Sibel Arslan – Politikerin und Alevitin mit Ambitionen

Sibel Arslan war 24 Jahre alt, als sie für den Grossen Rat in Basel kandidierte. Dass sie Kurdin und Alevitin ist, weiss sie erst, seit sie in der Schweiz lebt: In der Türkei wurden Aleviten unterdrückt. Ihre Religion hat sie geprägt, Politik macht sie aber für alle – mit Fokus auf Migrationsthemen.

Porträt

Bildlegende: Ihre Religion habe sie geprägt, nicht aber eingeengt: Das Alevitentum sei sehr tolerant, sagt Sibel Arslan. zvg

«Ich heisse Sibel Arslan und möchte für den Grossen Rat kandidieren.» Diesen Satz hat die damals 24-jährige Jurastudentin gesagt, als sie vor neun Jahren das erste Mal das Parteibüro der BastA, «Basels starke Alternative, betrat. Wenn die Grossrätin heute diese Geschichte erzählt, leuchten ihre Augen schelmisch. Und sie lacht ihr herzhaftes Lachen, fast so, als staune sie selbst über ihre damalige Tat.

Der Sekretär der BastA sei zuerst etwas erstaunt gewesen, beschreibt Sibel Arslan die Situation. Doch er habe sich schnell erholt, das selbstbewusste Auftreten der jungen Frau gefiel ihm. Ein zusätzlicher Bonus war: Die Anwärterin auf einen Grossratssitz hatte einen Migrationshintergrund. Ein paar Wochen später wurde Sibel Arslan auf Anhieb in das baselstädtische Parlament gewählt.

Erst Türkin – «und plötzlich war ich Kurdin»

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Sibel Arslan – ein Porträt

5:34 min, aus Schweiz aktuell vom 24.9.2007

Sibel Arslan migrierte als 11-Jährige zusammen mit ihrer Mutter aus der zentralanatolischen Türkei in die Schweiz. Ihr Vater arbeitete zu diesem Zeitpunkt bereits sechs Jahre hier. Zwei Jahre später erfuhr sie von ihm, dass sie keine Türkin ist, sondern eine Kurdin. Und Alevitin.

Das war ein Schock für Sibel Arslan. «Ich fühlte mich zuvor als starke Türkin, plötzlich war ich eine Kurdin», beschreibt sie ihren abrupten Identitätsverlust. Doch endlich verstand sie, weshalb sie eine andere Sprache sprach als die anderen. Neu war sie nun auch Alevitin. Sie gehört damit einer Religionsgemeinschaft an, die in der Türkei unterdrückt wurde. Man sprach nicht offen darüber, die Kinder wussten kaum etwas über ihre Kultur. «Doch», fährt die junge Frau fort, «die Aleviten leben ihre Religion einfach, sie bauen sie ganz selbstverständlich in ihren Alltag ein.» Ihre Grossmutter hätte jeden Morgen gebetet und sich bei der Sonne bedankt, am Abend hätte sie den Mond begrüsst: Die Natur sei sehr zentral im Alevitentum.

Offenheit und Toleranz

Ihre Religion habe sie geprägt, ist die Basler Politikerin überzeugt. Nicht aber eingeengt. Das Alevitentum ist sehr tolerant. Frauen und Männer sind gleichgestellt, es bestehen keine Kleidervorschriften. Sie versammeln sich in Gemeindehäusern und pflegen ein ausgesprochen gemeinschaftliches Verhältnis untereinander. Zwar wurde das Alevitentum vom Islam beeinflusst, später aber von humanistischem und tolerantem Gedankengut geprägt. Aleviten glauben an einen Gott, Mystik und Spiritualität sind zentral.

Politik für alle

Auch wenn sie gerne Alevitin sei, bedeute ihr die Religion nicht allzu viel, betont die Basler Grossrätin. Sie mache Politik für alle, ihr Steckenpferd sei alles rund um Migration. So ist es nicht erstaunlich, dass zu ihrer Wählerschaft viele Migranten mit Schweizer Pass zählen. Nach neun Jahren Kantonalpolitik zieht es die Juristin nun in die nationale Politik. «Ja, ich bin ehrgeizig», unterstreicht sie ihre Ambitionen. In den nächsten Nationalratswahlen hofft sie, den verlorenen Sitz des grünen Bündnisses zurückerobern zu können.

«Erfolgreich fromm»

Geistliche Spitzenkräfte wie ein Kloster-Manager, eine Zen-Meisterin, eine Alevitin, eine Pfarrökonomin und ein Bischof mit besonders viel Humor erzählen, was sie so erfolgreich fromm macht.

Blickpunkt Religion
Radio SRF 2 Kultur,
sonntags kurz nach 8 Uhr.

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