Schweizer Secondas Tupperware-Party mit Migrationshintergrund

Die Mamis haben gekocht, die Töchter essen: Tama Vakeesan und Zoe Venakis entdecken, was sie als Secondas verbindet.

Die Kulturen Sri Lankas und Griechenlands könnten nicht unterschiedlicher sein. In der Schweiz treffen sie trotzdem aufeinander. Tama Vakeesan und Zoe Venakis haben sich zu einem Multikulti-Zmittag inklusive Tupperwares der Mütter verabredet.

Beide sind in der Schweiz aufgewachsen, Tama Vakeesan hat tamilische, Zoe Venakis griechische Wurzeln. Im Gespräch finden die Secondas heraus, was sie verbindet.

Tama Vakeesan: Tadaa! Tamilisches Curry mit Reis, Linsen, Randen, Auberginen und Spinat. Du hast das griechische Nationalgericht dabei, oder?

Zoe Venakis: Genau. Es ist Bohnensuppe. Ich komme mir immer vor wie ein Gefangener, wenn meine Mutter das kocht. Sie meinte dann mal: «Du hast Recht. Das isst man wirklich im Gefängnis. En Guete!»

T: En Guete! Also ich könnte mich problemlos in einem griechischen Gefängnis einbuchten lassen.

Z: Ich mag das Curry auch sehr. Richte deinem Mami meine Komplimente aus. Mich interessiert: Was ist schön und was weniger, wenn man in zwei verschiedenen Kulturen aufwächst?

«  Grenzen existieren nicht wirklich. »

T: Schön ist es, dass wir nicht nur eine Welt kennen sondern mehrere. Grenzen existieren nicht wirklich. Dadurch, dass du nirgends daheim bist, bist du sozusagen überall daheim. Das hab ich jetzt schön gesagt, oder?

Z: Sehr poetisch.

T: Ich kann mich überall zuhause fühlen. Es ist nicht wirklich auf Länder bezogen. Mir ist diese Offenheit angeboren. Weniger cool ist, dass man keinen blassen Schimmer hat, wo man hingehört. Die Frage «Wer bin ich?» ist schon mühsam. Eine Frage, die du sicher schon tausend Mal gehört hast: Fühlst du dich mehr als Griechin oder mehr als Schweizerin?

Z: Ich bin wahrscheinlich beides.

T: Ich sage gern, dass ich ein «Weder-Noch» bin. Weder Tamilin noch Schweizerin. Ich bin eine eigene Gattung: Seconda. Oft habe ich das Gefühl, dass ich mich mit Menschen wie dir besser identifizieren kann als mit Schweizern, die hier geboren sind oder Tamilen, die in Sri Lanka geboren sind. Mit dir habe ich mehr Gemeinsamkeiten.

«  Ich habe mich immer mit den Ausländern gut verstanden. »

Z: Das stimmt. Ich habe das in der Schule gemerkt. Ich habe mich immer mit den Ausländern gut verstanden. Die Chemie stimmte automatisch.

T: Man wusste genau, dass man sich zuhause anders verhalten musste als in der Schule.

Z: Möchtest du dann, dass deine Kinder Tamilisch können?

T: Mit meinem Bruder spreche ich meistens Deutsch. Für uns ist das natürlicher. Erst wenn es emotional wird und wir gewisse Ausdrücke sagen möchten, wechseln wir auf Tamilisch.

Ich frage mich, ob ich in Zukunft im Alltag Tamilisch sprechen werde. Die Kinder lernen vom Alltag. Wenn man zuhause grundsätzlich Deutsch sprichst, wie will man da Tamilisch lernen? Bei dir?

Z: Ich finde Griechisch eine schöne Sprache. Ich habe das Gefühl, ich kann sie nicht gut genug. Ich würde gerne über Politik sprechen, aber oftmals kann ich mich nicht ausdrücken, weil mir das Vokabular fehlt.

Was du vorher erwähnt hast, kenne ich von meinem Vater. Er ist hier geboren und aufgewachsen. Wir haben die Tendenz, dass wir miteinander Deutsch sprechen. Ich würde gerne zuhause nur Griechisch sprechen. Ich möchte, dass meine Kinder Griechisch können, aber dafür muss ich die Sprache selber beherrschen.

Z: Nun zu den wichtigen Fragen: Rösti oder Curry?

T: Rösti ist super, keine Frage, aber Curry ist nicht gleich Curry. Wenn ich mein Leben lang nur etwas essen dürfte, würde ich ein Reisgericht mit verschiedenen Currys nehmen. Und du, Gyros oder Raclette?

«  Ich könnte nicht auf Käse verzichten.  »

Z: Sehr schwierig. Ich habe beides sehr gerne. Ich könnte nicht auf Käse verzichten. Wahrscheinlich bin ich auch indirekt deswegen in der Schweiz. Eine göttliche Fügung sozusagen. Käse und Zoe gleich Liebe.

T: Du hast übrigens Spinat zwischen den Zähnen. Das sagen gute Kolleginnen.

Z: Ist es weg?

T: Ja. Blitzeblank.

Sendung: Kulturplatz, 15. März 2017, 22.25 Uhr.

Tama Vakeesan und Zoe Venakis

Tama Vakeesan ist 29 Jahre alt und vlogt über ihr Leben als Seconda auf dem YouTube-Kanal «Tama Gotcha». Tama stammt aus Sri Lanka ist in der Schweiz geboren und aufgewachsen.

Zoe Venakis ist 22 Jahre alt und macht zurzeit ein Praktikum beim SRF Kulturplatz. Sie stammt aus Kreta, Griechenland und ist in der Schweiz geboren und aufgewachsen.

«Tama Gotcha!»

In ihrem Vlog auf Youtube erzählt Tama Vakeesan wie sie als Tamilin in der Schweiz zwischen den Kulturen lebt.

Sendung zu diesem Artikel

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Clash der Kulturen - warum Tama Vakeesan einen Vlog macht

    Clash der Kulturen - warum Tama Vakeesan einen Vlog macht

    Aus Kulturplatz vom 15.3.2017

    Curry oder Rösti? Hindutempel oder Hip Hop-Party? In vielen Fällen ist es ein «Sowohl als auch», doch manchmal wird die Entscheidung auch zu einem Balanceakt. Von ihrem nicht ganz einfachen Leben zwischen der tamilischen und der schweizerischen Kultur erzählt Tama Vakeesan in ihrem Vlog, ihrem Videotagebuch, das seit kurzem auf Youtube erscheint. Welche Fragen sie am meisten nerven und warum sie Langenthal eine coole Stadt findet, erzählt sie Eva Wannenmacher im Hindutempel in Trimbach.

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