Shaqiri ist ein lieber Kerl – das kann böse ins Auge gehen

Xherdan Shaqiri ist in den Schlagzeilen. Nicht weil er bei Inter Mailand Haken schlägt, nicht weil er seinen Gegner stehen und alt aussehen lässt, nein. Der wieselflinke Xherdan ist voll in einen PR-Hammer gelaufen. Böses mediales Foul. PR-Berater Klaus J. Stöhlker sagt, was da passiert ist.

Porträt von Xherdan Shaqiri im roten Trainer.

Bildlegende: Blauäugigkeit kann gefährlich werden: Xherdan Shaqiri. Keystone

Xherdan Shaqiri ist in sein Heimatland gereist, in den Kosovo. Das machen manche Menschen in ihren Ferien, mal nach Hause fahren. Da steht er dann also in seinem Heimatland so vor sich hin und da kommt der Imam der grössten Moschee in Pristina – Shefqet Krasniqi – und will ihm die Hand geben.

«Der Imam kam zu mir und hat um ein Foto gebeten», schreibt Shaqiri auf seiner Facebook-Seite. So wie tausende andere Leute auch. Schlussendlich sind es drei Aufnahmen, ein Lächeln für die Kamera, ein kleines Posing. Das war’s. Denkste.

Die Steilvorlage

Der Imam postet die Fotos mit dem prominenten Fussballer am 28. Juni. Albanische Medien berichten. Das Ganze beginnt Kreise in den sozialen Medien zu ziehen. Shefqet Krasniqi gilt manchen als Hassprediger. Weshalb sich Shaqiri veranlasst sieht, auf seiner Facebook-Seite eine Klarstellung zu veröffentlichen.

Da schreibt er unter anderem, dass seine Familie nichts, aber auch gar nichts, mit Radikalismus zu tun habe. Und er könne nicht jeden nach seinen Vorstrafen fragen, der ihm die Hand schütteln wolle. Der Schuss geht gründlich nach hinten los, innerhalb kürzester Zeit hat Shaqiri mehr als 1000 Kommentare erhalten, Tendenz stetig steigend. Sie reichen von Verständnis bis zu völliger Entgeisterung, einige hasserfüllte Äusserungen sind auch darunter.

«Ball flach halten», rät der PR-Berater

Fragt man jetzt einen PR-Berater wie Klaus J. Stöhlker, was denn da schief gelaufen ist, dann hält der den Ball erst mal ziemlich flach. Denn der Imam, um den es geht, wurde mit Verdacht auf terroristische Aktivität vergangenes Jahr verhaftet, aber umgehend wieder freigelassen.

Stöhlker plädiert für die Gültigkeit der Unschuldsvermutung: «Wenn jemand sich gegen unsere Gesetze vergeht, egal ob es nun ein Moslem ist, ein Jude oder Christ, dann sollte er entsprechend vor die Gerichte kommen. Wenn jemand aber nicht verurteilt ist, und ich beschütze jetzt diesen Imam im Kosovo überhaupt nicht, dann soll man ihn auch nicht in den Medien schuldig sprechen.»


Interview mit Klaus J. Stöhlker

3:09 min, aus Kultur kompakt vom 30.06.2015

Stöhlker findet, dass sich in der Debatte um das Händeschütteln auch das aufgeheizte Klima in unserem Umgang mit dem Islam wiederspiegle: «Wir sollten uns vor Übertreibungen hüten. Wir müssen in der Auseinandersetzung zwischen Europa und den radikalen Moslems wieder das Normalmass finden. Was Shaqiri hier gemacht hat, einem Imam die Hand zu schütteln, ist eigentlich etwas ganz Normales. Im Kosovo ist ein Imam etwas so Normales wie im Oberwallis ein katholischer Priester.»

Blauäugigkeit in aufgeheizten Zeiten

Im Grunde ist die Klarstellung Shaqiris kein Aufreger. Was da drin steht, zeugt von einer gewissen Blauäugigkeit. Krasniqis Bitte abzuschlagen, «wäre unhöflich gewesen», schreibt er. Das ist so richtig wie umwerfend naiv.

Was Shaqiri übersieht, ist der gesellschaftliche Kontext, die laufende Diskussion, das politische Klima, in dem das geschieht und von Shefqet Krasniqi als Zeichen publiziert wird. Stöhlkers Rat ist dementsprechend klar und unmissverständlich: «Shaqiri, seien Sie jetzt ganz still, spielen Sie schön Fussball und delegieren sie die Argumentation an jemanden, der das kann.»