Mumien erzählen Geschichten aus vergangenen Zeiten

Wie lebten Menschen und Tiere in vergangener Zeit? Gerade die sterblichen Überreste geben einen lebhaften Einblick in die Geschichte. Sie bieten aber auch einen Anblick, der nicht leicht zu verdauen ist. Das zeigt die Ausstellung «Mumien – Rätsel der Zeit» im Naturhistorischen Museum Basel.

Da liegen sie als hätten sie sich eben erst zum Sterben hingelegt: Gämse und Steinböcke. Sie sind seit Jahrhunderten tot, erfroren in den Schweizer Alpen. In den Gletschern sind sie zu Mumien geworden.

Tiermumien aus der Schweiz – ein überraschender Anfang für die Ausstellung. Doch er ist bewusst gewählt. Anna Pevzner, Projektleiterin der Sonderausstellung im Naturhistorischen Museum erläutert: «Oft kennt man nur die Pharaonen, die ägyptischen Mumien, die menschlichen Mumien. Es gibt aber viele Tiermumien und die natürliche Mumifikation passiert besonders oft bei Tieren.»

Hockermumie eines Mannes in Bastumhüllung

Bildlegende: Aus Bolivien: die Hockermumie eines Mannes in Bastumhüllung. Gregor Brändli

Tiere und ihre Geschichten

Die Ausstellung fokussiere sich deshalb auf wenige menschliche Mumien, die Geschichten erzählen. Genauso erzählen auch Tiermumien Geschichten. Bewusst legt das Naturhistorische Museum dabei das Gewicht auf die Forschung und nicht auf den kulturhistorischen Aspekt.

Dass die Schau mit Tieren anfängt, ist auch pragmatisch. Nach und nach sollen die Besucherinnen und Besucher auf die Begegnung mit menschlichen Mumien vorbereitet werden. Doch was erzählen die Mumien eigentlich?

Vorteile der Weichteile

Dadurch dass im Vergleich zum Skelett, bei einer Mumie die Weichteile erhalten bleiben, können mit wissenschaftlichen Methoden viele Informationen herausgefunden werden. «Wir können zum Beispiel die Herkunft und das Alter herausfinden, wir können zurückblicken in der Zeit und klare Aussagen machen über Individuen und die Gesellschaft», so Anna Pevzner.

Eis, Moor und Wüste

Die Ausstellung folgt den drei natürlichen Prozessen der Mumifizierung: einfrieren, einbetten, austrocknen. Es beginnt im Eis, geht weiter zu den Moorleichen und in Kellerräume, in denen viele Tiere unbemerkt mumifizieren. Und führt zu Gruften und in die Wüste. Schliesslich endet die Ausstellung dann bei den Ägyptern und der willentlichen Mumifizierung.

Das ist spannend und gut präsentiert, jedoch nicht immer leicht zu verdauen. Zwar wirken die mumifizierten Moorleichen wegen der fehlenden Knochen noch abstrakt. Schwieriger wird es, wenn die Mumien Haare oder Kleider tragen – oder wenn es Kinder sind.

Blick hinter die Hülle

Projektleiterin Anna Pevzner ist sich der heiklen Situation bewusst. Beim Umgang mit menschlichen Überresten halte man sich einerseits an die ethischen Richtlinien des International Council of Museums. Und: «Wir haben uns viele Gedanken gemacht, inhaltlich und auch szenografisch, dass wir die Mumien ‹in Ruhe› ausstellen. Das heisst, wir stellen alle Mumien so aus, wie sie verstorben sind. Wir kippen sie nicht und wir hängen sie nicht auf.»

Mit computertomografischen Aufnahmen kann man hinter die Hülle der Mumien blicken und lernt viel über den jeweiligen Forschungsstand. Immer steht das individuelle Schicksal der ausgestellten Tiere und Menschen im Fokus.

Rätselhafte Baslerin

Wie bei einem Kriminalfall werden die Umstände des Todes und die Mumifizierung untersucht. Ein Rätsel erhoffen sich die Wissenschaftler dank ihrer Forschungsarbeit noch während der Ausstellung zu lösen: Wer war die wohlhabende Basler Frau, die als Barfüssermumie bekannt wurde?

Da sie im falschen Sarg lag, erwiesen sich viele Erkenntnisse als ungültig, erklärt Anna Pevzner. «Man hat das Alter nochmals bestimmt und gemerkt, dass sie 200 Jahre jünger ist, als zuerst gedacht.» Nun wird auch der Stoff, der bei ihr gefunden wurde, nochmals untersucht.

Anhand dieses Beispiels ist wirklich zu erleben, was es heisst, wenn Mumien Geschichten aus vergangenen Zeiten erzählen.

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