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Widerstand gegen Pastoralräume Unbeugsame Fricktaler bieten dem Bischof die Stirn

Der katholischen Kirche fehlt es an Priestern. Deshalb werden vielerorts Kirchgemeinden zu sogenannten Pastoralräumen zusammengelegt. Doch dagegen regt sich Widerstand.

Mann im Anzug in einer Kirche
Legende: Felix Gmür ist der Bischof von Basel. «Wir müssen uns an veränderte Bedürfnisse anpassen» heisst es im Bistum. Keystone

Der Widerstand im Fricktal erinnert an «Asterix». Wir befinden uns im Jahre 2018. Im ganzen Bistum Basel werden Pastoralräume eingeführt… Im ganzen Bistum? Nein! Unbeugsame im Fricktal hören nicht auf, Widerstand zu leisten. So könnte der Prolog lauten für eine Erzählung über den langjährigen Konflikt im Bistum Basel.

«Die Kirche nicht mehr im Dorf lassen»

Vor 15 Jahren hatte der damalige Bischof Kurt Koch begonnen, die Idee von Pastoralräumen zu entwickeln: Einzelne Kirchgemeinden sollen dabei zusammengelegt werden.

Bistumssprecher Hansruedi Huber sagt, die Kirche im Dorf müsse sich anpassen. «Die Postfiliale oder die Bankfiliale ist auch nicht mehr überall. Die Kirche kann sich nicht leisten, in jeder Pfarrei dasselbe anzubieten. Wir müssen uns an den Bedürfnissen der Gläubigen vor Ort orientieren.»

Am grössten ist der Widerstand gegen die Reform in Kaiseraugst, Kanton Aargau. Die Präsidentin der Kirchenpflege, Lisbeth Dudler, führt den Protest an. «Für uns ist das falsche Weg.» Pastoralräume betrieben nur Kosmetik: «Man übertüncht das Problem.»

Probleme nicht wegschminken

Grössere Einheiten setzten die Nähe zu den Menschen vor Ort aufs Spiel. Dudler fürchtet: Kleine Gemeinden wie Kaiseraugst kämen unter die Räder.

Statt Seelsorge gäbe es «Köfferli-Priester», die von Gemeinde zu Gemeinde hetzten. Statt die Probleme des Priestermangels und der sinkenden Mitgliederzahlen wegzuschminken, solle der Bischof die Ursachen angehen, fordert Dudler: etwa den Pflicht-Zölibat abschaffen und Frauen zu Priestern weihen.

Kritik am Bischof

Doch die Präsidentin der Kirchenpflege stört auch die Art und Weise, wie der Bischof die Strukturen ändern wollte. «Die Leute waren empört, dass das über unsere Köpfe hinweg beschlossen wurde. So springt man in der Schweiz mit den Leuten nicht um.»

Die Argumente kann Bernhard Lindner nachvollziehen. Der Theologe arbeitet als Gemeindeleiter in Oeschgen im Kanton Aargau. «Wir haben zu wenig Fachkräfte», sagt Lindner. Dies gelte nicht nur für Priester, sondern auch für Theologinnen und Theologen.

Geld ist da – Theologen aber fehlen

Noch habe die Kirche viel Geld, könnte also mehr Theologen einstellen – finde aber keine. Daher solle sich das Bistum für andere Berufsgruppen öffnen, etwa Sozialarbeiter.

Auch kritisiert Bernhard Lindner den Druck, der vom Bistum ausgeübt werde: «Das ist kontraproduktiv. Die Menschen überzeugt das nicht.»

Bistum: Nehmen Druck weg

Die Botschaft scheint im Bischöflichen Ordinariat in Solothurn angekommen zu sein. Das Bistum sei nachsichtiger und nehme den Druck weg, sagt der Sprecher des jetzigen Bischofs Felix Gmür. An den Pastoralräumen werde das Bistum aber festhalten.

Sprecher Hansruedi Huber wirbt dafür, Pastoralräume als Chance zu sehen. Die Menschen interessierten sich nach wie vor für Spiritualität, gingen aber nicht mehr in die Kirche. «Wir müssen uns an die veränderten Bedürfnisse anpassen. Das ist zwingend und erfolgskritisch.»

Asterix gewinnt, Caesar verliert

Die Präsidentin der Kirchenpflege in Kaiseraugst, Lisbeth Dudler, will weiterhin hart bleiben. Allerdings schliesst sie nicht aus, dass am Ende doch noch der Bischof gewinnt. Der aktuelle Gemeindeleiter in Kaiseraugst ist 59 Jahre alt, wird also spätestens in sechs Jahren pensioniert. Und dann dürfte das Bistum am längeren Hebel sitzen.

Für die nächsten Jahre ist die Rebellin aber optimistisch – und erinnert daran: Am Ende hat noch immer der rebellische Asterix gewonnen – und Caesar verloren.

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