Snowden im Park: Denkmal für wenige Stunden mit grossem Nachhall

In einer nächtlichen Aktion haben anonyme Künstler in einem New Yorker Park eine Büste des NSA-Whistleblowers Edward Snowden aufgestellt – wohl wissend, dass ihr Werk in den Medien länger lebt als in Wirklichkeit. Die Büste ist inzwischen weg, doch Gleichgesinnte haben bereits nachgezogen.

Büste vor Ästen und Himmel.

Bildlegende: Die Büste von Edward Snowden soll für alle stehen, die gegen den Überwachungsstaat kämpfen. Keystone

Ein Jahr hat die Vorbereitung der Aktion gedauert, 30'000 Dollar hat sie gekostet. Überlebt hat die Büste von Edward Snowden im Fort Greene Park in Brooklyn gerade mal ein paar Stunden. Dann verhüllte die New Yorker Polizei die politisch motivierte Kreation und schleppte sie ab.

Ein Märtyrer kein Krimineller

Zum Aufstellen des Snowden-Konterfeis hat sich ein anonymes Künstler-Kollektiv bekannt, das damit die Frage aufwerfen will: Wer sind die Helden von heute? Das liessen die Nacht- und Nebel-Aktivisten mehrfach verlauten. Platziert haben sie ihr Werk auf einer Säule, die an die getöteten Gefangenen der amerikanischen Revolution erinnert: «Das Monument ist ein Denkmal für amerikanische Kriegsgefangene, die während des Unabhängigkeitskriegs ihr Leben liessen. Wir haben dem Mahnmal ein Update verpasst und würdigen jene, die, wie Edward Snowden, für ihre Ideale gekämpft haben. Diese werden zu oft als Kriminelle festgehalten, statt in Bronze.»

In den Augen der Künstler handelt es sich beim Enthüller des NSA-Abhörskandals um einen Märtyrer, der genauso für die amerikanischen Ideale kämpft, wie die Soldaten von einst.

Monument blieb zunächst unbemerkt

Edward Snowden ist in den Vereinigten Staaten eine umstrittene Figur. Viele Journalisten und Bürgerrechtler sehen ihn ihm einen mutigen David, der den Goliath US-Regierung beim Machtmissbrauch ertappt hat und nun dafür bestraft wird. Konservative Politiker verteufeln den selbsternannten Wanzenkiller als Landesverräter. Den Snowden-Bildhauern ging es allerdings keineswegs nur um Edward Snowden, der seit fast zwei Jahren im unfreiwilligen Moskauer Exil festsitzt. Ihr Ziel ist es, auf all jene hinzuweisen, die ihre eigene Sicherheit dem Widerstand gegen moderne Tyranneien opferten.

Das Snowden-Denkmal wurde zunächst jedoch gar nicht bemerkt. Dutzende von Leuten spazierten am frühen Montagmorgen mit ihren Hunden daran vorbei, ohne davon Notiz zu nehmen. Die Kameras fingen erst an zu laufen, als die Behörden mit viel Tamtam und Lastwagen anrückten.

Ein Hologramm gegen Zensur

Ihnen sei von Anfang an klar gewesen, dass ihr Werk in den Medien länger existieren würde als in der Wirklichkeit, sagten die Künstler in einem Radiointerview. Es sei ihnen um die Anregung einer Diskussion gegangen, nicht um die Erregung öffentlichen Ärgernisses. Dabei blüht ihnen genau deshalb nun eine Busse. Hinzu kommt eine Anklage wegen Sachbeschädigung – trotz der Beteuerung der Verantwortlichen, sie hätten beim Installieren wasserlöslichen Klebstoff verwendet, um ja nichts kaputt zu machen.

Nachdem die Polizei die Büste entfernt hatte, hat eine weitere Künstlergruppe, die sich «The Illuminator Art Collective» nennt, das Denkmal durch ein Hologramm ersetzt: Edward Snowdens Porträt projiziert auf eine Rauchwolke. Ihre Aktion sei ein Zeichen gegen die Zensur der New Yorker Polizei. Man könne Kunstwerke entfernen, der Akt des Widerstands bleibe jedoch im Bewustsein der Bevölkerung.

Bürokratie und Gesetzesparagraphen sind die immergrünen Feigenblätter der Zensur – auch in den USA, wo selbst die rücksichtsvollsten Guerillas nicht rücksichtsvoll genug sein können.

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