Zum Inhalt springen

Gesellschaft & Religion «Sissi»-Kaiser und Äthiopien-Helfer: Erinnerung an Karlheinz Böhm

Berühmt wurde Karlheinz Böhm als Kaiser Franz Joseph in «Sissi». Dann nutzte er seinen Namen, um den Ärmsten zu Helfen: als Gründer der Hilfsorganisation «Menschen für Menschen». Böhm ist im Alter von 86 Jahren gestorben. Afrika-Korrespondent Ruedi Kuhn blickt zurück auf eine gemeinsame Reise.

Karlheinz Böhm hält Kind im Arm.
Legende: Karlheinz Böhm in Äthiopien, März 1993. Keystone

Ruedi Küng, Sie kannten Karlheinz Böhm persönlich, waren mit ihm zusammen in Afrika.

Ruedi Küng: Ja. Ich war zehn Tage mit Karlheinz Böhm in Äthiopien, anlässlich des 25-Jahr-Jubiläums der Stiftung «Menschen für Menschen». Es war ein sehr intensives Erlebnis: Wir waren gemeinsam unterwegs und ich habe einen sehr breiten und tiefen Einblick in seine Projekte, sein Schaffen, aber auch in seine Persönlichkeit erhalten.

Wie haben Sie Karlheinz Böhm erlebt?

Legende: Video Karheinz Böhm im Sonntagsinterview (24. März 1991) abspielen. Laufzeit 30:00 Minuten.
Aus Kultur vom 30.05.2014.

Karlheinz Böhm war eine Persönlichkeit mit mehreren Seiten. Einerseits hatte er etwas sehr Glaubwürdiges an sich, was sein Engagement betrifft. Zum Beispiel, wenn er erzählte, was ihn dazu gebracht hatte, sein Leben der Hilfe für andere Menschen zu widmen. Er war als Tourist in Kenia, Mombasa, und kam im Hotel ins Gespräch mit einem Kellner. Dieser lud ihn zu sich nach Hause ein. Als Böhm sah, wie arm diese Leute waren, wurde ihm klar, dass er handeln musste. Wenn er diese Geschichte erzählte, war klar zu spüren, wie betroffen er darüber war, dass es anderen Menschen so viel schlechter ging als ihm.

Und andererseits?

Andererseits war er aber auch ein grosser Star. Und wie jeder Star hatte er auch Star-Allüren. Er stand gerne im Zentrum und erwartete, dass man ihn in den Mittelpunkt stellte. Er genoss sichtlich, dass die Bevölkerung in Äthiopien – egal, wo wir hinkamen – ihn feierte wie einen Kaiser. Er bekam ja auch den äthiopischen Pass, als Dank für die Unterstützung. Er ist wohl der einzige Ausländer, der je die äthiopische Staatsbürgerschaft erhalten hat. Böhm trug diesen Pass immer in seiner Hemdtasche und war jederzeit bereit, ihn herauszunehmen um zu zeigen: «Ich bin Äthiopier geworden. Durch das, was ich gemacht habe».

Hat Karlheinz Böhm bei seinen Projekten auch selbst Hand angelegt?

Ich glaube gar nicht, dass dies seine Absicht war. Er hatte vor allem realisiert, dass Berühmtheit eine grosse Geldmaschine ist: Dass er mit seinem Namen an Spendengelder kommen kann. Und er hat dann den Sachverstand und die Umsicht gehabt, die richtigen Themen und Fachkräfte zu finden. Er hat massiv mitbestimmt, welche Entwicklungsprojekte initiiert wurden. Er war ein richtiger Kontrollfreak.

Dann ist es ihm sicherlich nicht leicht gefallen, 2006 die Zügel aus der Hand zu geben.

Nein, die Übergabe an seine Frau Almaz ist ihm nicht leicht gefallen. Aber wahrscheinlich leichter, als wenn er die Stiftung an jemand Fremden hätte übergeben müssen. Wer so ein immenses Werk aufgebaut hat wie «Menschen für Menschen» – wohl etwas vom Umfangreichsten, was ein einzelner Mensch auf diesem Gebiet in Afrika initiiert hat –, ist natürlich auch darauf bedacht, dass dies in seinem Sinn weitergeführt wird.

Wie wird es nun weitergehen mit der Stiftung nach seinem Tod? Wie Sie gesagt haben, waren er und seine Namen die grosse Geldmaschine dahinter.

Die Stiftung war klar stark durch ihn geprägt und geführt. Nun muss sich zeigen, ob seine Frau Almaz – eine tolle Persönlichkeit übrigens – genügend Kraft hat, um sein Werk erfolgreich weiterzuführen. Fürs erste wird sein Tod sicher grosse Wellen schlagen in Äthiopien. Und dann wird es stark davon abhängen, wie viel Durchsetzungsvermögen seine Frau gegenüber den äthiopischen Behörden hat. Doch ich bin da ziemlich zuversichtlich.

Lebensstationen von Karlheinz Böhm

Filmhinweise

Aufgrund des Todes von Karlheinz Böhm zeigt SRF 1 folgende Filme:

«Augen der Angst» (Peeping Tom), Freitag, 30. Mai 2014 um 00:05 Uhr.

«Sissi», Samstag, 31. Mai 2014 um 15:05 Uhr.

«Die junge Kaiserin», Dienstag, 3. Juni 2014 um 14:05 Uhr.

«Schicksalsjahre einer Kaiserin», Donnerstag, 5. Juni 2014 um 14:05.

Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Teilen Sie Ihre Meinung... anwählen um einen Kommentar zu schreiben

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

Bitte beachten Sie unsere Netiquette verfügbar sind noch 500 Zeichen

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

Es wurden noch keine Kommentare erfasst. Schreiben Sie den ersten Kommentar.