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Treffen des Weltkirchenrats «Wir müssen wieder politischer werden»

Entwicklung und Religion sollen Hand in Hand gehen, fordert eine Schweizer Delegierte an der Weltmissionskonferenz in Tansania. Sie begrüsst, dass Afrika und die Frauen bei der Tagung ins Zentrum rücken.

Arusha in Tansania ist der Ort, von dem aus Wanderer zum Kilimandscharo aufbrechen. Um den höchsten Berg Afrikas zu erklimmen, soll man mindestens sechs Tage einplanen. Ähnlich lang, aber nicht ganz so anstrengend ist eine Konferenz, zu der über 1000 Kirchenvertreter aus 108 Ländern nach Arusha gekommen sind.

Natürlich nicht, um den Gipfel zu stürmen, sondern um gemeinsam über Fragen der Mission zu beraten. Also darüber, wie man die Botschaft des Evangeliums am besten unter die Leute bringt.

Weltmissionskonferenz in Afrika

Zum ersten Mal seit 60 Jahren war die Weltmissionskonferenz, Link öffnet in einem neuen Fenster vom 8.- 13. März 2018 in Afrika zu Gast.

Veranstalter ist der Ökumenische Rat der Kirchen in Genf. An der Konferenz sind auch reformierte Christinnen und Christen aus der Schweiz dabei, zum Beispiel Claudia Bandixen. Sie ist Direktorin von «Mission 21», Link öffnet in einem neuen Fenster, dem Evangelischen Missionswerk in Basel.

Laut Bandixen wird in Afrika der Missionsbegriff nicht nur negativ verstanden und mit Kolonialismus verbunden: «Unsere Partner empfinden Mission als etwas Positives. Sie sagen: Unsere Politiker lügen uns an, die Wirtschaft hält ihre Versprechen nicht. Auf euch können wir uns aber verlassen.»

Im Zentrum: Afrika, Frauen, Marginalisierte

Für die reformierte Pfarrerin Claudia Bandixen lautet die Botschaft von Arusha: «Afrika ins Zentrum rücken, Frauen ins Zentrum rücken, Marginalisierte ins Zentrum rücken.»

So trugen viele Delegierte zum Konferenzbeginn am vergangenen Donnerstag schwarze Kleidung, um gegen Sexismus und fehlende Gleichberechtigung von Frauen zu demonstrieren.

Die Direktorin von «Mission 21» will in der Schweiz künftig politischer auftreten. «Nicht im Sinne von Parteipolitik, sondern im Sinne politischer Bewegungen. Wir müssen etwa der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA verständlich machen, dass man viel erreichen kann, wenn man Religion und Entwicklung zusammen denkt.»

«Müssen neue Formen entwickeln»

Auch Heinz Fäh hat in Afrika Impulse für seine Arbeit als stellvertretender Kirchenratspräsident in St. Gallen erhalten. «Wir müssen neue Formen der Glaubensvermittlung entwickeln. Bach-Kantaten sind herrlich, aber damit erreichen wir nicht mehr die jungen Leute.»

Die Kirche dürfe nicht nur als Kirchgemeinde vor Ort gedacht werden. «Wir müssen Orte schaffen, an denen Menschen mit speziellen Interessen zusammenkommen. Heutzutage sind die Leute mobil, bewegen sich in den sozialen Medien. Darauf müssen wir reagieren», sagt Heinz Fäh.

Konfessionelle Grenzen verschwimmen

Im Gegensatz zu Claudia Bandixen, die sich mit der lauten, ausdrucksstarken afrikanischen Liturgie etwas schwertut, lässt sich Heinz Fäh von den afrikanischen Rhythmen anstecken. «Die Gottesdienste sind der Höhepunkt, unglaublich lebensfroh und lebendig», schwärmt der reformierte Pfarrer.

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Die grösste Gruppe der über 1000 Delegierten stellen übrigens die Katholiken – obwohl die römisch-katholische Kirche gar nicht Mitglied im Weltkirchenrat ist. Doch die konfessionellen Grenzen verschwimmen ohnehin bei so einer Tagung.

Wie auch beim Missionsgedanken. Es geht weniger um Bekehrung, als darum, den Menschen in den Blick zu nehmen. Egal, ob und woran er glaubt.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur Aktuell, 13.3.18, 17.40 Uhr

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