Wie Filme und Medien mit Ebola Quote machen

Die amerikanischen Medien berichten viel und aufgeregt über Ebola. Epidemien und Viren beschäftigen aber nicht nur die Nachrichten: Auch Hollywood befasst sich gerne mit tödlichen Infektionskrankheiten.

Es war einmal ein todbringendes Virus/Bakterium/parasitäres Partikel, das in einer entlegenen Ecke von Afrika/China/Sibirien schlummerte, bis es via Mensch/Tier/Reagenzglas einen Weg in die zivilisierte Welt fand, wo es nun droht, alles menschliche Leben auszulöschen. Klingt bekannt, nicht wahr?

Bekanntes Erzählmuster


Ebola und die Lust an der Katastrophe

3:43 min, aus Kultur kompakt vom 14.10.2014

Dieses Erzählmuster hat sogar einen Namen: «Outbreak narrative». Soziologen haben es nach Wolfgang Petersens Seuchen-Thriller «Outbreak» von 1995 benannt. Darin versuchen Dustin Hoffman und Morgan Freeman unter Aufbietung aller schauspielerischen Kräfte einer Krankheit Einhalt zu gebieten, die ihre Opfer aus sämtlichen Körperöffnungen bluten lässt und innere Organe in Haferbrei verwandelt.

Das Genre könnte auch «The Hot Zone» heissen, nach Douglas Prestons Bestseller von 1994. Oder «Contagion» (2011), wie der apokalyptische Streifen von Steven Soderbergh, mit einem wie immer heldenhaften Matt Damon und vielen petrischalenbewehrten Bösewichten.

Die Nachrichten ähneln Hollywood

Die Killer-Infektion ist schon lange ein beliebtes Motiv der Unterhaltungsindustrie. Deshalb hat, wer in den USA die Berichterstattung über Ebola verfolgt, zurzeit oft Mühe, zwischen Nachrichten und Hollywood zu unterscheiden. Die Fernsehsender überbieten sich gegenseitig mit düsteren Prophezeiungen. Bald 10'000 Infizierte auf eigenem Boden? Massenquarantänen in Texas, wo Thomas Duncan, das erste Ebola-Opfer in den USA starb?

Andere, wie der erzkonservative Radiomoderator Rush Limbaugh, sind vom Suggerieren längst zum Behaupten übergegangen. Er beschuldigt Präsident Obama, das Ebola-Virus absichtlich ins eigene Land zu lassen, um das amerikanische Volk für die Verbrechen der Sklaverei zu bestrafen.

Spekulationen und Behauptungen

Verschwörungstheorien sind Trumpf. «Ebola: The ISIS of biological weapons?», lautete eine Schlagzeile bei «CNN». Die Terrororganisation IS könnte Ebola als Bio-Waffe einsetzen und ein paar Märtyrer nach einem Besuch in Westafrika nach Amerika schicken.

Bei «Fox News» findet man, die USA sollten sowieso sofort alle Grenzen schliessen. Selbst die «New York Times» begrüsst die Entscheidung der Regierung, Reisende aus den betroffenen Gebieten an den wichtigsten US-Flughäfen künftig einer obligatorischen medizinischen Untersuchung zu unterziehen – und sei es nur zur Beruhigung der Bevölkerung, so das Argument.

Luxus-Schutzanzug bei Amazon

Die vorsichtig geäusserten Ansichten von Fachleuten werden vom Lärm immer neuer Sensationsmeldungen übertönt. Niemand scheint hören zu wollen, dass man in den USA eher an einer Grippe stirbt als an Ebola.

Lieber deckt man sich bei Amazon mit Schutzanzügen ein. Dort ist der Absatz der Luxus-Version für 124.89 Dollar in den vergangenen Wochen um 250 Prozent gestiegen. Ein deutliches Zeichen dafür, dass das gefährlichste Virus nicht irgendwo in Afrika schlummert, sondern im eigenen Kopf. Und dafür, dass Quotengier und Panikmache bis jetzt noch jedes Armageddon überstanden haben.