Verlan, die Slangsprache von Secondos und Poeten

Dass sich Superstar Stromae so nennt, kommt nicht von ungefähr: Das Spiel mit den vertauschten Silben – hier von «Maestro» – ist in der französischen Jugendsprache äusserst beliebt. Das sogenannte Verlan ist eine der fruchtbarsten Umgangssprachen, die bereits Chansonniers und frühe Dichter kannten.

Ein Sänger mit Mikrofon in der Hand in blauem Scheinwerferlicht.

Bildlegende: Stromae – oder eben «Maestro» – heisst mit bürgerlichem Namen Paul Van Haver. Keystone

Stromae, der junge belgische Sänger, macht derzeit Furore. Songs wie «Papaoutai» oder «Alors on danse» sind in aller Mund und Ohren. Vielleicht haben Sie sich auch schon gefragt, woher der Poet mit ruandischen Wurzeln seinen sonderbaren Namen hat.

Die Bedeutung erschliesst sich, wenn man die Silben umdreht. Aus «Stromae» wird dann ein «Maestro». Das Sprachspiel ist typisch für eine Art französischen Slang, den Verlan.

Aus «fête» wird «teuf»

Der Name Verlan ist selber ein Beispiel dafür, wie das Sprachspiel funktioniert: «Verlan» kommt von «l'envers» (umgekehrt). In Verlan werden also wie in einer Geheimsprache die Silben der Worte verkehrt. So wird aus «Métro» das Wort «tromé», aus einem «mec» ein «keum», die Redewendung «laisse tomber» wird zu «laisse béton» und aus «fête», dem französischen Wort für Party, eine «teuf».

Das Sprachspiel kann noch weitergehen und recht komplex werden – beispielsweise mit Doppel-Verlanisationen, internen Verschiebungen und lautlichen Vertauschungen. Verlan ist in erster Linie eine mündliche Sprache, die Silben werden phonetisch verschoben, auf die offizielle Rechtschreibung wird dabei selten Rücksicht genommen. Im Vordergrund steht der Witz, das Sprachspiel – und dies schon seit einiger Zeit.

Quer durch alle sozialen Milieus

Denn Verlan ist keine Erfindung von heute – auch wenn ihn sich vor allem Jugendliche und unter ihnen Secondos aus den Vorstädten angeeignet haben, die sogenannten «Beurs». Das Wort ist ein wiederholter Verlan von «rebeu» für «arabe». «Bonbour» statt «Bourbon» sagte man schon im 16. Jahrhundert, und anagrammatische Sprachspiele finden sich bei François Rabelais so gut wie Villon.

Ein bekanntes Chanson in Verlan stammt von Jacques Dutronc aus dem Jahr 1971. Er besingt die Wellen und Wogen in seinem Gehirn: «J'avais la cervelle qui faisait des vagues», oder eben: «J'avais la vellecer qui zaifeu des gueva».

Heute ist Verlan, weil die Sprache so typisiert und leicht identifizierbar ist, einer der farbigsten und fruchtbarsten Gruppensprachen in Frankreich – quer durch alle sozialen Milieus.

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