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Schweizer Boden Keine Parkplätze auf fruchtbarem Ackerland

Der Schweizer Boden hat nicht nur einen Wert als Quadratmeter. Er ist auch Wasserfilter, Hochwasserschutz, Klimaregulierer und Lebensraum für Pflanzen, Menschen und Tiere.

Ackerlandschaft aus der Vogelperspektive
Legende: Als heimatliche Scholle oft besungen: der «Schweizer Boden». Imago/imagebroker

Im Juni 2014 verlangte CVP-Politiker Stefan Müller-Aldermatt in einer Motion ein eidgenössisches Bodenzentrum. Dort sollten gesamtschweizerische Daten zur Qualität der verschiedenen Böden einheitlich erfasst und wissenschaftlich standardisiert erhoben werden.

Denn erstaunlicherweise existieren keine solchen einheitlichen Daten: 1996 hat die Schweiz – aus was für Gründen auch immer – eine eidgenössische Kartierung aufgegeben.

Seither schauen die Kantone nach ihren Böden und deren Qualität mit unterschiedlichem Blick, unterschiedlichen Interessen und, wenn es dann um kantonale Vergleiche gehen würde, mit unterschiedlichen Parametern. Lücken, veraltete Messmethoden und uneinheitliche Kriterien sind die Folge.

Das macht wenig Sinn. Gerade, wenn es darum geht, haushälterisch mit dem wertvollen, aber knappen Schweizer Boden umzugehen, so wie es das Volk in der Abstimmung zur Revision des Raumplanungsgesetzes vom März 2013 mit 62,9 Prozent Ja-Stimmen deutlich verlangt hat:

Warum zum Beispiel sollte man ausgerechnet auf fruchtbarstem Ackerboden ein Gewächshaus bauen? Oder Parkplätze? Oder ein Einkaufszentrum? Doch: Wo genau sind welche Böden? In welchem Zustand?

Fruchtbares Mittelland

Solche Fragen stellt man sich vor allem im Mittelland. Dort befinden sich die fruchtbarsten Böden der ganzen Welt. Dort ist auch der Siedlungsdruck am grössten: Siedlungen wachsen dort, wo intensive Landwirtschaft möglich ist – und wo Siedlungen wachsen, breitet sich auch das Gewerbe aus.

Wenn man also nicht fruchtbarstes Ackerland verbauen will, könnte man einerseits verdichtet bauen – flache Gewerbebauten aufstocken oder: Parkplätze und Fabrikhallen dort bauen, wo der Untergrund vielleicht steinig und weniger fruchtbar ist – so, wie es der Wirtschaftsverband Economie Suisse zurzeit gerade vorschlägt.

Auch steiniger Boden kann wertvoll sein

Doch sowohl Verdichten als auch Tausch setzen voraus, dass man weiss, welche Böden in welchem Zustand sich wo befinden und welche welchen Wert im komplexen Ökosystem haben. Denn auch ein steiniger Boden kann wertvoll sein – wenn es darum geht, Lawinen zu verhindern, Überflutungen zu verarbeiten, CO2 abzubauen, Biodiversität zu erhalten und so weiter.

Beim Bundesamt für Umwelt stiess Stefan Müller-Altermatt auf offene Ohren: Dort sind sich die Bodenfachleute einig, dass es ein solches Bodenzentrum braucht und haben schon gewisse Vorarbeiten geleistet.

Auch die zuständige Bunderätin Doris Leuthard registrierte, dass in der Schweiz dem Boden eindeutig mehr Aufmerksamkeit zu schenken sei. Nur: Ein Bodenzentrum brauche es dafür nicht. Es reiche, wenn man die Kräfte bündeln würde.

Nichts passiert

Seit Juni 2014 bis zu Beginn dieses Jahres ist also nichts passiert in Sachen Bodenzentrum, obwohl das Parlament der Motion zugestimmt hat und der Auftrag an den Bundesrat damit eigentlich erteilt ist.

Also stiess Adèle Thorens von den Waadtländer Grünen – sie ist wie Stefan Müller-Aldermatt auch Mitglied in der eidgenössischen Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie des Nationalrates – mit einer Interpellation nach.

Sie erlangte zu wissen, wie es nun stehe mit dem Bodenzentrum und wie der Bundesrat gedenke, die Bodenqualität beim haushälterischen Umgang zu berücksichtigen. Immerhin hat inzwischen das Volk mit 80 Prozent Ja-Stimmen die Initiative zur Ernährungssicherheit angenommen, wohlwissend, dass ohne genügend fruchtbare Böden ein solches Ziel nicht zu erreichen ist.

Ausweichende Antwort des Bundesrates

Wieder ist die Antwort des Bundesrates ausweichend: Man sei daran, im Rahmen des «Aktionsplans Biodiversität» auch einen Bodenstrategieplan zu entwickeln. «Im Rahmen dieser Strategie wird geprüft, wie die überwiesene Motion (12.4230) umgesetzt werden soll. Der Bundesrat berücksichtigt dabei auch die Ergebnisse des Nationalen Forschungsprogramms ‹Nachhaltige Nutzung der Ressource Boden› (NFP 68). Wie ein nationales Kompetenzzentrum finanziert werden kann, ist zurzeit noch offen.»

Während also seit vier Jahren unter anderem gerätselt wird, wo die zwei bis drei Millionen Franken hervorgezaubert werden könnten, die es jährlich braucht für ein nationales Bodenzentrum, nimmt die Zersiedelung der Schweiz stetig zu: 0,7 Quadratmeter werden immer noch pro Sekunde unwiederbringlich verbaut. Das sind pro Tag fünf Fussballfelder.

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