Zum Inhalt springen

Header

Audio
Sprachalltag im Gym: Änglisch kills Schwiizerdütsch?
Aus Kultur-Aktualität vom 04.09.2020.
abspielen. Laufzeit 03:38 Minuten.
Inhalt

Schweizerdeutsch im Wandel Knocken Anglizismen die Mundart aus?

«Seili gumpe» heisst jetzt «Rope Skipping». Aus «Klimmzügen» sind «Pull-Ups» geworden. Nicht nur im Gym klingt das Schweizerdeutsch immer englischer. Wo führt das noch hin?

Keine Frage: Der starke Einfluss des Englischen auf die deutsche Sprache und unsere Mundarten lässt sich nicht wegreden. Vor allem in gewissen Bereichen scheinen fast alle Begriffe aus dem Englischen zu stammen.

Schaut man allerdings genauer hin, ist es mit der Verdrängung des Deutschen durch das Englische gar nicht so dramatisch.

Fachbereiche im Fokus

Englische Wörter kommen in bestimmten Fachbereichen gehäuft vor. In der Fitness-Szene zum Beispiel. Aber auch im Banken- und Versicherungssektor und im Computer-, Internet- und Digitalbereich sind überdurchschnittlich viele Anglizismen in Gebrauch.

Die allermeisten Fachbegriffe bleiben aber in ihren Spezialbereichen. Nur ganz wenige gehen in die Alltagssprache ein. Oder wer nennt den «Abwart» heute tatsächlich «Facility Manager»?

Vor allem Jugendliche sind «hooked»

«Nach em nice Workout im Gym no chli chille» oder «nach em näisse Wörkaut im Dschimm no chli tschille»: Vor allem bei Jugendlichen bemerkt man im Alltag eine erhöhte Affinität zum Englischen.

Der jugendliche Wortschatz verändert sich aber in hohem Tempo: Was vorgestern «tschent» und gestern «cool» war, ist heute «lit» und morgen wieder etwas Neues. Das heisst auch: Viele dieser neuen Anglizismen verschwinden relativ schnell wieder.

Gestern «mega», morgen «easy»

Ausserdem entstehen jugendliche Neubildungen häufig an denselben sprachlichen Positionen – etwa bei positiven oder negativen Bewertungen oder bei Verstärkungen wie «mega gross», «huere gross» oder «voll gross». Jetzt gerade in ist: «easy gross». Die neuen Wörter ersetzen sich also sozusagen immer wieder selbst.

Weil solche an Emotionalität gekoppelten Wörter in der Alltagssprache oft und repetitiv gebraucht werden, entsteht natürlich auch der Eindruck, dass sie überhandnehmen.

Wortschatzuntersuchungen zeigen aber, dass Anglizismen auch heute nur rund 3.5 Prozent des deutschen Wortschatzes ausmachen – also wenig.

Vieles hat sich unbemerkt eingeschlichen

Von diesen wiederum sind viele ins Deutsche integriert: «Sandwich», «Bus», «Goolie», «schutte»: Wer erkennt darin spontan noch Anglizismen?

Oder wie es der Berner Schriftsteller Pedro Lenz in einer Kolumne sagt: «Easy ist Berndeutsch und heisst auf Englisch etwa dasselbe wie cool.» Cool ist also bereits Berndeutsch.

Und wenn wir von «compjüterle» reden, dann haben wir das ursprünglich englische Wort «Computer» schon sehr stark eingeschweizert, indem wir es den mundartlichen Verb-Bildungsregeln unterworfen haben.

Halb so wild

Fazit: Der Einfluss des Englischen auf das Schweizerdeutsche ist gross, insbesondere in Fachsprachen und in der Sprache der Jugendlichen.

Aber in der allgemeinen Alltagssprache sind Anglizismen weniger häufig, als sie zu sein scheinen. Die dauerhafteren werden bis jetzt formal und lautlich an die Mundart angepasst.

Sendung: SRF2 Kultur, Kultur Aktualität, 04.09.2020, 17:20 Uhr;

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

14 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Mattias Derungs  (Mattias Cristian Derungs)
    Ich finde es schon eine bodenlose Frechheit, dass immer mehr bekannte Berufsbezeichnungen durch diese bescheuerten Anglizismen ersetzt werden und für immer aus dem Deutschen (Schweizerdeutschen) Sprachgebrauch verschwinden! Darum weigere ich mich explizit solche Wörter überhaupt je in den Mund zu nehmen!!!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Samuel Nogler  (semi-arid)
    Früher wurde in England Deutsch gesprochen, bis sich diese Sprache mit dem Normandischen vermischte. Es entstand mit der Zeit Englisch. Nun scheint diese Sprache sich nochmals mit dem Deutschen zu vermischen und es ensteht "Deunglish", übrigens nicht zu verwechseln mit den Plapperversuchen gewisser Schweizer, Englisch zu sprechen, das nennt sich "Swinglish". Es ist allemal gut in UK 'real English' zu lernen.

    So lange mir die Englischen Begriffe nicht Spanisch vorkommen, ist es kein Problem.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Adriano Granello  (adgr)
    In der Schweiz müssen die in allen Landesteilen tätigen Firmen und Sportverbände stets darauf achten, keine der sprachlichen Gruppen vor den Kopf zu stossen. Da Deutsch in der französischsprachigen Westschweiz wegen der empfundenen Dominanz der Deutschschweizer verpönt ist und man östlich von Bern Französich nicht mag und kann, verwenden die Marketingmenschen mit Vorliebe englische Bezeichnungen. Swiss Super League und Challenge League für Nationalliga A und B sind hässliche Beispiele dafür...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen