Wo das Alter zuschlägt: die Schwachstellen des Körpers

Spricht man vom Alter, denken viele an Demenz. Der Abbau von Hirnleistungen scheint für das Altern schlechthin zu stehen. Doch das nicht mehr junge Gehirn hat zu Unrecht einen schlechten Ruf: Knochen, Muskeln, Herz und Gefässe machen meist früher schlapp.

Ein weiss gekleideter älterer Mann vor schwarzem Hintergrund.

Bildlegende: Entgegen der landläufigen Meinung ist das Gehirn nicht die grösste Schwachstelle des alternden Körpers. Getty Images

Plötzlich sind sie da, und sie lassen uns ziemlich alt aussehen: Die ersten Altersflecken an Händen und anderen sonnenexponierten Stellen sind untrügliche Anzeichen des Alterungsprozesses. Hier wird sichtbar, was unseren Körper mit fortschreitendem Dasein belastet.

Müllhalden überall im Körper

Es sind die immer grösser werdenden Mengen von Abfall, die sich in unserem Körper ansammeln und von diesem nicht mehr abgebaut werden können. Im Fall der Altersflecken handelt es sich um verklumpte Eiweisse, wie sie mit zunehmendem Alter in allen Organen des Körpers zu finden sind.

Diese Mini-Müllhalden können Gefässe verstopfen, das Herz schwächen und im Gehirn allmählich unsere kognitiven Fähigkeiten unter sich begraben. Herzkreislauferkrankungen und Demenzen sind denn auch typische Alterskrankheiten. Krebs ist die dritte der lebensbedrohlichen Krankheiten, die gehäuft im Alter auftreten. «Krebs und Herzkreislaufkrankheiten sind die beiden grossen Killer», sagt Rudolf Wiesner vom Forschungsverbund für Altersforschung CECAD in Köln.

Der junge Körper schaut besser zu sich

Zwar häuft sich auch im jungen Körper andauernd neuer Abfall an, treten Schäden auf, bilden sich täglich neue Krebszellen. Doch während der junge Körper sich ununterbrochen selbst entmüllt und flickt, gelingt dies dem alten Körper zunehmend schlechter.

Die Kontrollmechanismen, die Erbgutschäden entdecken und Schäden an Zellen aufdecken sollten, lassen in ihrer Zuverlässigkeit zunehmend nach, sagt Wiesner: «Die ersten 10, 20, 30 oder 40 Jahre funktionieren diese Mechanismen sehr gut. Das Erbgut wird dauernd gescannt und alle anderen Zellbestandteile werden ständig durch neue ersetzt. Der Körper wird ständig neu gebaut. Diese Kontroll- und Reparaturabläufe funktionieren jedoch mit zunehmendem Alter immer schlechter.»

Mehrere chronische Krankheiten

Meist macht sich das schon früh bemerkbar: Die Haut wird schlaff, die Muskelkraft schwindet und die Sehkraft nimmt ab. Später kommen immer mehr typische Altersbeschwerden hinzu wie spröde Knochen, abgenützte Gelenke oder Herzkreislaufprobleme.

Die Heidelberger Hundertjährigenstudie hat gezeigt, dass 100-jährige Menschen vier bis fünf chronische körperliche Krankheiten haben – während 30 Prozent von ihnen geistig noch keinerlei Einbussen erleben. Das Gehirn altert zwar mit, ist aber zu bemerkenswerten Kompensationsleistungen fähig.

Der Schlüssel zum gesunden Altern

Entsprechend spät werden neurodegenerative Prozesse offensichtlich, sagt Sebastian Grönke vom Max-Planck-Institut für die Biologie des Alterns in Köln: «Früher wurde der Mensch viel weniger alt als heute. Im Jahr 1800 lag die durchschnittliche Lebenserwartung bei 30, maximal 40 Jahren. In diesem Alter ist das Gehirn in der Regel vollkommen funktionsfähig. Doch heute, wo wir eine viel längere Lebenserwartung haben, spielen Demenzerkrankungen eine sehr grosse Rolle.»

Anders als die beiden anderen bedeutenden Altersleiden, Krebs und Herzkreislauferkrankungen, lassen sich Abbau-Prozesse im Gehirn medizinisch kaum behandeln. Das macht unser Hirn zwar nicht zur ersten, aber hartnäckigsten Schwachstelle des alternden Körpers.

Grundlagenforscher wie Sebastian Grönke und Rudolf Wiesner suchen denn auch weniger nach dem Schlüssel zum langen Leben, als nach dem Geheimnis des gesunden Alterns. Das Credo der Forscher, die die Biologie des Alterns zu verstehen suchen, heisst denn auch: «Don’t add years to life, but life to years».