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Spuk und Parapsychologie Die Geister, die wir rufen

Walter von Lucadou ist Parapsychologe: Er sucht nach Erklärungen für Geister, Spuk und Hexerei. Und ist sich sicher: Wenn es spukt, liegt die Ursache meist in psychologischen Problemen.

Legende: Video Walter von Lucadou: Geister, Spuk und Übersinnliches abspielen. Laufzeit 55:00 Minuten.
Aus Sternstunde Philosophie vom 10.06.2018.

In Freiburg im Breisgau betreibt der deutsche Physiker und Psychologe Walter von Lucadou eine Parapsychologische Beratungsstelle.

Dafür gibt es viel Bedarf: Umfragen haben ergeben, dass zwei Drittel der Menschen in ihrem Leben schon einmal in Situationen geraten sind, die sie als übersinnlich und unerklärlich erfahren haben.

So erhält von Lucadou jährlich über 3000 Anrufe mit Berichten von unerklärlichen Geschehnissen. Mit seiner Beratungsstelle hat er also alle Hände voll zu tun.

Dem Spuk auf der Spur

Seit über 40 Jahren ist von Lucadou dem Spuk auf der Spur und berät Personen, die von paranormalen Erlebnissen berichten. Nicht zuletzt beschert ihm auch der wachsende Esoterikmarkt einige verunsicherte Anrufer.

Etwa von einem Immobilienmakler, der wissen wollte, ob er einer Hellseherin glauben könne und nun wirklich alle seine Häuser verkaufen müsse, weil sie ansonsten einem Unwetter zum Opfer fielen.

Er habe den Mann vom Verkauf abhalten können, erzählt von Lucadou: So habe er schon einigen Menschen geholfen, Geld zu sparen.

Mann mit Bart, Brille und schwarzem Beret.
Legende: Der Mann, den man anruft, wenn es spukt: Walter von Lucadou. Imago/Elbner

Wie kommt man dazu, sein Leben dem Spuk zu verschreiben? Von Lucadous Interesse ist dem deutschen Biologen und Philosophen Hans Driesch zu verdanken.

Driesch war der erste, der sich auf wissenschaftlicher Ebene mit parapsychologischen Phänomenen auseinandersetzte. Von Drieschs Buch war der damals 17-jährige von Lucadou so angetan, dass er nebst seinem Physikstudium auch noch Psychologie belegte.

Walter von Lucadou

Walter von Lucadou

Psychologe und Physiker

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Walter von Lucadou, geboren 1945, ist promovierter Psychologe und Physiker. Er betreibt eine eigene Beratungsstelle für Parapsychologische Phänomene, Link öffnet in einem neuen Fenster und ist davon überzeugt, dass sein Erklärungsansatz für Übersinnliches sich in Zukunft in der Wissenschaft durchstzen wird. Von Lucadou leitet Seminare und hält Vorträge, um die Parapsychologie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Parapsychologische Beratungsstelle Freiburg im Breisgau, Link öffnet in einem neuen Fenster

«Spukhafte Fernwirkung»

Von Lucadou ist überzeugt: Telepathie, Hellsehen oder Psychokinese gibt es wirklich. Viele dieser Ereignisse seien mit physikalischen Mitteln begründbar.

Kausal nicht erklärbare Phänomene erklärt von Lucadou mit einem quantenphysikalischen Phänomen: der Quantenverschränkung.

Dieses besagt vereinfacht gesagt, dass zwei Teilchen (zum Beispiel Elektronen), die quantenmechanisch verknüpft sind, sich trotz weiter Distanzen wie ein einheitliches System verhalten. Sobald sich also der Zustand des einen verändert, erfolgt augenblicklich auch eine Zustandsänderung des anderen Teilchens – selbst wenn die Teilchen weit voneinander entfernt sind.

Dies widerspricht der klassischen physikalischen Intuition, dass Teilchen nur durch direkte, räumlich unmittelbare Einflussnahme interagieren. Albert Einstein nannte dies ironisch «spukhafte Fernwirkung».

Entstammt der Spuk der Psyche?

So ist Spuk für von Lucadou ein beeindruckendes Naturphänomen. Übernatürliche Kräfte seien dabei nicht am Werk. Vielmehr seien solche Begebenheiten eine Reaktion des Menschen mit seiner Umgebung.

Damit meint er: Die einen reagierten auf psychische Probleme mit psychosomatischen Reaktionen. Bei anderen schlagen sich diese stattdessen in ihrer Umgebung nieder. Spuk ist für von Lucadou also oft die Externalisierung von psychischen Problemen.

Buchhinweis

Walter von Lucadou: «Die Geister, die mich riefen: Deutschlands bekanntester Spukforscher erzählt.» Bastei Lübbe, 2012.

Das brennende Büro

Dafür nennt von Lucadou folgendes Beispiel: In einer Firma beginnt es immer dann, wenn der Chef auf Reisen ist, zu brennen. Polizei und Feuerwehr haben schon alles untersucht, Brandstiftung und andere Faktoren konnten ausgeschlossen werden.

Der Firmenchef ist verzweifelt und meldet sich bei von Lucadou. Dieser findet heraus: Die Volontärin der Firma hat ein sehr enges Verhältnis zum Chef, ist eifersüchtig auf dessen Ehefrau und wünscht den Chef zurück, sobald er wegfährt.

Von Lucadou kommt zum Schluss: Die Verschränkung ihrer Psyche mit dem Büro verursachte das Feuer – der Spuk ersetzt symbolisch das Problem.

«Psycho-physikalische Systeme»

Klingt verrückt? Von Lucadou erklärt sich diese Begebenheiten durch ein sogenanntes «psycho-physikalisches System». Demgemäss bestehe eine Verschränkung zwischen psychischen Vorgängen im Menschen und physikalischen Wirkungen im Aussen.

Der Mensch sei also mit seiner Umgebung verschränkt. Aber nicht bei jedem Menschen verursache diese Kopplung auch externe Folgen wie Spuk.

Von Lucadou sagt, er habe wiederholt erleben können, dass der scheinbare Spuk just in dem Moment vorbei war, in dem die Betroffenen ihr ins Aussen projizierte Problem gelöst hatten.

Viele Kritiker

Für die Physik ist das ein verwegener Gedanke. So hat von Lucadou viele Kritiker – die Parapsychologie ist in der Wissenschaft ein polarisierendes Thema.

Dennoch steht von Lucadou mit seinem Theorieansatz nicht ganz alleine da, auch der Physik-Nobelpreisträger Wolfgang Pauli und der Psychoanalytiker Carl Gustav Jung haben ähnliche Theorien bereits in Betracht gezogen.

12 Kommentare

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