Zum Inhalt springen

Morgan Freeman über Glauben «Gott ist die Begegnung mit dem grossen Unbekannten»

Hollywood-Star Morgan Freeman spielte einst selber Gott. Nun erzählt er für die Doku-Serie «Story of God» von der Suche nach ihm. Ein Gespräch über Ehrfurcht, Mythen – und den kürzesten Weg zur Wiedergeburt.

Morgan Freeman sitzt mit verschränkten Händen vor einer Mauer auf der religiöse Symbole und Zeichen sind.
Legende: Wer ist Gott, Morgan Freeman? «Der Kern der Existenz.» SRF/Fox Neworks Group

SRF: Wer die Doku-Serie «Story of God» (siehe Textbox) sieht, fragt sich: Welche Neugierde treibt Sie an, überall auf der Welt nach Gott und Glaube zu suchen?

Morgan Freeman: Ich bin mit Gott aufgewachsen. Meine Grossmutter war nicht im engen Sinn religiös, aber sie war gläubig. Sie pflegte zu sagen, was man Kindern oft sagt: «Gott ist Liebe».

Mit ungefähr 13 Jahren begann ich all das zu hinterfragen. Das tue ich heute noch. Mit der Serie «Story of God» bekam ich die Gelegenheit, ins Thema Glaube einzutauchen und mich auf die Suche nach Antworten zu machen. Oder zumindest andere Vorstellungen von Gott und Glaube kennenzulernen. Das hat mich fasziniert.

Ich habe gehört, Sie besitzen eine Bibliothek mit religiösen Büchern?

Ja, das tue ich. Ich habe den Koran, ich habe etwa fünf verschiedene Bibeln. Alles, was mit Religion zu tun hat, interessiert mich.

Was fasziniert Sie daran?

Seit längerer Zeit bin ich überzeugt, dass wir allen gottähnlichen Dingen gegenüber von Ehrfurcht erfüllt sind. Wissen Sie, woher das englische Wort für Ehrfurcht, «awe» stammt?

Nein.

Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Mensch der Frühzeit und üben sich im aufrechten Gang. Sie sind Jäger und Sammler und streifen umher. Plötzlich explodiert ein Vulkan vor Ihnen, die Bergspitze wird weggeblasen.

Was sagen Sie? «Awe». «Awe» ist der Beginn von Gott, der Beginn von etwas, was wir nicht verstehen.

Wir sind allen gottähnlichen Dingen gegenüber von Ehrfurcht erfüllt.

Sie sind einer der wenigen Menschen auf Erden, die auf überzeugende Weise Gott gespielt haben – in der Filmkomödie «Bruce Almighty» von 2003. Wie fühlte es sich an, diese Rolle zu spielen?

Morgan Freeman in weissem Anzug und mit geöffneten Händen.
Legende: Gott gespielt zu haben, kann nicht jeder von sich behaupten: Morgan Freeman in «Bruce Almighty». Imago/United Archives

Die Rolle war ganz ok, es machte Spass, mit Jim Carrey zu spielen. Was danach kam, war weniger lustig.

Warum?

Die Leute begannen, mich mit Gott zu assoziieren. Sie machten Sprüche wie: «Nun, da Du Gott bist, könntest Du mal den Regen stoppen?»

Wenn manche Leute an Gott denken, haben sie vielleicht Morgan Freeman vor Augen. Wie sehen Sie Gott?

Ich glaube nicht, dass es ein Bild von Gott gibt. Ich mag

Lichtstrahlen, die durch die Wolken dringen. Ich mag die Milchstrasse in einer klaren Sternennacht. Ich mag die weite Sicht, wenn der Vollmond scheint. Das ist für mich Gott: Der Kern der Existenz. Die Begegnung mit dem grossen Unbekannten.

Was möchten Sie mit der Serie «Story of God» vermitteln?

Wir leben in einer Zeit, in der die Leute in Glaubensfragen vor allem die Unterschiede und Differenzen sehen. Wir möchten die Gemeinsamkeiten aufzeigen. Es gibt so viele Gemeinsamkeiten.

Zwischen den grossen Weltreligionen?

Ja, es gibt drei grosse Weltreligionen, und jede von ihnen hat je etwa acht oder neun «Tochter-Religionen». Ich liebe das.

Gott wird oft beschworen: am Fernsehen, im Zusammenhang mit der Nahostkrise oder während der Präsidentschaftswahlen. Ich glaube, es ist gerade in dieser Zeit enorm wichtig, sich damit auseinanderzusetzen: Was für Beziehungen haben wir und andere Völker zu Gott?

Das ist für mich Gott: Die Begegnung mit dem grossen Unbekannten.

Was haben Sie dabei gelernt?

Etwas, das ich nicht wusste: die Reinkarnation ist verbindlich. Man ist an die Erde und an die physische Existenz gebunden. Man kommt wieder und wieder zurück, bis man alles richtig gemacht hat und befreit ist.

Wir waren in Varanasi in Indien, der heiligen Stadt am Ganges. Dort lernten wir, dass es eine Abkürzung gibt. Man kann nach Varanasi reisen, dort sterben und beim Fluss kremiert werden. Dann muss man nicht wiederkommen. Nun wissen Sie, wohin ich bald reisen werde!

Gab es Probleme beim Besuch der heiligsten Stätten der Welt?

Nur in der Grabeskirche in Jerusalem. Wir wurden rausgeschmissen.

Wegen der Kameras?

Nein, wegen mir. Ich konnte meine Klappe nicht halten. Ahnungslos benutzte ich ein Wort, das dort offenbar nicht erlaubt ist. Wir waren bei einem Grab, wo die Kreuzigung Jesu‘ stattgefunden haben soll. Ich sprach von «Mythos». Unmittelbar danach wir wurden gebeten, den Ort zu verlassen: Raus.

In Ihrer Rolle als Gott in «Bruce Almighty» sagen Sie einmal: «Die meisten Leute mögen das Licht nicht, weil sie es vorziehen, im Dunkeln zu leben.» Glauben Sie, dass diese Zeile stimmt?

Es ist etwas arrogant, von den «meisten Leuten» zu sprechen. Aber ich glaube, der Satz hat was. Viele mögen das Licht nicht, sie leben lieber im Dunkeln. Aufklärung (engl.: «enlightenment») ist in dieser Hinsicht ein interessantes Konzept. Aber auch ein unheimliches.

Das Gespräch erschien ursprünglich am 29.3.2016 in der Zeitschrift «National Geographic», Link öffnet in einem neuen Fenster. Autor: Daniel Stone. Übersetzung: Christa Miranda.

«Story of God»

«Story of God»
Legende: Imago/robertharding

Was macht Glauben mit den Menschen? In der dreiteiligen Doku «Story of God» besucht Morgan Freeman heilige Stätten weltweit und trifft Gläubige, Schamanen, Priester, Rabbis und Imame.

Zur Person

Der US-amerikanische Schauspieler Morgan Freeman (*1937) gehört zu den bekanntesten Darstellern und Stimmen Hollywoods. «Driving Miss Daisy» (1989) machte ihn international bekannt. Er war dafür – und später immer wieder – für den Oscar nominiert. 2005 erhielt er ihn für seine Nebenrolle in «Million Dollar Baby».

8 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Teilen Sie Ihre Meinung... anwählen um einen Kommentar zu schreiben

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

Bitte beachten Sie unsere Netiquette verfügbar sind noch 500 Zeichen

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

  • Kommentar von S. Petrovic (S.Petrovic)
    Es wäre sinnvoller mit dem Wissenschaftler zu reden über Gott anstatt mit einem Schauspieler. Oder meinen sie diese Schauspieler ist mehr kompetent weil er selber Gott gespielt hat?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
    1. Antwort von Daniel Hüppin (Daniel Hüppin)
      Inwiefern sollte bei diesem Thema ein Wissenschaftler kompetenter sein als sonst jemand? Im Grunde genommen ist doch jeder Mensch genau gleich kompetent über Gott zu reden, egal ob Wissenschaftler oder Schauspieler oder sonst was. Auch ein Wissenschaftler kann schliesslich nicht sagen, ob Gott existiert oder nicht. Bei diesem Thema geht es mehr um Glauben als um Wissen, und da kann meiner Meinung nach jeder mitreden.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von S. Petrovic (S.Petrovic)
      Wissenschaftler ist kompetenter weil Wissenschaft funktioniert aber Glaube an allmächtigen nicht. Wenn Sie krank sind Glaubens Sie einfach das Gott hilft oder gehen Sie zum Arzt ( Wissenschaft)? Wenn Sie zum Arzt gehen dann ist die Frage sind Sie wirklich Gläubiger .
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Daniel Hüppin (Daniel Hüppin)
      Dass Wissenschaft funktioniert, sagt nichts darüber aus, ob Gott existiert oder nicht. Wenn es darum geht, über Gott zu reden, ist darum ein Wissenschaftler nicht kompetenter als sonst jemand. Übrigens kann auch ein Arzt an Gott glauben. Ein Arzt, der an Gott glaubt, würde Ihnen wohl sagen, dass er mit Gottes Hilfe Kranken helfen kann, vielleicht sogar nur mit Gottes Hilfe.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Markus Guggisberg (gugmar)
    Die Existenz Gottes ist unter der Betrachtung der Komplexität der Schöpfung ein Fakt, der Mythos Blasphemie und Beweis, dass die Lüge existiert ! Nicht glauben ist kein Beweis für die Inexistenz Gottes. Die Liebe und die Wahrheit leben, wie es die Grossmutter bereits erkannt hat. Es gibt nichts neues unter der Sonne !
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
    1. Antwort von S. Petrovic (S.Petrovic)
      Vor einige hundert Jahren war „Fakt „ das Erde eine Scheibe ist und das sich alles um die Erde dreht. Wer anders behauptet hat wurde gefoltert oder verbrannt in der name gottes.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Juha Stump (Juha Stump)
      Im Buch Hiob, Kapitel 26, Vers 7, gibt es einen deutlichen Hinweis darauf, dass die Erde eine Kugel ist. Wenn also jemand behauptet, es stehe in der Bibel geschrieben, dass die Erde eine Scheibe ist, sollte sich einmal gründlicher informieren. Schon im Altertum war es aufgrund von "Spiegelungen" im Mond bekannt, dass die Erde eine Kugel ist, aber dieses Wissen ist u.a. auch durch das Chaos der Völkerwanderungen verloren gegangen. Was später folgte, war vor allem Machtpolitik.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Charles Grossrieder (View)
      Hab schon in der Primarschule die Nonne im Religionsunterricht gefragt, wieso der Sohn Gottes seinen Juengern nicht beibrachte, dass die Erde rund ist, dachte er sollte es wissen? Falsch gedacht, kam nicht gut an und es gab mit dem Lineal auf die Finger und Brief an die Eltern. Gott das Buch, oder Gott das Wort sind nicht zwei und das Selbe, denke ich.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen