Dr. House wäre seinen Job bald los

Zuverlässig findet Serien-Arzt Dr. House die Diagnose, in jeder Folge. Bis es aber so weit ist, vergehen fast 40 Fernsehminuten mit zahlreichen Irrwegen und falschen Vermutungen. Wie realistisch ist diese Detektivarbeit? Urs Fischer, Neurologe am Inselspital, hat sich mit uns eine Folge angeschaut.

Hugh Laurie als Dr. Gregory House – ein unangenehmer Mensch mit guten Ideen.

Bildlegende: Hugh Laurie als Dr. Gregory House – ein unangenehmer Mensch mit guten Ideen. SRF/NBCUniversal

Sie gehört zu den erfolgreichsten Spital-Serien und wurde in 177 Episoden ausgestrahlt: Die TV-Serie «Dr. House». Der Plot ist immer der Gleiche: Ein Patient mit einem unbekannten Leiden wird ins Spital eingeliefert und Gregory House versucht herauszufinden, was ihm fehlt.

Im Zug dieser Detektivarbeit findet er immer auch Zeit, um all seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgiebig zu beleidigen, die Patienten zu beschimpfen und sich selber zu bemitleiden. Gregory House ist ein unangenehmer Mensch, aber einer mit guten Ideen. Kann es einen solchen Arzt überhaupt geben in der Realität?

Alles nur gespielt

Neurologe Urs Fischer (rechts) mit Kollegen auf der Notfallstation.

Bildlegende: Harmonischer als bei «Dr. House»: Neurologe Urs Fischer (rechts) mit Kollegen auf der Notfallstation. Pascal Gugler/Inselspital

Urs Fischer leitet die Abteilung Neurologie in der Notfallstation des Inselspitals Bern. Mit ihm zusammen haben wir eine Folge «Dr. House» angeschaut. Sein Fazit: «Würde ich mich verhalten wie Dr. House, könnte ich nicht lange auf einer Notfallstation arbeiten», sagt Urs Fischer. «Die Patienten würden mein Verhalten nicht tolerieren, aber auch die Pflegerinnen und Pfleger nicht.» Und das sei auch richtig so. Basis sei ein ausführliches und gutes Gespräch mit den Patienten und den Angehörigen. «Dr. House würde mit seinem Verhalten niemals die richtigen Informationen von den Patienten erhalten», so Urs Fischer.

Die Informationen und Auskünfte der Patienten sind ein wichtiger Pfeiler der Diagnosestellung. «Man muss die Patienten ernst nehmen mit Ihren Aussagen und herausfinden, was dahinter steckt» sagt der Facharzt für Neurologie. Soweit, so nachvollziehbar. Aber wie sieht es mit den medizinischen Fällen in der Serie aus?

Durchaus auch realistische Seiten

Neurologe Urs Fischer.

Bildlegende: Neurologe Urs Fischer. Pascal Gugler/Inselspital

Abgesehen vom Verhalten von Gregory House sei aber einiges durchaus realistisch an der Serie, wenn auch in überspitzter Form. «Wir sind immer wieder mit Fällen konfrontiert, bei denen die Diagnose zu Beginn nicht klar ist. Man sucht zuerst nach Häufigem und nach Gefährlichem. Aber ich erlebe immer wieder, dass sich erste Verdachts-Diagnosen in Luft auflösen», erzählt der erfahrene Notfallarzt Urs Fischer. Und dann könne tatsächlich eine eigentliche Detektivarbeit losgehen – ähnlich also wie bei «Dr. House».

Die Krankheiten selber sind in der TV-Serie gut recherchiert, die Macher lassen sich von einem ganzen Ärzte-Team beraten. Es handelt sich aber oft um extrem seltene Erkrankungen und Leiden, die teilweise auch kaum in der medizinischen Fachliteratur dokumentiert sind. Damit schrammt die Serie immer knapp am Überprüfbaren und an der Grenze von Fiktion und Realität vorbei.

HörPunkt: Skalpell, bitte!

Radio SRF 2 Kultur erzählt einen Tag lang Geschichten aus dem Mikrokosmos des Inselspitals Bern.

HörPunkt Spitalgeschichten
2. März, SRF 2 Kultur
9 bis 24 Uhr.

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