Wie Frau sich kleidet, so fühlt sie sich

Das Londoner Design Museum zeigt 150 Jahre Frauenmode. «Women Fashion Power» dreht sich um Mode als Ausdruck femininen Selbstbewusstseins. Von der «Freiheit von Zwängen» bis zur «Freiheit der Wahl»: In der Garderobe der Frau widerspiegelt sich vor allem die eigene Persönlichkeit – heute wie damals.

Bei der Eröffnung der Modeschau war sie Ehrengast: Anne Hidalgo. Seit April 2014 ist sie Bürgermeisterin von Paris – als erste Frau. Die 55-Jährige kam ganz in Schwarz: in Lederjacke, Pulli, Rock und Stiefeln.

25 Karrierefrauen überliessen dem Museum Einzelstücke aus ihren Garderoben, «Leading Ladies» aus Politik und Wirtschaft, aus der High Society und natürlich aus der Welt der Haute Couture.

«Powerdressing» ist von gestern

Anne Hildago eröffnet die Schau.

Bildlegende: Eine typische Pariserin: Anne Hildago mag nüchterne und elegante Mode. Mirren Rosie

Auf dem Schildchen neben ihrer Seidenbluse mit Wollschal, die Madame Hidalgo zu ihrer Amtseinführung trug, erklärt die Pariser First Lady: «Ich trage zu allen Anlässen am liebsten Bequemes, das Eleganz mit Nüchternheit kombiniert.»

Die Pariser Sozialistin hält nichts vom konservativen «Powerdressing». Der Stil, der sich in den 1980er-Jahren etablierte und mit dem Frauen den männlichen Look imitierten: mit Hosenanzügen, Schulterpolstern und starren Kostümen.

Dieses Modekonzept sei auch längst überholt, meint Donna Loveday, die Kuratorin der Ausstellung. In der Schau habe sie den Begriff bewusst vermieden: «Frauen haben vielleicht ihre Lieblingsdesigner, aber sie folgen heute nicht mehr strengen Vorschriften oder Konventionen. Statt für ‹Power Suits› und ‹Business Look› entscheiden sie sich heute eher für auffällige Farben und markante Muster.»

Von der Abteilung «Freiheit von Zwängen» – hier geht es um steife Korsetts und den Kampf der britischen Suffragetten um politische Gleichberechtigung – spannt die Ausstellung den Bogen zu weiteren Themenbereichen: Von Modemagazinen, Sportkleidung, Fitness, Gesundheit, Arbeitswelt bis nach Hollywood und zur Protest-, Gegen- und Subkultur der 1960er- und 1970er-Jahre.

Heldinnen der Geschichte

Aber keine Designschau zum Thema Frauenpower ohne die Herren der Modeschöpfung: ausgestellt sind Kreationen von Cardin, Dior, Yves Saint Laurent, Lagerfeld und anderen.

Dennoch: Nicht die Ausstatter, sondern die Frauen selbst sind die Helden der Geschichte: «Modedesigner reagierten immer nur auf die sich wandelnde Stellung der Frau in Gesellschaft und Arbeitswelt, wobei freilich nicht alle von Männern kreierten Modekonstrukte dem weiblichen Selbstverständnis entsprachen», sagt Donna Loveday.

Neben den Powerfrauen der Weltgeschichte – Kleopatra, Jeanne D’Arc, Elisabeth I – zeigt das Design Museum die aktuellen Supermodels der Politik, Hilary Clinton etwa oder Angela Merkel.

Angela Merkel umgeben von Männern. Sie trägt einen gelben Blazer.

Bildlegende: Die deutsche Kanzlerin mit ihren farbenfrohen Blazern «weiche» Macht. Keystone

«Soft Power» mit Kalkül

«Mit der riesigen, überraschenden Farbenpalette ihrer Blazer demonstriert die deutsche Kanzlerin ‹Soft Power›», sagt Donna Loveday. «So fühlt sie sich wohl und so beweist sie Stil, Seriosität und Weiblichkeit. Und genau dies wollen wir hier zeigen: In der Mode ist eines viel wichtiger als die mit Kalkül betriebene Zurschaustellung von Einfluss und Macht. In der Garderobe muss sich vor allem die eigene Persönlichkeit widerspiegeln – heute wie damals.»

Zur Ausstellung

Die Ausstellung «Women Fashion Power» findet vom 29.10.2014 bis zum 26.4.2015 im Londoner Design Museum statt.

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