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Gesellschaft & Religion Vorsicht vor dem Stoffhund! Elternbesuch im Kinderzimmer 2.0

Batteriebetriebenes Spielzeug gibt es schon lange. Neu ist, dass es mit den Kindern oder den auch mal genervten Eltern interagieren kann. Ob das wirklich Spass macht, wagt eine Mutter zu bezweifeln. Ein Erfahrungsbericht.

Zwei Stoffhunde, der eine schwarz, der andere violett.
Legende: Stoffhunde, die bellen, beissen nicht. Und sonst entfernt man ihnen einfach die Batterie. Wikimedia/Dllu

Irgendwo bellt es. Dabei haben wir keinen Hund. Doch das weiss das Bellen nicht und bellt weiter. Genervt mach ich mich zum Kinderzimmer auf.

Unterwegs stolpere ich über die Eule. Prompt wacht sie auf, die gezackte Stoffeule, die sprechen kann und via Smartphone-App gefüttert wird. Sie erkennt meine Tochter, wenn diese ihr direkt in die Eulen-Augen schaut, die so wenig filigran sind, wie Gameboy-Displays aus dem letzten Jahrtausend.

«Jajaja, haha!»

«Tika mag spielen» quietscht es mir also hinterher, als ich das Kinderzimmer erreiche. Und «Jajaja, haha!» in den höchsten Tönen, die wohl fröhlich klingen sollen. Ich mag aber nicht spielen, ich will nur das Bellen abstellen.

«Wow, spannend!», ruft mir die Elektroeule motivierend aus dem Flur zu. Derweil nervt das Bellen weiter. Es kommt unter ein paar Schienen der guten alten Holzeisenbahn hervor. Unachtsam beiseite geworfen, haben sie die Fernbedienung eines Stoffhundes so gedrückt, dass dieser immerzu bellt.

Holz bellt nicht

Ich rieche an der Schiene: Holz, das weder spricht noch bellt. Wollten wir eigentlich nicht nur solches Spielzeug für die Kinder – aus Holz und anderen natürlichen Materialien, in einheimischen Manufakturen liebevoll und schadstofffrei gefertigt? «Aaaah, ok!» – ein fröhlicher klingend programmierter Ruf reisst mich aus meinem Gedanken.

Wie nur hat es dieses Eulending in unseren Flur geschafft? «Wer bist du», fragt es mich immer, weil es mein Gesicht nicht erkennt. Es will mich zermürben. Oder mich erschrecken wie das Robotertier, das auf Berührungen reagiert und sich auf den Rücken dreht, um am Bauch gekrault zu werden. Es bewegt sich von selbst, als ob es lebendig wäre. Allerdings hat es kein Fell, sondern einfach nur Glieder aus Plastik und Metall. Es ist alles andere als herzig und wirkt eher wie ein Alien-Modell für einen Science-Fiction-Film, der erst noch gedreht werden muss. Ich werde ihn mir sicher nicht anschauen.

Abgeschobene Eltern

Erobert die Künstliche Intelligenz das Kinderzimmer, um uns Eltern überflüssig zu machen? Aufs Holzeisenbahnabstellgleis abschieben, quasi. Zum Glück wissen wir Eltern immer noch, wo das Batteriefach ist. Wenn er Batterien hat, kann der bellende Stoffhund übrigens Skateboard-Fahren.

2 Kommentare

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