Stift und Papier? Eine schwedische Schule findet: Laptop reicht!

Am Freien Gymnasium der schwedischen Stadt Falun hat jede Schülerin und jeder Schüler einen eigenen Laptop. Papier und Wandtafeln gehören hier der Vergangenheit an. Über ein papierloses pädagogisches Experiment, das zu funktionieren scheint.

Ein Laptop auf dem Boden.

Bildlegende: Reicht ein Laptop für einen guten Unterricht? Imago / Westend61

«Ich habe mich immer über Schulen aufgeregt, die Schüler mit dem Versprechen eines eigenen Laptops anzulocken versuchen», sagt Mark Hammarberg, Lehrer für Gesellschaftskunde. Erst seit einem halben Jahr ist Hammarberg am Freien Gymnasium von Falun, 300 Kilometer nördlich von Stockholm, beschäftigt – und hat seine Meinung von Grund auf geändert: «Die papierlose Schule, wie wir sie hier praktizieren bringt sehr viele Vorteile mit sich», sagt der 28-jährige Pädagoge: «Dazu gehören die administrativen Abläufe, der Austausch mit den Schülern und die Lerneffekte».

Die Schule in der Internetwolke

In Schweden ist das Bildungswesen in den letzten Jahren von Grund auf erneuert worden: Jede Schülerin und jeder Schüler erhält einen Bildungsvoucher und kann frei wählen, welche Schule sie oder er besuchen möchten. Die Schulen ihrerseits geniessen grosse Freiheiten, auch wenn die Finanzierung wie früher zu 100 Prozent über die Steuern erfolgt: «Unsere Schule gehört der Lehrerschaft kollektiv und wir entscheiden selbst über unsere pädagogische Ausrichtung», sagt Schulleiterin Maria Pettersson.

Seit vier Jahren erhalten sämtliche Schülerinnen und Schüler des Freien Gymnasiums von Falun, das drei Jahre lang dauert und vom «Internationale Beziehungen» als Profilthema hat, bei Schulantritt einen eigenen Laptop. Seit zwei Jahren läuft der gesamte Schulbetrieb über eine eigene Internetwolke: Das beginnt bei den Absenzen, geht über die Hausaufgaben und beinhaltet sämtliche Lehrmittel und Lernziele. «Unsere Schüler wissen schon gar nicht mehr, was Papier und Schreibstifte sind», witzelt Lehrer Hammarberg.

«Meine Lehrer sehen mich»

Eine Frau und ein Mann sitzen an einem orangen Tisch. Sie bedient einen Laptop.

Bildlegende: Der digitale Unterricht scheint Spass zu machen. Falufri

Tatsächlich zeigt ein Rundgang durch das vierstöckige Schulgebäude im historischen Zentrum von Falun, dass ohne Laptop am Freien Gymnasium nichts mehr geht: «Wir arbeiten an einer Buchkritik», erzählt der 17-jährige Ralf, der zusammen mit drei Kollegen in einem Gruppenzimmer arbeitet. Er findet die papierlose Schule eine gute Sache, besonders wegen dem guten und kontinuierlichen Kontakt zu den Lehrern: «Meine Lehrer sehen fast immer, woran ich gerade arbeite und können mir bei Bedarf helfen». Angst, ständig überwacht zu werden, hat Ralf keine: «Nein, ich bin ja in der Schule um etwas zu lernen, nicht um mich zu vergnügen».

Auch Lehrer Hammarberg, der einstige Kritiker der digitalisierten Schule, findet, dass «eine gewisse Kontrolle in der Schule sehr angebracht» sei und fügt hinzu: «Das finden doch auch die Eltern gut». Der Faluner Schule kommt zugute, dass heute nicht nur das Schulhaus selbst, sondern auch die meisten Privathaushalte in Schweden über einen drahtlosen Breitbandanschluss verfügen. Zudem können sich die Schüler auch am Abend bis 22 Uhr im Schulhaus aufhalten, auch wenn das Personal des Gymnasiums nicht mehr da ist. «Hier setzen wir ganz auf die Selbstverantwortung unserer Schüler», sagt Mark Hammarberg, der sich wie seine Schützlinge am Freien Gymnasium in Falun nicht mehr vorstellen kann, ohne ständig erreichbare Internetwolke zu arbeiten.

Welt im Wandel

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