Neue Ideen für alte Ortskerne

Wenn Läden schliessen und Geschäftslokale leer stehen, beginnt es zu «tötelen». Mit diesem Problem kämpfen manche kleinere und mittlere Städte in der Schweiz. Abhilfe soll das Projekt «Netzwerk Altstadt» schaffen. Dessen Lösung: Gemeinden müssen mit den Grossverteilern verhandeln.

Historische Strasse mit vielen Menschen in Rheinfelden.

Bildlegende: Rheinfelden (AG) schaffte es, die Grossverteiler in Altstadt-Nähe anzusiedeln – und damit die Innenstadt zu beleben. Keystone

In der Innenstadt von Kreuzlingen blickt man immer wieder in leere Schaufenster. Auch im historischen Zentrum von Wil finden leerstehende Ladenlokale keine Mieter. Der Bärenplatz mitten in Worb ist meistens menschenleer. Mit ihren Problemen stehen Kreuzlingen, Wil und Worb nicht alleine da.

Vor allem Gemeinden mit 5000 bis 50'000 Einwohnern kennen das Problem: Einkaufsparadiese mit grosszügigem Parkplatzangebot ausserhalb der Stadt lenken die Kundenströme aus der Innenstadt hinaus in die Peripherie. Die Gemeinden sind gefordert aber auch überfordert. Denn im Unterschied zu Städten mit über 50‘000 Einwohnern haben sie in der Regel keine professionellen Planungsabteilungen.


Grossverteiler sollen Dörfer neu beleben

5:32 min, aus Echo der Zeit vom 13.01.2016

Die Gemeinde als Unternehmer

Das Bundesamt für Wohnungswesen BWO hat erkannt, dass die Verzweiflung der Behörden und das Interesse an Siedlungsfragen gross sind. 2006 hat das BWO, unterstützt vom Bundesamt für Raumentwicklung ARE und dem Schweizer Städteverband, das Projekt «Netzwerk Altstadt» gestartet.

Das Netzwerk hat sich zu einem Kompetenzzentrum für Altstadtfragen gemausert. Seit 2011 führt die Vereinigung für Landesplanung VLP-ASPAN die Geschäftsstelle.

Werkzeugkasten gegen die Verödung

Paul Hasler vom «Netzwerk Altstadt» ist überzeugt, dass die Gemeinden unternehmerischer denken müssten. Gegenüber dem Detailhandel hätten sie durchaus Macht. Sie müssten das Heft in die Hand nehmen, aktiv sein und sich mit Grossverteilern an einen Tisch setzen und verhandeln. Denn Migros und Coop erhöhen die Kundenfrequenz. Davon profitieren die Fachgeschäfte.

Kreuzlingen, Will, Worb und mit ihnen 30 weitere Gemeinden nutzen das Angebot von «Netzwerk Altstadt», um die Verödung der Innenstädte zu stoppen und den Ortskernen wieder Leben einzuhauchen. Stadtanalyse, Nutzungsstrategie, Hausanalyse und Gassenclub heissen die Werkzeuge, die die Planungsexperten anbieten.

Historische Teilansicht von Aarberg

Bildlegende: Historisches Städtchen, das mit Blick in die Zukunft plant: Aarberg. Wikimedia/Roland Zumbuehl

Stadtentwicklung ist kein Zufall

Auch im schmucken Städtchen Aarberg im Berner Seeland ist Paul Hasler von «Netzwerk Altstadt» aufgetaucht. Dort hat Coop im April 2015 ein neues Einkaufszentrum abseits der Altstadt eröffnet. Das verunsichert die Detailhändler am historischen Stadtplatz.

Für die Gruppe der Fachgeschäfte und den Gemeinderat wurde schlagartig klar: Aarberg braucht seinen belebten Stadtplatz mit den vielen Geschäften und Restaurants. Die Beratung und die Analysen von «Netzwerk Altstadt» haben gefruchtet. Die Gemeindebehörden haben Migros überzeugt, sich in Fussdistanz zum Stadtplatz in einem Neubau niederzulassen.

Für diesen Neubau, der auch der Post Platz bietet und der Erweiterung des Altersheims dient, hat Aarberg einen Architekturwettbewerb ausgeschrieben. Aarberg will die Entwicklung der Altstadt also nicht dem Zufall überlassen.

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