7 Gründe, über «Islamic Banking» nachzudenken

Islamic Banking heisst Geld anlegen nach religiösen, ethischen Prinzipien: Das Kapital darf etwa nicht in die Waffenproduktion investiert werden, nicht in unlautere Geschäfte, nicht in Pornografie.

Illustration: Ein zackiger Pfeil geht durch ein islamisch anmutendes Ornament hindurch.

Bildlegende: Auch in der Schweiz wird Geld nach dem islamischem Scharia-Recht angelegt. SRF/Christine Kälin

1. Islamic Banking ist ethisch fundiert

Wer Geld nach islamischen Prinzipien, also nach der Scharia anlegt, kann davon ausgehen, dass nicht in Waffenproduktion, nicht in Pornografie, nicht in Drogen, Alkohol oder in die Produktion von Schweinefleisch investiert wird. Bankinstitute, die nach den Grundsätzen der Scharia arbeiten, waren denn auch in den 1990er-Jahren die Vorreiter heutiger alternativer, ethisch konformer Anlagemöglichkeiten.

2. Islamic Banking bietet Sicherheiten

Im Islamic Banking darf nicht in spekulative Geschäfte investiert werden, also in strukturierte Produkte wie Derivate. Denn, so die geltende Interpretation der islamischen Rechtsquellen, aus Geld darf nicht einfach Geld erwirtschaftet werden. Vielmehr muss Geld immer arbeiten, es muss im produktiven Kreislauf verwendet werden. Nur damit rechtfertigt sich auch das, was im Islamic Banking selbstverständlich erlaubt ist: das Erzielen von Gewinnen.

3. Gebühren statt Zinsen

Zinsen sind im Islamic Banking verboten, weil sich niemand in die Abhängigkeit eines anderen begeben darf. Das Zinsverbot ist streng und geht auf den Propheten Mohammed zurück; allerdings gibt es eine ganze Reihe von Geschäften, die mit fixen Gebühren aufwarten. Gebühren, die bezahlt werden müssen, zum Dank für das Ausleihen von Geld.

4. Teilen von Gewinn und Verlust

Mit verschiedenen Finanzinstrumenten, unter anderem mit den sogenannten Mudaraba-Konten, können Investor und Bank eine Teilung von Verlust und Gewinn vereinbaren. Das «Profit-and-Loss-Sharing» ist eine der Fundamente des islamischen Bankings, es unterliegt aber vielen Einschränkungen, weil viele Banken das Geschäftsrisiko ihrer Kunden nicht direkt mittragen wollen.

5. Keine Überschuldung

Das Islamic Banking verbietet es, in Firmen zu investieren, die zu mehr als einem Drittel verschuldet sind. Damit soll riskanten Geschäften ein Riegel vorgeschoben werden, und man soll sich nicht an der Schuldenwirtschaft beteiligen. Islamic Banking ist immer auch auf das Wohl der Gemeinschaft – der Familie, des Quartiers, der Gesellschaft insgesamt – ausgerichtet. Es gibt kein Wirtschaften ausserhalb des Gemeinwohls.

6. Islamic Banking ist rentabel

Weltweit gibt es rund 600 Finanzinstitute, die ausschliesslich oder partiell nach der Scharia arbeiten. Sie verwalten nur rund zwei Prozent aller weltweit angelegten Vermögen, aber das Volumen hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdreifacht. Und – wer nach islamischen Prinzipien investiert, gehört definitiv zu den Gewinnern. Gerade weil islamische Banker nicht in Finanzinstitute investieren, also auch nicht riskant spekulieren, liegen die Gewinne bis zu zehn Prozent über den herkömmlichen Anlagen.

7. Islamische Banker sind pragmatisch

Bei aller Rücksicht auf die Prinzipien des Islam – man ist pragmatisch im Islamic Banking. Die Banker in Dubai, in Djakarta, in Riad und in London wissen, dass sie sich von der globalen Finanzwelt nicht abkoppeln können. Sie müssen den Kunden das bieten, was auch andere für den Hauskauf, die Geldtransaktion, das langfristige Investment offerieren. Deshalb gibt es auch im Islamic Banking Kreditkarten, sie dürfen einfach nicht für verbotene Einkäufe (etwa für Alkohol) verwendet werden, und man darf sein eigenes Konto nicht überziehen.

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