Neue Räume in alten Klöstern

Mit immer weniger Menschen, die Orden beitreten wollen, leeren sich Schweizer Klöster. In Luzern und Seedorf kämpfen zwei Stätten nun mit neuen Konzepten gegen die Schliessung und öffnen sich Menschen ausserhalb der Orden.

In einem Spiegel ist die Reflektion von Kapuzinern

Bildlegende: In Appenzell war die Schliessung nicht zu verhindern. Nach 425 Jahren endete die Geschichte im Jahr 2011. Keystone

Das Kapuzinerkloster Wesemlin in Luzern soll neue Bewohner bekommen. Aus den sechzig Brüdern, die früher dort wohnten, sind noch zwanzig geblieben. Die meisten nicht mehr ganz jung. Doch mit Konzepten für eine neuen Nutzung, haben die verbliebenen Kapuziner Sponsoren gefunden.

In Rapperswil hatten sich die Luzerner Kapuziner inspirieren lassen. Dort können Menschen auf Zeit mit den Kapuzinern zusammenleben. Doch in Luzern geht man noch einen Schritt weiter. Dort sollen Studios entstehen, in denen Menschen dauerhaft im Kloster leben können, ohne dem Orden beizutreten, und in speziellen Begegnungszonen mit den Kapuzinern in Kontakt treten.

Mit dieser Idee wurde das verfallende Klostergebäude vor der Schliessung gerettet – etwas das beispielsweise in Appenzell nicht gelang. In Wesemlin werden mit neuen Investorengeldern nicht nur neue Räume geschaffen, sondern die alten auch renoviert.

«Oase W» 2015 bezugsbereit

Die Nachfrage für solche Räume besteht, denn Klöster sind durchaus attraktiv. Viele besuchen ein Kloster für ein bis zwei Wochen. Auch die Kapuziner würden von vielen sehr geschätzt, sagt Thomas Egger, Guardian des Wesemlins. Als die Schliessung drohte, seien viele Menschen auf die Kapuziner zugegangen und hätten gefordert, dass sie bleiben. Bloss eintreten ins Kloster wollen nur sehr wenige.

«Oase W» nennt sich das Projekt, mit dem das Kloster umgenutzt werden soll. Der Umbau hat bereits begonnen, erste Interessenten gäbe es und 2015 seien die Studios bezugsbereit, sagt Thomas Egger. Auch der Klostergarten soll für Menschen von ausserhalb geöffnet werden.

Einige Brüder befürchten, die «Oase W» könnte ihren Alltag zu stark durcheinanderbringen. Doch die meisten würden sich auf die neuen Mitbewohner freuen, sagt Josef Regli, Kapuziner im Wesemlin. Durch den intensiven Kontakt könne man mit Menschen eine tiefere Beziehung eingehen, meint Josef Regli, Kapuziner im Kloster Wesemlin.

Zu viel Platz, zu wenige Schwestern

In Seedorf im Kanton Uri, im Kloster St. Lazarus, stehen die Benediktinerinnen vor ähnlichen Problemen. Zwar ist ist die Infrastruktur dort noch gut. Aber sie können die vielen Räume alleine nicht mehr bewirtschaften. Die angegliederte Haushaltungsschule wurde im Jahr 2001 aufgelöst. Die Räume wurden vermietet, aber die viele Arbeit blieb.

Jüngst entschieden sich die Schwestern einen Wunsch, den in Seedorf immer wieder Menschen geäussert haben, zu erfüllen: Weil es in Seedorf keine Wohnmöglichkeiten für ältere Menschen gibt, werden nun Alterswohnungen gebaut.

Ein Zusammenleben, ähnlich wie im Wesemlin, ist aber nicht geplant. Die Schwestern legen Wert auf ihre Klausur. Aber trotzdem freuen sie sich, wenn wieder etwas Leben in die Gemäuer kommt. Als die Haushaltungsschule aufgelöst wurde, hätten ihnen die jungen Leute doch sehr gefehlt, meint Schwester Judith Lautenschlager.

Hoffnung aus der Vergangenheit

Stück für Stück müssen die Schwestern loslassen. Die Landwirtschaftsbetriebe, den Garten und eben auch die Haushaltungsschule mussten die Benediktinerinnen aufgeben. Ganz aufgeben wollen sie deswegen aber noch lange nicht. Sie möchten ihr Ordensleben mit Freude weiterleben, meint die Äbtissin, Schwester Veronika Bernet. Denn die Resignation würde nur lähmen.

Hoffnung gibt den Schwestern auch die Geschichte ihres Klosters. Vor den Benediktinerinnen lebten Lazariterinnen im Kloster. Im Jahr 1528 starb die letzte Lazariter-Ordensfrau. Sie hatte aber vor ihrem Tod noch Holz gekauft für einen Dachstock. Sie glaubte an die Zukunft ihres Klosters. Zu recht: Dreissig Jahre später zogen die ersten Benediktinerinnen ein.

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