USA: Mit Aufklärung und Training gegen Islamfeindlichkeit

Nach den letzten Terroranschlägen und Donald Trumps hetzerischer Wahl-Rhetorik erlebt die muslimische Gesellschaft wieder vermehrt Diskriminierung, Hass und Gewalt. Umso wichtiger sind gerade jetzt Institutionen wie die Islamic Network Group in Kalifornien.

Ein paar muslimische Kinder spielen zusammen.

Bildlegende: Kinder spielen während dem muslimischen Feiertag Eid al-Adha in Brooklyn. Reuters

Die Frau wirkt zierlich – und erschöpft. Nur wenige Stunden Schlaf und ein Riesenpensum. Aber kaum beginnt sie zu sprechen, erhält ihre sanfte Stimme Kraft und bekommen ihre dunklen Augen Glanz. Maha Elgenaidi hat ihr Leben ganz in den Dienst ihrer Aufgabe gestellt.

Sie kämpft mit Aufklärung und Schulung gegen Muslimhass und für das Verständnis ihrer Religion: in Bildungseinrichtungen und Polizeibehörden, in Personalabteilungen oder etwa in Spitälern. «Islamophobie ist eines der grossen Bürgerrechtsprobleme unserer Zeit, denn sie schädigt nicht nur die Zielgruppe, sondern die ganze Gesellschaft.»

Von Ägypten in die USA

Maha Elgenaidi kam in den späten 1960er-Jahren als 7-Jährige mit ihrer Familie aus Ägypten in die USA. Ihr Vater war dort ein erfolgreicher Psychiater. «Aus wirtschaftlichen Gründen hätten wir nicht hierher kommen müssen. Er kam uns Kindern wegen.» Das Opfer ihrer Eltern, die in Ägypten alles zurück liessen, ist für Maha Elgenaidi Verpflichtung, sich für ihre neue Heimat zu engagieren.

Vor 23 Jahren gründete sie in Santa Clara, am südlichen Ende des Silicon Valley, die Islamic Network Group, ING. Die Stiftung wird zu rund 80 Prozent von Spenden US-amerikanischer Muslime finanziert. Der Rest stammt aus regionalen Fördermitteln, zum Beispiel der Silicon Valley- oder der San Francisco Community-Foundation.

Fünf Religionen in Teamarbeit

Das Angebot von der Islamic Network Group umfasst Referate und Seminare zu Themen wie «Amerikanische Muslime und ihr Glaube» oder «Musliminnen jenseits der gängigen Klischees». ING bietet aber auch den schwächsten Mitgliedern der islamischen Gesellschaft ein umfassendes Programm: «Kinder sind die ersten Opfer von Bullying und Schikanen – und häufig von Lehrkräften oder der Schulleitung», erzählt Maha Elgenaidi.

Die Arbeit der ING und ihrer Gründerin ist längst über die Region hinaus bekannt und haben Maha Elgenaidi zahlreiche Ehrungen und wiederholte Einladungen ins Weisse Haus beschert. Klienten wie Mike Sena, Direktor des Northern California Regional Intelligence Centers (einer regionalen Informationszentrale für terroristische Aktivitäten und Verbrechen wie etwa von Islamophoben) lobt die Professionalität und Kompetenz der Referenten.

Auch die interreligiöse Gemeinschaft Nordkaliforniens schätzt ING und ihre Initiantin als Verbündete im Engagement für religiöse Vielfalt und gegenseitige Akzeptanz. «Maha Elgenaidi ist eine wichtige Botschafterin der islamischen Gesellschaft und für uns eine verlässliche Partnerin», sagt zum Beispiel Michael Pappas, Geschäftsführer des Interfaith Council von San Francisco, dem 800 Kongregationen angehören.

Nur für eine Amtszeit

Dass Maha Elgenaidi selber auch lebt, was sie propagiert, illustriert schon die Zusammensetzung ihres Stiftungsteams: Frauen und Männer fünf verschiedener Religionen arbeiten in der ING friedlich vereint, von Muslimen über Juden und Buddhisten bis hin zu Hindus und Christen. Selbst zwischen Sunniten und Shiiten funktioniert das Miteinander spannungsfrei.

«Alle fühlen sich den amerikanischen Werten und der amerikanischen Demokratie verpflichtet», sagt Maha Elgenaidi. Weder diesen Werten noch diesem System könne ein Donald Trump letztlich dauerhaft etwas anhaben, glaubt sie. Sollte der republikanische Präsidentschaftskandidat die Wahl im November tatsächlich gewinnen, dann höchstens für eine Amtszeit, ist sie überzeugt.

Islamic Network Group

Die Website der ING gibt nicht nur einen Überblick über das Tätigkeitsspektrum der Stiftung. Sie enthält auch Dutzende von Antworten auf Fragen zu den Themenbereichen Muslime in den USA, Islam, Sharia und ISIS.

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