Pussy Riot: Der Kampf geht weiter

Mit der Entlassung von Nadeschda Tolokonnikowa aus einem sibirischen Gefängnis ist die gesamte Punk-Band Pussy Riot wieder auf freiem Fuss. Viele vermuten eine PR-Aktion von Präsident Wladimir Putin. Doch Pussy Riot wollen ihren Status als Ikonen des Widerstands nutzen.

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Pussy-Riot-Aktivistinnen frei

1:25 min, aus Tagesschau am Mittag vom 23.12.2013

Letzte Woche wurde Regimekritiker Michail Chodorkowski aus dem Gefängnis entlassen. Am Montagmorgen Pussy Riot-Mitglied Maria Aljochina. Und nun Nadeschda Tolokonnikowa, ebenfalls Mitglied der Putin-kritischen Musikgruppe. Doch nicht alle freuen sich über die unerwarteten Begnadigungen Putins.

Bloss ein PR-Spielchen von Putin?

Jekaterina Samuzewitsch, Maria Aljochina und Nadeschda Tolokonnikowa von der Band Pussy Riot.

Bildlegende: Wieder auf freiem Fuss: Jekaterina Samuzewitsch, Maria Aljochina und Nadeschda Tolokonnikowa. Reuters

«Im Grunde ist man froh, dass die Menschen aus dem Gefängnis entlassen wurden. Aber die Reaktionen sind eher skeptisch und niemand lässt sich täuschen, dass es wieder mal ein Spielchen von Präsident Wladimir Putin ist», erklärt die in der Schweiz lebende russische Autorin Marina Rumjanzewa.

Denn: Die Frauen von Pussy Riot wären in ein paar Monaten sowieso entlassen worden. Mit einer Begnadigung wolle sich der Präsident einfach in ein besseres Licht rücken, vermutet Rumjanzewa. Das erstaunt nicht. Bald beginnt in Sotschi die Winterolympiade und Russland musste in letzter Zeit viel Kritik wegen politischer Gefangenen und der Unterdrückung von Homosexuellen einstecken – vor allem aus dem Westen.

Auch innerhalb des Landes gingen während der Inhaftierung von Pussy Riot die Proteste gegen die Regierung weiter. Viele Künstler haben verschiedenste Aktionen durchgeführt. Die waren allerdings nur selten so auffallend wie die Aktionen der bis vor kurzem inhaftierten Frauen von Pussy Riot.

Brutale Aktion: Der Künstler Piotr Pawlenski aus St. Petersburg nähte sich mit einem Faden die Lippen zusammen.

Bildlegende: Brutale Aktion: Der Künstler Piotr Pawlenski aus St. Petersburg nähte sich mit einem Faden die Lippen zusammen. Reuters

Gegen politische Gleichgültigkeit

Eine Ausnahme war der Künstler Piotr Pawlenski aus St. Petersburg. Er hat sich den Mund zusammengenäht – mit Nadel und Faden – und stellte sich auf einen bekannten Platz in St. Petersburg.

Vor einem Monat hat er sich auf den roten Platz gesetzt und die Haut seines Hodensacks auf den Boden genagelt. Beide Aktionen haben in Russland medial viel Aufsehen erregt. Pawlenski selbst bezeichnete sich und seine Aktionen als Metapher für Apathie, für politische Gleichgültigkeit und Fatalismus.

Die Brutalität von Pawlenskis brutalen Aktionen kann man durchaus hinterfragen – notwendig sind sie offenbar: «Man muss auf jeden Fall drastisch sein, um die politische Gleichgültigkeit zu durchbrechen. Wenn man nicht laut ist, wird man totgeschwiegen», erklärt die Autorin Marina Rumjanzewa.

Der Kampf geht weiter

Auch Nadeschda Tolokonnikowa von Pussy Riot hat als erstes eine Kampfansage gemacht, als sie das Gefängnis in Sibirien verlassen konnte. Sie forderte ein Russland ohne Putin. Ob die russische Opposition mitzieht, lässt sich kaum abschätzen. «Das ist schwer zu sagen. Die Protestbewegung in Russland ist ziemlich geschrumpft. Das hat verschiedene Gründe: Einerseits wurden viele eingeschüchtert von den vielen Inhaftierungen. Andererseits hat die Protestbewegung kein klares Programm und keine klaren Ziele», erklärt Marina Rumjanzewa.

Zusammen mit Band-Mitglied Maria Aljochina hat Nadeschda Tolokonnikowa jedenfalls bereits ein neues Projekt angekündigt – für den Kampf der Menschenrechte, für die Rechte der Gefangenen. Pussy Riot sind während ihrer Haft zu Ikonen des Widerstands geworden. Einen Status, den sie auf keinen Fall aufgeben wollen.