als Funk und Fernsehen, keine One-Way-Medien», erläutert Charles Martig. Dieses dialogische Element kollidiere nun just mit dem Selbstverständnis von Teilen der katholischen Kirchenleitung, die sich halt eher aufs Diktieren als aufs Diskutieren verstehe.

Kein Quantensprung, aber mehr Dialog

Kurz: Wer Social Media nutze, signalisiere Gesprächsbereitschaft – drum lasse, wer nicht gesprächsbereit sei, besser die Finger davon, findet Martig. Insofern sei der Vatikan gut beraten, sein Verhältnis zu den neuen Medien zu klären.

Was den Umgang mit Twitter & Co. angeht, erwartet Charles Martig zwar vom neuen Papst keinen grossen Schub: Der Nachfolger Benedikts ist 76 Jahre alt und bestenfalls ein Digital Immigrant. Es werde also diesbezüglich keinen Quantensprung geben.

Gleichzeitig aber ist Martig überzeugt, dass die neuen Kommunikationstools das Selbstverständnis der Kurie – die seit der Vatileaks-Affäre sehr verunsichert sei – mittelfristig verändern und zu einer Öffnung der Kirche führen werden: «Auch der nächste Papst wird twittern, auch Kardinäle und Bischöfe werden Social Media ganz selbstverständlich nutzen und sich auf diese Weise der Welt zuwenden. Sie werden nicht verhindern können, dass so vermehrt ein Dialog entsteht, der auch in die Kurie zurückwirkt.»

Charles Martig

Charles Martig

zVg

Charles Martig ist Theologe und Publizist und arbeitet als Geschäftsführer des Katholischen Mediendiensts in Zürich. Er ist vor allem auf Twitter (@drcharlesmartig) und Facebook aktiv.

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