Techno und Aareschwumm Techno hat es auf die Liste der Schweizer Traditionen geschafft

Neben «Alphorn» und «Berner Bär» gehören nun auch «Techno» und «Openairs» dazu: Die Schweiz hat ihre Liste der lebendigen Traditionen ergänzt. Elf neue Bräuche, über die wir uns freuen.

Ein Paar auf der Street Parade.

Bildlegende: Tanzen auf der Street Parade gehört jetzt zum Schweizer Brauchtum. Keystone

Was haben das «Unspunnenfest», der «Räbeliechtli-Umzug» und der «Töfftreff in Hauenstein» gemeinsam? Sie alle dürfen sich offiziell Schweizer Tradition nennen.

Vor Kurzem ergänzte das Bundesamt für Kultur die «Liste lebendiger Traditionen» um 34 Bräuche – insgesamt 199 helvetische Eigenheiten sind nun dort aufgeführt.

Zehn neue Bräuche, über die wir uns freuen:

Beginnen wir so richtig laut: Die «Zürcher Technokultur» ist die überraschendste unter den neuen Traditionen.

Ob wohl das Raven an der «Street Parade» nun auch zum Volkstanz zählt?

Schweizer schwimmen mit dem Strom

Aarebadende aus Vogelperspektive.

Bildlegende: Bei diesem Brauch schwimmt keiner gegen den Strom: Wasserratten in Bern. Keystone

Pünktlich zum Hochsommer wurde das «Aareschwimmen» zur Schweizer Tradition gekürt. Wurde auch Zeit, nachdem das «Schwimmen im Rhein» mit diesem Prädikat bereits ausgezeichnet wurde.

Wir lernen: Traditionsbewusste Schweizerinnen schwimmen mit dem Strom. Wer lieber im See plantscht oder sich in der Badi vergnügt, muss sich bis zur offiziellen Anerkennung noch etwas gedulden.

Zürich hat neben Zünften auch Gärten

Kalkbreite-Genossenschaft in Zürich.

Bildlegende: Hier lebt sich's nun ganz traditionell: die Kalkbreite-Genossenschaft in Zürich. Keystone

Einige Zürcher dürften betüpft sein, dass die Limmat übergangen wurde. Doch auch Urzürcherisches landete auf der Liste der Traditionen. Die Rede ist nicht vom «Sechseläuten» – das steht dort längst. Sondern: vom Zürcher «Stadtgärtnern» und den «Wohnbaugenossenschaften».

Wer seinen Dachgarten beackert und in der geteilten Wohnküche Fair-Trade-Babyccinos aufschäumt, darf also zu Recht seine Swissness propagieren. Eine ironisch gemeinte, natürlich.

Schwingen im Schlamm

Zwei Jugendliche hüpfen am Openair St. Gallen im Schlamm.

Bildlegende: Erinnert entfernt ans Schwingfest, dieses Open-Air. Keystone

Schlammschlachten und Sonnenbrand, Toi-Toi-Toiletten und Tinnitus: Auch das hat nun hierzulande Tradition. Eindrückliche Bilder der «Open-Air-Festival-Kultur» dringen etwa alle Jahre wieder aus dem Sittertobel zu uns.

Manche Schlammtänze erinnern entfernt ans herkömmliche Schwingen. Doch wer bei der neuen helvetischen Disziplin den «Hoselupf» wagt, wird garantiert durch den Dreck gezogen.

Glücklich, wer da was versteht

Neben Traditionsklassikern wie «Pschuuri» und «Woldmanndli» reihen sich nun weitere Bräuche ein, die wohl nur Eingeweihte verstehen. Was bitte hat es mit diesem «Chlefele» und «Platzgen» auf sich?

«Platzgen» ist eine Schweizer – pardon: Berner – Sportart, bei der der «Platzgen» den «Schwirren» im «Ries» treffen muss. Oder: eine Metallscheibe einen Eisenstab in einem abgeschrägten Lehmkreis.

Beim Schwyzer «Chlefele» hingegen geht es um zwei Holzplättchen, Fingerfertigkeit und Rhythmusgefühl:

Ein Fest für die «Fahrenden»

Als Schweizer Brauch gilt nun auch die «Fecker-Chilbi», das Fest der «nomadischen Kultur der Schweizer Jenischen und Sinti».

Frau an einem Stand der Feckerchilbi.

Bildlegende: Traditionelles Fest in modernem Gewand: die Fecker-Chilbi. Keystone

Ein symbolisch wichtiger Entscheid: Sinti und Jenische wurden erst letzten Herbst offiziell als nationale Minderheit anerkannt. Nur noch zehn Prozent leben als Fahrende.

Geschmolzener Käse trifft auf Geselligkeit

Eine Racletteschaufel mit Käse.

Bildlegende: Die Geselligkeit, nicht der Käse im Bauch, macht das Raclette zum Schweizer Brauch. Flickr/Alex Toulemonde

Schmelzender Käse allein macht noch keine Tradition: Aber «Raclette comme practique sociale», also das soziale Interagieren rund ums Raclette-Öfeli, gilt nun auch als Brauchtum. Praktiziert wird's überall in der Schweiz, zugerechnet wird's dem Wallis.

Die Freiburger Tischrunde «autour d' une fondue» ist übrigens auch schon Tradition. Und wer sich gerne ein Glas Wein zum Käse gönnt, den wird es freuen, das auch die «Schaffhauser Weinkultur» auf der Liste der lebendigen Bräuche steht.

Irgendwo zwischen Italien und der Schweiz

Menükarte und Blumenkiste vor einem Grotto.

Bildlegende: Cin cin! Dieses Tessiner Grotto gibt sich traditionsbewusst. Keystone

Ein weiterer Traditions-Neuling aus dem Reich der Schweizer Kulinarik: Das Tessiner und Bündner «Grotto», Inbegriff der helvetischen Italianità. Der Name kommt von den Höhlen, in denen früher Lebensmittel gelagert wurden. Ein wenig rustikaler Charme ist bis heute geblieben. Salute!

Das Jodeln ist nun auch Brauch

Jodelerin und Jodler am Eidgenössischen Jodelfest.

Bildlegende: Das Alphorn war schon Brauch, das Jodeln ist es nun auch. Keystone

Alphorn, Schwingen, Jodeln – diese Schweizer Bräuche würden wohl den meisten als erstes einfallen. Umso erstaunlicher, dass bis vor Kurzem erst zwei der drei auf der Liste der offiziellen Traditionen standen.

Nun wurde das Versäumnis korrigiert: Auch «Naturjodel und Jodellied» dürfen sich nun offiziell eine hiesige Tradition nennen. Höchste Zeit, den Unterschied zwischen «Zäuerli» und Ruguuseli» zu üben.

Welche Traditionen liegen Ihnen am Herzen?

Erzählen Sie uns in der Kommentarspalte von Ihrem Lieblingsbrauch!

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur Aktuell, 29.6.17, 15:32 Uhr