Nonnen und Mönche machen vor, wie man das Netz gesund nutzt

Eine Studie zeigt, wie gesund Mönche und Nonnen mit Internet und E-Mail umgehen. Der strukturierte Tagesablauf mit Stillezeiten und die Ausrichtung auf Gott verhindern, dass sie sich im Internet verlieren. Davon können wir alle etwas lernen.

Ein Mann in Mönchskutte an einem modernen Schreibtisch mit Computer sitzend, zum Fenster hinausschauend.

Bildlegende: Das Schweigegebot bezieht man heute auch auf digitales Kommunizieren: Abt Vigelli Monn im Kloster Disentis. Keystone

So mancher gestresste Gast kommt auf Zeit in ein Benediktinerkloster, um dort Stille und Abgeschiedenheit zu finden. Viele träumen davon, das eigene Mobiltelefon endlich abzuschalten. Oder sie möchten es gleich an der Pforte abgeben. Viele Klöster bieten diesen Service eines «Digital Detox» an, also «digitaler Entschlackung» oder «Medien-Entzug». Doch so mancher Klostergast wundert sich dann, dass Mönche ihrerseits mit Handy am Ohr durch den Kreuzgang flitzen und ihre Andachtstexte selbstverständlich auf dem Computer verfassen.

Tägliches Abschalten

Die Benediktiner selber sehen nämlich im Internet nichts Verbannungswürdiges. Mönche und Nonnen verfallen aber in der Regel keiner Internetsucht, weil sie sich an die Benediktsregel halten, die in allem «Masshalten» empfiehlt. Sie lassen sich auch nicht ständig von SMS und eingehenden Mails ablenken. Sondern sie üben täglich das «Abschalten».

Diese reflektierte und strukturierte Lebensweise nennt sich christliche Askese. Daher will Barbara Müller – die Schweizer Kirchenhistorikerin und Psychologin hat das Medienverhalten in den deutschsprachigen Benediktinerklöstern untersucht – auch nicht allein von «Medienfasten», sondern umfassender von «Medienaskese» sprechen.

Der Heilige Benedikt hätte das Internet genutzt

Für Barbara Müllers Studie an der Universität Hamburg erhielten sämtliche 106 Klöster des Benediktinerordens in Deutschland, Österreich und der Schweiz Fragebogen dazu, wie sie digitale Medien nutzen. Mit einigen Nonnen und Mönchen hat die Kirchenhistorikerin vertiefende Interviews geführt. Überraschendes Resultat: 83 Prozent der Mönche und Nonnen sind überzeugt, dass auch ihr Ordensgründer, der 547 verstorbene Heilige Benedikt, das Internet genutzt hätte.

Jede Klostergemeinschaft regelt ihren Umgang mit Internet und E-Mail für sich. So haben einige Mönche sogar einen Laptop in ihrer Zelle, in anderen Klöstern sind die Computer klar der Arbeitssphäre und den Arbeitszeiten vorbehalten. Die Zeit ist im Kloster genau eingeteilt. Nicht nur in «ora et labora» («bete und arbeite!») – sondern eben auch in Schlafen, Essen, Kommunizieren und Schweigen.

Nicht abschweifen, sondern arbeiten

Beim gemeinsamen Essen, in den Stillezeiten und während der Gebete bleibt das Smartphone aus. Es geht also nicht um Dauerfasten oder Totalverzicht, betont die Forscherin Barbara Müller. Hingegen füge sich die benediktinische Medienaskese schlüssig ein in das Gesamtkonzept ihrer christlich-spirituellen Lebensform namens Askese.

Klösterliches Leben heisst ja gerade, ein auf Gott hin konzentriertes Leben zu führen. Das schrieb bereits der Heilige Benedikt: «Sooft wir nämlich durch die Unruhe der Gedanken zu sehr aus uns heraus geführt werden, sind wir zwar noch wir selbst, aber nicht mehr in uns; denn wir verlieren uns selbst aus dem Blick und schweifen anderswo umher.»

Vorbild für säkulare Menschen

Das Umherschweifen können wir heute auch mit ziellosem «Surfen» übersetzen. Dabei verliert man sich von einer Internetseite in der nächsten, und vergisst darüber sich selbst und die Zeit.

Die klösterliche Askesetradition könne durchaus Vorbild für säkulare Menschen sein, die vor lauter Medien auch keinen Schlaf mehr finden, meint Barbara Müller. Nachts wird nämlich ebenso abgeschaltet. Die Benediktsregel sieht nächtliches Schweigen vor. Dieses «Schweigegebot» beziehen die Benediktinerinnen und Benediktiner heute auch auf digitales Kommunizieren.

Literaturhinweis

Barbara Müller: Aufsatz «Medienaskese. Zum benediktinischen Umgang mit digitalen Medien», in: «Communicatio Socialis», 47. Jg. 2014, H. 3.

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