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Zeichnung von vier Schweinen, die auf 2 Beien stehen und zum Metzger etwas Unverständliches sprechen.
Legende: Beim Metzger vielleicht etwas argumentieren – aber sonst? Wenn Tiere sprechen könnten, hätten sie uns Menschen vermutlich nicht das Geringste zu sagen. SRF / Yvonne Rogenmoser
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Philosophische Antworten Was wäre, wenn Tiere sprechen könnten?

Liesse sich ermitteln, was Tiere miteinander sprechen – wir Menschen wären wohl gekränkt: Sie haben uns nichts zu sagen.

Stehen zwei Kühe auf der Weide. Sagt die eine plötzlich: «Muh.» Worauf die andere erwidert: «Das wollte ich auch gerade sagen.» Voilà – unser Thema in einem Witz.

Hinter der Frage, was wäre, wenn Tiere sprechen könnten, steht in der Regel ein gedanklicher Doppelfehler. Erstens wird angenommen, nicht zu sprechen sei gleichbedeutend mit: nicht kommunizieren. Und zweitens: zu sprechen sei die eigentliche Form des Kommunizierens. Wer sich des Sprechens nicht mächtig wisse, dem fehle also etwas ganz Wesentliches in der Existenz.

Tiere verstehen sich auch ohne Sprache

Wie der schöne Witz von den Kühen auf der Weide zeigt, sind beide Annahmen gleichermassen irrig. Kühen, die nicht sprechen können, fehlt überhaupt nichts. Sie verstehen sich auch ohne Sprache ganz hervorragend aufeinander sowie die Welt. Und vermissen dabei nicht das Geringste!

Womit wir den wohl eigentlich schmerzhaften Punkt des Verhältnisses zwischen Tier und Mensch berühren. Schliesslich ist der Mensch als sprechendes Tier vor allem eines: unfassbar eitel.

Ein gattungseitler Blödsinn

Nichts kränkt ihn mehr als der Gedanke, gerade das, was seine eigene Lebensform auszeichnet und fundiert – eben das Sprechen – könnte allen anderen Wesen nicht einmal fehlen.

Welch kaum bezwingbare Freude deshalb, wenn der Papagei im Käfig endlich sprachähnlich zu krächzen beginnt. Oder die Reservoir-Schimpansin nach jahrelangem Training per Taubstummen-Gesten signalisiert, heute eher Appetit auf Apfelsinen als Bananen zu haben.

Als ob da irgendein entscheidender Durchbruch gelungen wäre; das betreffende Geschöpf gleichsam den nächsten Schritt zu seiner eigentlichen evolutionären Bestimmung gemacht hätte.

Was für ein gattungseitler Blödsinn!

Tiere beneiden uns nicht

Aber in Wahrheit kommt es noch kränkender. Denn nur einmal angenommen, sämtliche Arten und Weisen, in denen Tiere miteinander kommunizieren, liessen sich entschlüsseln und tatsächlich direkt in menschliche Sprache übersetzen, wie etwa die der Rochen, Libellen, Spechte, Fledermäuse, Dachse..., was träte da wohl hervor?

Genau: Dass sie uns nicht das Geringste zu sagen haben! Nicht ein Wort richteten sie an uns! Sie brauchen uns nicht. Sie beneiden uns nicht. Wir interessieren sie nicht die Bohne. Wenn es gut geht, spielen wir in dem kommunikativen Handeln von 99,9 Prozent aller existierenden Tierarten keinerlei Rolle. Sie kommen – oder kämen – nämlich bestens ohne einen Gedanken an uns aus.

Der Flucht der hilflosen Gattung

Wohingegen für den Menschen gleiches nun gerade nicht gilt. Unser allzu menschliches Sprechen-Müssen über alles und jeden erscheint vor diesem Hintergrund gar als direkte Folge der grössten aller denkbaren evolutionären Kränkungen: als bleibender Fluch einer besonders hilflosen und instinktarmen Gattung, die zu ihrem Überleben auf fast alle anderen Arten zugreifen können muss. Der Alles-Sprecher als Alle-Fresser.

«Lasst uns in Ruhe!»

«Ihr benötigt uns, aber wir euch nicht. Sprecht mal darüber! Miteinander! Unter euch! Und lasst uns darüber hinaus nach Möglichkeit in Ruhe.» Das wäre es also, was Tiere, fast alle Tiere, uns vor allem zu sagen hätten – so sie denn sprechen könnten.

Vermutlich, lieber Leser, wollten Sie das auch gerade sagen. Schliesslich liegt es so offenbar auf der Hand wie wohl niemals zuvor in unserer Geschichte. Muh!

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