Pablo Escobar: Vom «King of Cocaine» zum Verkaufsschlager

Entführungen, Anschläge, Morde: Pablo Escobar, Kopf des berüchtigten Medellin-Kartells, überzog Kolumbien einst mit einer Welle des Terrors. 20 Jahre nach seinem Tod ist der Staatsfeind Nr.1 seiner Zeit Touristenattraktion, Hauptfigur einer Seifenoper und Gesicht einer Modemarke.

Immer mehr Leute merken, dass sich mit dem Image von Pablo Escobar Geld machen lässt. Escobar war schon zu Lebzeiten eine Art Mythos: Mitte der 70er Jahre ist er vom Kleinkriminellen zum «Godfather» des Kokainhandels aufgestiegen und wurde damit zum siebtreichsten Mann der Welt. Einerseits hat er sich als «Wohltäter» inszeniert, der mit seinen Drogenmilliarden Sozialprogramme finanziert, andererseits hat er Kolumbien mit einer blutigen Welle des Terrors überzogen.   

Seifenopern, Touristenattraktion, Modelabel

Seine Lebensgeschichte – abschreckend, düster und faszinierend zugleich – hat nicht nur Hollywood angelockt. Auch in Kolumbien feiert der «King of Cocaine» ein bizarres Comeback: In der Seifenoper «Escobar, der Herr des Bösen» oder als Klebebildchen im Album zur Serie. In seiner Heimatstadt Medellín sind spezielle Escobar-Touren eine Touristenattraktion. Und der wohl seltsamste Auswuchs dieses Phänomens ist jetzt eben ein Mode-Label, das mit dem Namen Escobar Jeans und T-Shirts verkauft. Dahinter steht Escobars Sohn Sebastian Marroquin.

Vom Design her sind die T-Shirts simpel, aber der Teufel steckt im Detail: Auf die Shirts sind nämlich Originaldokumente gedruckt, die allesamt auf den Namen «Pablo Escobar» ausgestellt sind: Sein Personalausweis und seine Kreditkarte, ein polizeiliches Führungszeugnis oder eine Parkerlaubnis fürs kolumbianische Parlament sind darunter.

Tätowierte Typen, Blondinen und Champagnergläser

Die Kollektion selbst trägt den Titel «Poder-Poder», auf Deutsch «Macht-Macht» und wird dementsprechend präsentiert: von durchtrainierten und tätowierten Typen, auf teuren Motorrädern und Luxusschlitten, umringt von lasziven Blondinen mit Champagnergläsern. Daneben prangt das Logo des Labels: zwei in sich verschnörkelte Buchstaben mit Engelsflügeln. E für Escobar und H für Henao. Das ist der Geburtsname des Label-Gründers Juan Manuel Escobar Henao – der richtige Name von Sebastian Marroquin.

Dieser lebt seit dem Tod seines Vaters unter dem Pseudonym in Argentinien und versuchte dort, sich eine neue Existenz als Architekt aufzubauen und sich vom Image Pablo Escobars zu distanzieren. Heute druckt er es auf T-Shirts.

Mode sei als Mahnung zu verstehen

Paradoxerweise ist Marroquin vor einigen Jahren durch die Dokumentation «Die Sünden meines Vaters» bekannt geworden – darin distanzierte er sich vom Drogenboss, entschuldigte sich bei dessen Opfern und setzte sich für Frieden in Kolumbien ein. Und nun gründet er ein Modelabel unter dem Namen Escobar. Wie passt das zusammen?

Marroquin betont, dass er mit seinem Label keinen Kult um die Verbrechen seines Vaters machen will, sondern das genaue Gegenteil: Seine Mode sei als Mahnung zu verstehen, dass der Weg seines Vaters nirgendwohin führt – daher hat er seinem Label den Untertitel «In Peace we Trust» – «Wir vertrauen auf den Frieden» verpasst. Und unter den aufgedruckten Escobar-Dokumenten prangt immer auch eine Art Moralspruch: «Denk lieber noch mal darüber nach: Wozu dient Macht?», «Wie sieht unsere Zukunft aus?» oder «Wähle dein Schicksal, um nicht am falschen Ort zu enden.»

Schlag ins Gesicht für Escobar-Opfer

Die Mode wird zwar in Kolumbien, genauer in Medellin, dem einstigen Zentrum des Drogenterrors, produziert, aber sie wird nicht dort vertrieben. Aus Respekt vor den Opfern, wie Sebastian Marroquin sagt. Die Opfer selbst sehen das Mode-Projekt allerdings als Schlag ins Gesicht – mit dem Konterfei eines Verbrechers eine Friedensmessage verbreiten zu wollen sei eine Farce, lieber solle Marroquin sein Wissen über die Geschäfte seines Vaters offenbaren. Viele Opfer warten heute noch auf Entschädigung.


Pablo Escobar: Vom Gangster zur Modeikone

4:50 min, aus Kultur kompakt vom 28.02.2013

Das Geschäft von «Esobar Henao» läuft gut,  bisher vor allem in Guatemala und Mexiko, aber auch in den USA. Alles Länder, in denen Drogen- oder Gang-Gewalt mehr oder weniger zum Alltag gehören und Lebensmodelle zwischen Geld und Gewalt, Macht und Tod in Drogenballaden oder Gangsterraps besungen würden. In Europa gibt es die T-Shirts bisher nur in Österreich. Die Geschichte zeigt: der Mythos Escobar hat sich inzwischen verselbstständigt, nur selten geht es dabei um eine wirklich kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.