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70 Jahre Israel Im Land der biblischen Verheissung

Israel ist zentraler Teil der jüdischen Identität. Die Beziehung zu «dem Land» zwischen Jordan und Mittelmeer hat die jüdische Gemeinschaft nie losgelassen.

Mann sitzt auf Fels und überblickt Landschaft
Legende: Die jüdische Identität ist aufs Engste mit dem Land Israel verschweisst: Blick auf die Judäische Wüste zwischen Israel und dem Westjordanland. Getty Images/Reynold Mainse

Vor 70 Jahren wurde die Unabhängigkeit des Staates Israel ausgerufen. Was für Millionen Juden ein «Wunder» war, bedeutete für viele Hunderttausend Araber eine Katastrophe und den Verlust von Land.

Doch der jüdische Staat hätte kaum irgendwo anders entstehen können: Das Judentum hat einen jahrtausendelangen Bezug zu genau diesem Streifen Erde. Wie kaum eine andere Verheissung durchzieht das Land Israel die Bibel.

Mit Israel ist das konkrete Land gemeint

«Die Bibel ist kein Buch über den Himmel, sondern ein Buch über die Erde», schrieb der Religionsphilosoph Abraham Joshua Heschel in seinem Buch «Israel. Echo der Ewigkeit». Und diese Erde sei das heutige Israel.

Fluss in grüner Landschaft
Legende: In der jüdischen Tradition ist mit Israel immer das Land am Fluss Jordan gemeint. imago/schöning

Erde oder Land heissen auf Hebräisch «Erez». Wenn Israelis von «dem Land» («Ha’Aretz») reden, meinen sie nicht irgendein Land, sondern genau den Landstrich, der sich am Jordan entlang gen Mittelmeer erstreckt. Eine metaphorische Deutung des Begriffs gibt es fast nicht.

«Das Land gehört Gott»

Die Diesseitigkeit des Judentums betont auch der jüdische Gelehrte Gabriel Strenger. Er ist Psychotherapeut in Jerusalem, lebt orthodox und lehrt jüdische Mystik.

Blick auf das Tote Meer, dahinter Berge
Legende: Alles Land gehört Gott, sagt der jüdische Gelehrte Gabriel Strenger. Hier im Bild: das Tote Meer. imago/Danita Delimont

Gerade beim Land zeige sich, wie sehr es im Judentum um gelebtes Leben gehe. Hier und jetzt auf dieser «Erde» müssten wir die «guten Gebote Gottes zum Leben», wie die Tora auch genannt wird, leben. Jenseitsvorstellungen kennt das Judentum nicht.

«Eigentlich ist es ganz einfach», sagt Gabriel Strenger: «Das Land, wie alle Länder, gehört dem Ewigen, also Gott. Hinzufügen möchte ich aber: Wenn uns Juden das Land in dem Sinne also nicht ‹gehört›, sondern Gott, so gehören wir Juden doch zum Land. Wir haben kein anderes.»

Die Tora, das Land und das Volk gehören zusammen

Die jüdische Identität ist aufs Engste mit der Bibel, der Tora Israels und dem Lande Israel verschweisst. Für ihn als praktizierenden Juden, sagt Gabriel Strenger, sei es ein religiöser Auftrag, das jüdische Leben im Lande Israel zu verwirklichen.

Darum habe er als junger Mann sein verhältnismässig bequemes Leben in der Schweiz aufgegeben, um ein neues jüdisches Leben in Israel mitzugestalten.

«Sabbat für die Schöpfung»

Gabriel Strenger verbindet hohe ethische Massstäbe mit diesem Leben im Land der Bibel, etwa auch ökologische. Ein Beispiel ist das biblische Gebot der «Schmita», wonach Äcker und Gärten alle sieben Jahre ruhen müssen.

Dieser «Sabbat für die Schöpfung» soll der Natur guttun, aber auch den Menschen. Sozial Benachteiligte dürfen in dieser Zeit von den Früchten der Erde nehmen, was sie zum Leben brauchen.

Braches Ackerland
Legende: Im siebten Jahr sollen die Äcker ruhen: So lautet das biblische Gebot der «Schmita». Hier ein Acker in der Chulaebene im Norden Israels. REUTERS/Amir Cohen

Das Schmita-Gebot gilt allerdings nur im Lande Israel. Es wurde fast 2000 Jahre nicht praktiziert. Erst seit der Gründung Israels erlebt das sozial und ökologisch interessante Gebot aus der Bibel eine Renaissance.

«Du sollst den Fremden lieben wie Dich selbst»

Ein grosses Problem stellte sich auch schon in der Bibel: Im versprochenen Land Israel lebten bereits andere Einwohner, als die Israeliten einzogen. Damit ein Zusammenleben mit «Fremden» – gemeint sind «Nicht-Juden» – funktioniert, gibt die Tora konkrete Weisungen. Mehrfach heisst es dort: «Du sollst den Fremden lieben.»

Ausführlich etwa im 3. Buch Mose, Kapitel 19, Verse 33+34: «Wenn bei dir ein Fremder in eurem Land lebt, sollt ihr ihn nicht unterdrücken. Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid selbst Fremde in Ägypten gewesen.»

Die eigene Erfahrung von Fremdsein und Unfreiheit spielen in vielen biblischen Geboten eine Rolle, auch beim Sabbat-Gebot. Auf den wöchentlichen Ruhetag haben auch Nicht-Juden ein Recht.

Menschen formen Kreis und halten sich an den Händen
Legende: Für ein friedliches Zusammenleben: Israeli und Palästinenser demonstrieren gemeinsam in der Nähe von Jericho (Oktober 2016). REUTERS/Mohamad Torokman

Keine Hoffnung auf die Politik

Für Gabriel Strenger müsste das Zusammenleben eigentlich funktionieren, wenn sich das Volk Israel an die Gebote Israels hält. Und wenn die Nicht-Juden im Land gewaltfrei blieben.

Auf die Politik, egal welcher Fraktion, setzt er keine Hoffnung. Er glaubt an die friedensstiftende Kraft spiritueller Menschen, egal welcher Religion. «Wenn wir es schaffen, im Gesicht des anderen Menschen das Antlitz Gottes zu sehen, dann haben wir Frieden im Lande.»

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