New York baut einen riesigen Park – unter der Erde

An New Yorks Lower East Side entsteht mit der Lowline der erste unterirdische Park der Welt. Auf 5500 Quadratmetern soll eine grüne Oase für Anwohner und Touristen entstehen. Das Geld müssen die Initianten noch auftreiben. Ein erstes Modell ihrer Vision grünt bereits im «Lowline Lab».

Grüne Pflanzen

Bildlegende: Eine begrünte Highline hat New York schon. Die Lowline ist das unterirdische Pendant, allerdings ambitionierter. Flickr/Lowline/Andew Einhorn

  • In einer ehemaligen Station für Pferdefuhrwerke soll in 20 Metern Tiefe ein unterirdischer Park entstehen.
  • Der Park wird sich ab 2021 über 5500 Quadratmeter unter der Lower East Side erstrecken.
  • Für die Finanzierung müssen die Initianten 60 Millionen Dollar beschaffen.
Unterirdischer Garten

Bildlegende: So soll es in der Lowline später aussehen. Erste Pflanzen wachsen bereits in einem Proberaum. Flickr/Lowline/Andrew Einhorn

Grün für die Lower East Side

Als in New York 2009 der erste Abschnitt der Highline eröffnet wurde, ahnte niemand, dass sich diese aufgehübschte Hochbahnstrecke zur Touristenattraktion entwickeln würde.

Heute pilgern täglich Hunderte den bepflanzten Geleisen entlang, um die Aussicht auf den Hudson River und über die Dächer Chelseas zu geniessen, um Kunstinstallationen zu bestaunen und für Veranstaltungen aller Art.

Mit der Lowline soll dazu nun ein Pendant an der Lower East Side entstehen, mit ebenso viel Grün, allerdings ohne die Aussicht und nicht nur für Touristen.

Zwei Männer, ein Plan

James Ramsey und Dan Barasch sind die Initianten des Projekts. Der eine ist Architekt, Ingenieur und Erfinder, der andere ein strategischer Tausendsassa. Zusammen verfolgen sie das Ziel, in einer ehemaligen Station für Pferdefuhrwerke den ersten unterirdischen Park der Welt zu schaffen.

Video «New York unterirdisch» abspielen

New York unterirdisch

2:10 min, aus Tagesschau vom 21.6.2016

Läuft alles nach Plan, wird 2021 an der Essex Street/Ecke Delancey Street zwanzig Meter unter Autos und Asphalt eine Oase blühen, in der sich Menschen von nah und fern verlustieren.

Der Modellpark grünt schon

Einen Vorgeschmack darauf gibt zurzeit das Lowline Lab. Zwei Blocks vom vorgesehenen Standort entfernt wird dort vor und mit Publikum ein Stück Stadt der Zukunft geprobt.

Die Hortikultur spielt dabei eine zentrale Rolle. Im Lowline Lab wächst auf hundert Quadratmetern, was dereinst dank neuster Solartechnologie auf 5500 Quadratmetern gedeihen wird.

Das sind bislang über 3000 Pflanzen, einschliesslich Früchte und Gemüse. Die reichen schon jetzt für mehrere Piña-Colada-Salate.

Kultur für Besucher und Anwohner

Ebenfalls gross geschrieben werden Kunst und Design. Die Röhren und Verdecke, die das Licht von aussen nach innen leiten, gleichen Skulpturen.


New York: Lowline

3:43 min, aus Kultur kompakt vom 12.08.2016

Darunter gibt es regelmässig Konzerte und Ausstellungen. So wollen die Initianten Besucher zum Mitdenken animieren.

Wo Raum ein Luxus ist wie in Manhattan und öffentlicher Raum schrumpft, verdienen besonders die Anwohner ein Recht auf Mitsprache bei dessen Gestaltung. So die Maxime der Lowline-Gründer.

Die Kinder der unmittelbaren Nachbarschaft haben klare Vorstellungen von ihrem Souterrainparadies. In Workshops des Lowline Labs werden sie zu kleinen Urbanisten ausgebildet, deren Modelle den Machern als Inspiration dienen – mit Baumhäusern, Trampolins, Wasserlandschaften und Robotern, die Snacks verteilen.

New Yorker mögen Grün

Noch sind James Ramsey und Dan Barasch mit dem Auftreiben der 60 Millionen Dollar beschäftigt, die der Bau der Lowline kostet.

Aber die Unterstützung des Bürgermeisters ist ihnen sicher, ebenso wie Vorschüsse von finanzstarken Partnern wie Goldman Sachs und Time Warner.

Ihre Dächer haben New Yorker bereits fürs Farmen entdeckt. Dort betreiben sie inzwischen Ackerbau im grossen Stil. Höchste Zeit also, dass nun auch die Ernte im Untergrund beginnt.

Serie «Underground»

Ein Streifzug durch alternative Kulturschauplätze: