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Gesellschaft & Religion «Riskanterer Lebensstil» – Wer früher stirbt, ist eher Mann

Verkehrsunfälle, Lungenkrebs oder Suizid: Bis zum Alter von 65 Jahren sterben Männer rund dreimal häufiger als Frauen. Eine neue Studie der Uni Basel zeigt: Für geschlechtsspezifische Gesundheitsrisiken sind vor allem berufliche Zwänge und überholte Klischees von Männlichkeit verantwortlich.

Füsse auf einem Seil, das an einem Berg befestigt in der Luft gespannt ist.
Legende: Männer neigen zu Extremsportarten und pflegen einen riskanteren Lebensstil – und sterben deshalb eher früher als Frauen. Getty Images

SRF Kultur: Frauen leben weltweit fünf bis sieben Jahre länger als Männer. Warum ist das so? Sind sie gesünder als Männer?

Frank Luck: Man vermutet, dass sich das eine Jahr mit biologischen Unterschieden erklären lässt. Die restlichen Jahre werden auf verhaltensbedingte Ursachen zurückgeführt. Dass Männer einen riskanteren Lebensstil führen, der wiederum Auswirkungen auf ihre Gesundheit hat. Es gibt so ein Paradoxon: Frauen gehen häufiger zum Arzt, geben in Befragungen an, dass es ihnen schlechter geht, als Männer das tun. Aber sie leben länger.

Bedeutet das, dass Männer weniger auf ihre Gesundheit achten als Frauen?

Das lässt sich so nicht sagen, wenn ich jetzt von unserer Forschung an der Uni Basel ausgehe. Aus den Interviews mit Männern zwischen 30 und 60 Jahren aus der Nordwestschweiz hat sich ergeben, dass Männer über Gesundheit sehr gut informiert sind und sich auch um eine gesündere Lebensweise bemühen. Aber es gibt bestimmte Stolpersteine, die es verhindern, das immer konkret umzusetzen.

Welche sind das zum Beispiel?

Männer gehen in der Schweiz, wenn wir zum Beispiel das Thema psychische Krankheiten sehen, erst relativ spät zum Arzt. Und dann meist in einer Situation, wo sie schon hospitalisiert werden müssen. Dann arbeiten Männer häufig in gesundheitsgefährdenderen Berufen – das lässt sich aber nicht generell so sagen.

Ein weiterer Stolperstein ist, dass Männer eher zu Extremsportarten neigen, und sie haben eher einen risikoreichen Umgang in punkto Sex. Wobei – und das ist ein ganz wichtiger Punkt – in letzter Zeit in der Forschung die Frage gestellt wird, ob sich Männer nicht deswegen so verhalten, weil sie über das Risikoverhalten Männlichkeit herstellen.

Verändert sich da etwas? Also gehen die jüngeren Männer anders mit dem Thema um als die älteren?

Das ist eine spannende Frage. Wir sehen gerade bei den Männern zwischen 30 und 50, dass eher Mittel zum Zweck ist, sich um die Gesundheit zu kümmern. Man macht es vor allem, um Leistungsanforderungen im Beruf erfüllen zu können. Männer zwischen 50 und 60 in unserer Untersuchungsgruppe zeigten eher einen entspannteren Umgang mit diesem Thema Leistung und treiben eher Sport, weil sie Lust dazu haben.

Wann setzen sich Männer mit ihrer Gesundheit auseinander?

Vor allem dann, wenn Krisen auftreten.

Warum ist Ihnen das Thema wichtig? Geht es vor allem um eine bessere Gesundheitsvorsorge für Männer – oder auch darum, die alten Rollenbilder aufzulösen?

Um den Umgang von Männern mit dem Thema Gesundheit besser verstehen zu können, ist es hilfreich zu schauen, wie sie mit Männlichkeit umgehen. Und dort sehen wir in den Interviews, dass eine Selbstsorge nicht zum – sagen wir mal – Ausbildungsprofil gehört. Erst durch Krisen entsteht eine gewisse Sensibilität für das Thema.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur kompakt, 4.11.2015, 07:20 Uhr

Frank Luck

Der 51-Jährige promoviert im Bereich Gender Studies an der Universität Basel und hat beim Forschungsprojekt «Wie gehen Männer im Alltag mit Gesundheit um?» mitgearbeitet. Für die Studie wurden 40 Männer zwischen 30 und 60 aus der Nordwestschweiz befragt.

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