Wie Isis aus Kunstschätzen Geld für den Terror gewinnt

Die islamistische Terrorgruppe Isis finanziert sich auch durch den Verkauf antiker Kunstschätze. Bei den Objekten soll es sich um Tausende geraubte Artefakte aus dem Irak und Syrien handeln. Woher kommen die Schätze und wie gelangen sie in den Handel? Die Archäologin Ulrike Dubiel gibt Auskunft.

Bewaffnete und vermummte Männer stehen auf der Strasse im Irak.

Bildlegende: Kämpfer der Isis an einem Checkpoint in Mosul in Nordirak. Reuters

Woher stammt die Information, dass sich die Terrorgruppe Isis (Islamischer Staat im Irak und in Syrien) auch über den Kunsthandel finanziert?

Ulrike Dubiel: Irakische Kräfte konnten, kurz bevor Mosul von der Isis eingenommen wurde, Datenträger eines hochrangigen Isis-Militärs sicherstellen. Die Daten auf diesen Memory-Sticks wurden ausgewertet. Da kriegte man relativ detaillierte Aussagen, unter anderem eben auch zur Finanzierung der Isis. Man konnte nachvollziehen, dass die Isis Millionen durch den Verkauf von Ressourcen aus verschiedenen Teilen Syriens gemacht hat. Und darunter war auch Antikenhandel, also Handel mit geraubten Antiquitäten.

Wie funktionieren denn diese Geschäfte? Wer beschafft in Syrien die Kunstwerke?

Das Geschäft funktioniert auf unterschiedlichen Ebenen. Wir haben zum einen Verzweiflungstäter, denen vor Ort alle Ressourcen weggebrochen sind, um ihre Familien zu ernähren. Sie ziehen dann bei Nacht und Nebel mit Spaten und Spitzhaken los und versuchen durch eine Raubgrabung, irgendwie an Geld zu kommen.

Andererseits gibt es auch stark organisierte Strukturen. Spätestens wenn die gestohlenen Objekte bei diesen Zwischenhändlern sind, haben wir schon mafiöse Strukturen. Das sind ganze Schmugglernetzwerke, bei denen es wirklich darum geht, solche Ressourcen zu Geld zu machen, um den Krieg zu finanzieren.

Weiss man auch, woher genau die antiken Kunstschätze stammen?

Die Gegend, um die es da geht, wurde tatsächlich auf diesen Memory-Sticks benannt. Aber man kann davon ausgehen, dass die Antiquitäten aus dem ganzen Land stammen, weil die Leute in den Schmugglernetzwerken drinhängen.

Nach dem einzelnen Verzweiflungstäter oder der Bande vor Ort müssen die Kunstobjekte über eine durchlässige Grenze in ein Transitland gebracht werden. Das wären im Fall von Syrien zum Beispiel der Irak, die Türkei oder der Libanon. Von da aus nehmen die Stücke dann ihren Weg und kommen über Orte, die günstig für diese Art von Handel sind – sei das Dubai oder auch Genf – in den offiziellen Antikenhandel. Dort werden sie dann von mehr oder weniger namhaften Auktionshäusern angeboten. Zu diesem Zeitpunkt haben sie schon gefälschte Papiere. Ihnen wird eine Provenienz angedichtet, und sie werden feilgeboten.

Wie ist es möglich, dass solche Kunstwerke in den legalen Kunsthandel einfliessen?

Man weiss inzwischen tatsächlich, dass es gar nicht so viele Zwischenschritte vom Ort des Raubes bis zum tatsächlichen Kunsthandel geben muss. Wenn das Objekt einmal in einem Transitland angekommen ist, geht das anschliessend oft über Diplomatengepäck oder Armeekanäle weiter. Das hat man damals im Irak sehr gut gesehen. Die Objekte sind oft nicht grösser als Handgepäck. Letztlich landet das dann bei einem europäischen oder amerikanischen Kunsthändler.

Gibt es denn keine Mittel und Wege, um den Zwischenhandel und das Eindringen dieser Kunstwerke in den offiziellen und legalen Handel zu unterbinden?

(Seufzt) Man hat das Gefühl, dass es so gut wie unmöglich ist. Es gibt einen berühmten Fall, der durch die Presse ging. Ein Brite kaufte in Ägypten offensichtlich sechs geraubte Stücke, brachte sie mit seinem Handgepäck nach London und hat sie dort bei Christie’s feilgeboten. Nur der Aufschrei eines Mitarbeiters des British Museum hat überhaupt verhindert, dass die Stücke verkauft wurden. Dem Auktionshaus reichte es, dass der Besitzer angegeben hat, die Stücke seien schon lange in Familienbesitz.

Man müsste wohl bei den Auktionshäusern ansetzen und da die Gesetze verschärfen. Die Provenienz muss einwandfrei geklärt sein, bevor ein Objekt in den Kunsthandel kommt. Wenn man damit beispielsweise die Gewinnmarge minimiert und das Tempo im Kunsthandel drosselt, dann denke ich, würden geraubte Antiquitäten sehr an Attraktivität verlieren.

Einnahmequellen von Isis

  • Ölverkäufe
  • Privatspenden aus Saudi-Arabien und Katar
  • Erbeutetes Geld
  • Schutzgelderpressung

(Siehe Infografik unten)

Zur Person

Ulrike Dubiel ist Ägyptologin und Archäologin in Berlin. Aktuell ist sie Kuratorin der Ausstellung «Abenteuer Orient. Max von Oppenheim und seine Entdeckung des Tell Halaf» in der Bundes-Kunsthalle Bonn (bis 10. August 2014).

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