Microsoft – 40 Jahre geliebt und noch mehr gehasst

1975 war Microsoft das, was man heute «Start-up» nennt: Nerds mit komischen Frisuren und grossen Brillen, die Software entwickeln. Am 4. April feiert Microsoft sein 40. Jubiläum. So richtig gratulieren will man aber eigentlich nicht.

Bill Gates steht am Timessquare, im Hintergrund viele Bildschirme mit dem Windows-Logo.

Bildlegende: Hat allen Grund zu lachen – auch nach 40 Jahren: Microsoft-Gründer Bill Gates. Keystone

Während Sie diesen Text an einem Computer lesen, benutzen Sie wahrscheinlich ein Produkt des mächtigsten Unternehmens der Welt. Vielleicht Windows? Den Internet Explorer? Läuft im Hintergrund Word oder Outlook?

Kaum eine Firma ist so allgegenwärtig wie Microsoft. Das Betriebssystem Windows läuft auf neun von zehn Computern, der Internet Explorer (R.I.P.) gehört immer noch zu den meistverbreiteten Web-Browsern und ohne Office-Programme wäre der Büroalltag undenkbar.

Ganz oben auf der Hass-Liste

So weit verbreitet, wie die Microsoft-Produkte sind, könnte man meinen, der Software-Riese sei enorm beliebt. Das Gegenteil ist der Fall. Bei Umfragen nach dem beliebtesten IT-Unternehmen landet Microsoft meist auf dem letzten Platz.

Anders gesagt: Microsoft führt die IT-Hass-Liste ohne grosse Anstrengung an. Im Internet finden sich laufend Artikel wie «10 Dinge, die wir an Microsoft hassen». Der Ärger über Windows oder Word füllt ganze Blogs. Immer wieder beklagen User die Virusanfälligkeit oder die vielen Abstürze von «Micro-Schrott». Die Firma ist oft Zielscheibe von Spott und Kritik der Netzgemeinde.

Wettbewerbsfeindlich und nicht kundenorientiert

Auch Gründer Bill Gates ist unbeliebt. In der Wahrnehmung der Öffentlichkeit wurde aus dem harmlosen Nerd mit den riesigen Brillengläsern ein verbissener Multi-Milliardär, der seine Energie vor allem darauf verwendet, die Konkurrenz auszuschalten.

Bill Gates mit Brille lächelt in die Kamrea.

Bildlegende: 79 Milliarden US-Dollar: Soviel Geld besitzt Bill Gates, der reichste Mann der Welt, laut Schätzungen. Reuters

Und die Kritik scheint – teilweise – durchaus berechtigt: Den Weg von Microsoft pflastern viele Opfer, und kaum ein anderes Unternehmen gerät wegen seiner Geschäftspraktiken so sehr ins Visier der Behörden.

Das Unternehmen wird immer wieder verklagt, sei es wegen Kartelldelikten, Wettbewerbsverzerrung oder Patentverletzungen. Erst vor zwei Jahren verdonnerte die EU den Konzern zu einer Strafe von einer halben Milliarde Euro wegen Verstosses gegen das Kartellrecht – insgesamt zahlte Microsoft schon über 1.5 Milliaden Euro allein an die Europäische Union.

Hassliebe aus Gewohnheit

Doch eins fällt auf: Während User neuen Software-Giganten wie Google oder Facebook mit Misstrauen und sogar Angst begegnen, scheinen sie von Microsoft vor allem genervt zu sein. So lange begleitet sie das Unternehmen schon – beziehungsweise: So lange schlagen sie sich schon mit Microsoft herum, dass sie sich daran gewöhnt haben. Es ist ihr liebster Feind geworden, ohne den heute nichts mehr geht.

Und alten Freunden oder Feinden gratuliert man doch schon aus reiner Höflichkeit. Deshalb: Happy Birthday, Microsoft.

40 Jahre Microsoft

40 Jahre Microsoft

Das Unternehmen wurde am 4. April 1975 von Bill Gates und Paul Allen gegründet, Microsoft steht für Microcomputer-Software. Der kometenhafte Aufstieg begann 1980 mit der Entwicklung von MS-DOS für IBM. Seit den 1990er-Jahren ist Microsoft Marktführer bei Betriebssystemen und Office-Anwendungen.

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